Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mit Hoffnung in größter Gefahr - Impuls zur Predigt

Daniel 7,1-3(4-8)9-14 (in Auszügen) „Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel wühlten das große Meer auf. Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, ein jedes anders als das andere. Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels, wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht.“

Mit Hoffnung in größter Gefahr

Impuls für Christi Himmelfahrt: Daniel 7,1-14.

Von Jürgen Kaiser

Jürgen Kaiser, Pfarrer und Sachbuchautor, war vor seinem Ruhestand Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses in Stuttgart. Foto: Evangelisches Medienhaus

Siegmund Freud hätte seine Freude an Daniel gehabt. Denn für beide waren Träume und ihre Deutung der Schlüssel der Erkenntnis. Und beide hatten einen Urahn: Josef am Hofe des Pharaos. Der entschied mit seiner Traumdeutung sogar hohe Politik. Daniel will aufdecken. Das steckt hinter dem Wort Apokalypse. In seinen Träumen sieht er kommende Ereignisse und zieht daraus Schlüsse für die Zustände in der Gegenwart.

Das Danielbuch beschreibt vordergründig die Zeit der Eroberung Jerusalems 587/586 vor Christus und die anschließende Verbannung der Oberschicht nach Babylonien. Nur die Oberschicht geriet in die sogenannte „Babylonische Gefangenschaft“, das einfache Volk verblieb im Lande.

Jürgen Kaiser, Pfarrer und Sachbuchautor, war vor seinem Ruhestand Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses in Stuttgart.Jemand musste ja arbeiten und die Felder bestellen. Einen König gab es jetzt nicht mehr, die politische Macht lag zunehmend in der Hand des Hohepriesters. Um dieses Amt stritten sich in den nächsten Jahrhunderten die Clans der Seleukiden und der Ptolemäer. Um 200 vor Christus haben die Seleukiden schließlich die Ptolemäer besiegt. Teile der Oberschicht waren längst aus Babylonien zurückgekehrt und haben auch in Jerusalem hellenistische Lebensweisen angenommen. In Jerusalem wurde auf ihren Festen Schweinefleisch gegessen, ja sogar im Tempel geopfert. Jahwe wurde in Zeus umbenannt. So viel Anpassung an den Zeitgeist löste Widerstand aus. Ihn führte Judas Makkabäus an – Makkaba heißt Hammer. Es kam zum Aufstand der Makkabäer. Sie gewannen.

In dieser Zeit wurde Aramäisch gesprochen. Die Sprache von Jesus von Nazareth. Der Stolperstein in unserem Danielbuch: Kapitel 7 ist nicht in hebräischer, sondern in aramäischer Sprache geschrieben.

Damit kann dieses Kapitel nicht aus der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft stammen. Das jüngste Buch des Alten Testamentes wurde in der Zeit des Makkabäeraufstands geschrieben, nimmt die Ereignisse dieser Zeit auf, versetzt sie in ein paar Jahrhunderte vorher und deutet das Heutige aus dem vermeintlich Gestrigen. Diese Erkenntnis ist die Sperre gegen leichtes eins zu eins Auslegen des Textes. Für die Menschen damals war klar: Die vier Winde sind die vier Himmelsrichtungen, also die ganze Welt.

Nicht verzweifeln

Die vier Tiere sind die Großreiche Rom, Griechenland, Babylonien und Assyrien. Alle sind schon einzeln eine Bedrohung. Sie sind korrupt, gewalttätig, machtbesessen, ausbeuterisch und haben fremde Götter. Das alles kann, wer will, locker auf heute übertragen. Vier bedrohende Mächte lassen sich zu allen Zeiten finden. Aber das ist nicht die Botschaft.

Die Botschaft ist: nicht zu verzweifeln. Nicht zu verzweifeln, wenn man die Welt und ihre Mächte und Machtspiele betrachtet. Der Grund für das Nicht-Verzweifeln ist: Dass Gottes Reich kommen wird als eine neue Zeit. Es ist dem Menschen nicht gegeben, zu sagen, wann das ist. Also braucht man auch nicht darüber spekulieren. Daniel spricht vom kommenden Menschensohn. Christen wissen, wer damit gemeint ist. So kommt Gott selbst als Mensch in diese leidgeprüfte Welt. Gott hat das letzte Wort, nicht die Mächte dieser Welt. Das ist der Grund unserer Hoffnung, die uns für dieses Reich Gottes tätig werden lässt.

Himmelfahrt, Wiederkunft Jesu. Foto: Gerd Altmann, pixabayFoto: Gerd Altmann, pixabay

Gebet

Herr, unser Gott!

Auch unsere Zeiten sind Zeiten der Verzweiflung.

Lass uns nicht verzweifeln, sondern uns an deiner Verheißung, gegeben durch deinen Sohn Jesus Christus, aufrichten.

Amen.

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