Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mit Gottvertrauen Not lindern

Indien ist ein Land der Gegensätze. Einerseits haben Frauen gleiche Rechte wie Männer, andererseits werden sie stark benachteiligt. Eggoni Pushpalalitha, die erste Bischöfin in Indien, erzählt bei einem Deutschlandbesuch von Diskriminierung und davon, was die Kirche dagegen tut.  


Eggoni Pushpalitha hat trotz aller Schwierigkeiten Hoffnung für ihr Land und auch für ihre Kirche. (Foto: factum)

„Es ist eine Gnade Gottes, Bischöfin in Indien zu sein“, sagt Eggoni Pushpalalitha. Denn ihr Weg ist alles andere als selbstverständlich: Sie ist eine Dalit, das heißt, sie gehört zu dem Teil der Bevölkerung in Indien, die keiner Kaste angehören und deshalb eigentlich wenig Chancen haben auf Bildung und ein Einkommen, von dem man leben kann. Schulbildung war und ist für sie etwas Besonderes. Und Pushpalalitha ist eine Frau. Laut Gesetz sind die Frauen den Männern in Indien zwar gleichgestellt, doch die Realität sieht häufig anders aus: „Das Problem sitzt in den Köpfen“, sagt die Bischöfin. Frauen gelten – insbesondere in den Dörfern – als Menschen zweiter Klasse. Und das, obwohl es auch schon Ministerpräsidentinnen auf dem Subkontinent gab. Sie selbst wird als Bischöfin von den Würdenträgern respektiert.

Eggoni Pushpalalitha verschweigt nicht, dass es in ihrem Land große Probleme gibt. Die Missachtung der Frauen beispielsweise zeigt sich auf unterschiedliche Weise. Massenvergewaltigungen, die massive Abtreibung weiblicher Föten, Morde an Frauen, weil der Ehemann nach der Hochzeit weitere Mitgiftforderungen hat, denen die Eltern der Frau nicht nachkommen können, Witwen, die weder ein Einkommen noch eine Gesundheitsversorgung haben. „Diskriminierung ist Teil unserer Gesellschaft“, sagt sie. Nicht, dass die Gesetze nicht auf Gerechtigkeit bedacht wären, aber die Menschen handelten häufig einfach anders. „Wir können das System nicht ändern“, weiß sie. Aber die Christen können helfen.

Ein Ziel von Pushpalalitha ist es denn auch, Frauen und Mädchen eine Perspektive zu geben. Durch Schul- und Ausbildung, so dass sie als Frauen später ein eigenes Einkommen haben können. Als Schneiderin, als Krankenschwester, als Angestellte. Doch die Schulen sind auch ein Sorgenkind der Bischöfin: Es gibt zu wenig Lehrer, weil sie an privaten und öffentlichen Schulen mehr Geld bekommen als an kirchlichen. Den kirchlichen Schulen fehlt Geld, weil die Reichen ihre Kinder nicht mehr auf kirchliche, sondern auf andere private Schulen schicken.

Doch unterkriegen lässt sich Eggoni Pushpalalitha von diesen Aussichten nicht. Mit ihrem Mut und ihrer Tatkraft hat sie nämlich schon so einiges hinbekommen. So hatte ihre Diözese bei ihrem Amtsantritt im letzten Jahr ein Defizit von umgerechnet 58.000 Euro. Doch mittlerweile ist der Haushalt wieder ausgeglichen. Auch als Pfarrerin hat sie das schon bei mehreren Einrichtungen geschafft.

Und sie hat ständig neue Ideen, wie sie und ihre Kirche die Not von Menschen lindern können. Die meist mittellosen Witwen werden beispielsweise zu Bibelfrauen ausgebildet. Sie halten in den Gemeinden Kinderkirche und bekommen dafür ein kleines Entgelt.

Auch die Gesundheitsvorsorge und -versorgung ist der 58-Jährigen wichtig. Neben den Krankenhäusern der Kirche will Pushpalalitha künftig auch einen mobilen Gesundheitsservice anbieten, der in die Dörfer kommt. Doch auch das braucht Geld. Die Kirche ist daher auf Unterstützung angewiesen, beispielsweise auch durch das Evangelische Missionswerk in Solidarität (ems) in Stuttgart. Der Rest ist Gottvertrauen.