Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mit Neugier und Freude - Göppingen und Menchum

GÖPPINGEN – Eine Partnerschaft auf Augenhöhe pflegen die Kirchenbezirke Göppingen und Menchum in Kamerun – und das nun schon seit 40 Jahren. Von dem fruchtbaren Austausch und dem Leben in der afrikanischen Provinz können sich jetzt die Besucher der Göppinger Stadtkirche ein Bild machen. Und auch Annemone Hilsenbeck hat viel zu erzählen.

Göppinger zu Besuch in Menchum. Vorne, mit dem blauen Poloshirt, Annemone Hilsenbeck, neben ihr Bischof Samuel Fonki. Foto: PrivatGöppinger zu Besuch in Menchum. Vorne, mit dem blauen Poloshirt, Annemone Hilsenbeck, neben ihr Bischof Samuel Fonki. Foto: Privat

Was verbindet einen schwäbischen und einen kamerunischen Kirchenbezirk? Wie wurde die seit 40 Jahren bestehende Partnerschaft gelebt, die in einer Zeit ohne Handy und Computer entstand? „Bis heute ist jede Reise mit großen Anstrengungen verbunden“, sagt Annemone Hilsenbeck. Die studierte Theologin ist die Vorsitzende des Göppinger Partnerschaftsausschusses. Allein für die Strecke vom Flughafen in Douala bis zum Bezirk Menchum benötigen Besucher zwei Tage. 100 Kilometer führen über staubig-holprige Wege. Bewußt wurde die Partnerschaft zu Menschen in einem ländlichen Gebiet gesucht. „Es sollten Menschen erreicht werden, die am meisten Hilfe brauchen“, erläutert Hilsenbeck den Gründungsgedanken.

Sie erinnert an Gerhard Vöhringer, vor 40 Jahren Pfarrer an der Stadtkirche in Göppingen. Dieser hatte bereits drei Jahre in Kamerun verbracht und stand in Kontakt zu Elias Cheng in Wum, der Hauptstadt des Bezirks Menchum. Vöhringer und Pfarrer Bernhard Dinkelaker aus Hohenstaufen begründeten die Direktpartnerschaft. Sie kommt ohne das Netz der Missionswerke aus.

Menchum liegt im Dekanat der Presbyterian Church in Cameroon in der englischsprachigen Nordwest-Provinz Kameruns. In den ersten 20 Jahren der Partnerschaft ist viel gebaut worden, berichtet Annemone Hilsenbeck. So entstand im Laufe der Zeit ein Women Center für Frauen, die Sunday School Hall, ein Gesundheitszentrum und auch Kirchen in der Region Wum, wo etwa 100 000 Menschen leben. Auch das Canaan Children Projekt entstand. Es ermöglicht Waisenkindern, die ihre Eltern durch Aids verloren haben, den Schulbesuch. Zum Glück gebe es bis heute viele großzügige Einzelspenden im Kirchenbezirk Göppingen. Dieses Geld erreiche die Menschen, die es benötigen.

Kulturschock für Besucher aus Kamerun

Die Verbundenheit zu den Partnern in Kamerun hat sich nicht nur auf finanzieller, sondern auch auf ideeller Basis entwickelt, betont Annemone Hilsenbeck. Durch gegenseitige regelmäßige Besuche kleiner Delegationen ist über die Jahre hinweg eine recht lebendige Partnerschaft entstanden. „Man weiß voneinander, man lernt voneinander, man ist neugierig und mit Freude erfüllt“, sagt die Vorsitzende.

Menchum. Die Partnerschaft hilft auch den Jüngsten. Sie bekommen eine Schulbildung. Foto: PrivatMenchum. Die Partnerschaft hilft auch den Jüngsten. Sie bekommen eine Schulbildung. Foto: Privat

Die Besuche seien keineswegs mit touristischen Reisen zu vergleichen. Es seien Begegnungen, in denen die Einrichtungen sowie die Jugend- und Frauenarbeit, die Gesundheitscenter und immer wieder neue Projekte begleitet werden. Hilsenbeck betont den Austausch auf Augenhöhe, der getragen wird von gegenseitigem Respekt: „Die Lebendigkeit, die bunte Fröhlichkeit, das Leben mit allen Sinnen und das unendliche Gottvertrauen unserer Partner im Kamerun erfüllt mich tief.“ Viele Menschen erlebe sie dort ausgeglichen und zufrieden, auch wenn sie in ärmlichen Verhältnissen leben. „Sie leben bewusster und schätzen das, was dazu kommt, wesentlich mehr.“

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Wenn Gruppen aus Kamerun nach Göppingen kommen, erleiden sie wohl eher einen Kulturschock: das Klima, der Verkehr, der Materialismus, die Kleidung. Die Besucher hätten einige Tage gebraucht, um diese Eindrücke verdauen zu können. Mit Erstaunen hätten die Gäste reagiert, als der hiesige Gottesdienst nach einer Stunde beendet war. „Im Kamerun sind sie nach einer Stunde erst einmal alle da. Dann wird getanzt und gesungen und alles ist in Bewegung“, schildert Annemone Hilsenbeck ihre Eindrücke.

Dass 40 Jahre einer Partnerschaft „nicht nur Tolles“ mit sich bringen, gesteht die Vorsitzende unumwunden ein. Höhen und Tiefen hätten diese Zeit begleitet „und wir haben auch Lehrgeld bezahlt“, berichtet sie. Konsequent hätten sich daraus Regularien entwickelt, wonach Projekte, die aus Göppingen angeschoben und begleitet werden, der Verantwortung im Kamerun obliegen, aber auch zeitlich begrenzt sind. Abrechnungen, Zwischenberichte und Belege für Finanzierungen würden eingefordert.

Während früher ein Brief um die zehn Wochen unterwegs war, wird heute per Whatsapp kommuniziert. Während der vergangenen Monate erreichten die Göppinger Nachrichten wie: „Wir haben Ebola, Aids und Malaria – Corona kommt halt dazu und ist nur eine von vielen Seuchen. Unsere größte Sorge ist der Bürgerkrieg.“ Der tobt seit vielen Jahren. Rund 700 000 Menschen sind auf der Flucht, die medizinische Versorgung ist eingeschränkt. Wie Annemone Hilsenbeck berichtet, liegt mittlerweile auch das Help Center in Schutt und Asche. Wie wichtig die Partnerschaft ist, davon erzählt auch die aktuelle Ausstellung in der Göppinger Stadtkirche.

◼ Die Ausstellung „40 Jahre Partnerschaft in Bildern und Geschichten“ wird am 10. Oktober um 17 Uhr eröffnet und ist bis 1. November in der Stadtkirche Göppingen zu sehen.

www.ev-kirche-goeppingen.de