Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mit Schwung und Tradition - Evangelische Tagungssstätte Löwenstein

Als die württembergische Landeskirche die Evangelische Tagungsstätte Löwenstein (ETL) baute, gab es im Norden des Landes noch keinen Fortbildungsort. Von Anfang an lag der Fokus auch auf den Ehrenamtlichen. „Der Gedanke ist bis heute einleuchtend – wir sind eine Gemeindeakademie“, sagt die theologische Leiterin Eva-Maria Bachteler. Und das seit 50 Jahren.

Begegnung. Foto: Suju-Foto, pixabayBegegnung. Foto: Suju-Foto, pixabay

Die ETL ist ein Haus der Begegnung. Hoch oben in den Löwensteiner Bergen gelegen, ist sie prädestiniert für eine Auszeit, ein Ort zum Innehalten und der Reflexion. Gebaut hat sie vor fünf Jahrzehnten zwar die Landeskirche, getragen wird sie allerdings von den fünf Kirchenbezirken Weinsberg-Neuenstadt, Brackenheim, Besigheim, Marbach und Heilbronn. „Der Verband bringt eine jährliche Umlage von 450 000 Euro auf, der Rest muss selbst erwirtschaftet werden“, erläutert der Vorsitzende Matthias Bauschert, Dekan von Weinsberg-Neuenstadt.

Bis 2019 klappte das auch sehr gut, aber Corona hat auch die ETL gebeutelt. Statt 18 000 Übernachtungen fanden 2020 nur 5492 statt; von November bis Mai war komplett geschlossen. „Seit Juni sind wir wieder in der Belegung. Natürlich geht das nicht von null auf 250, aber es steigt erfreulicherweise“, zeigt sich Bachteler, die ihre Stelle erst am 15. Juli 2020 übernommen hat, erleichtert. Doch zurück zu den Anfängen. Von Beginn an ist angedacht, dass die ETL Angebote macht, die in den Gemeinden und Bezirken aus räumlichen oder organisatorischen Gründen nicht möglich sind. Fortbildungen für den Kirchengemeinderat, Gremien oder Chöre finden statt.

Evangelische Tagungsstätte Löwenstein. Foto: Stefanie PfäffleEvangelische Tagungsstätte Löwenstein. Foto: Stefanie PfäffleImposanter Ausblick und ein großes, grünes Grundstück: Die Einrichtung bietet eine Auszeit vom Alltag. Foto: Stefanie Pfäffle

Die Bezirke stehen zu ihrer Tagungsstätte. Auch weltliche Gruppen und Firmen sind willkommen. In den 1950er-Jahren änderte sich die Bildungsarbeit wie auch die kirchliche Arbeit selbst. Die Frauen in der Kirche emanzipierten sich; die ETL bot verstärkt Frauen-Wochenenden, Tanz, feministische Theologie oder Kreativkurse an. In den 1970ern kamen die Bibelseminare auf, als die Gläubigen selber lesen und nicht mehr nur das hören wollten, was der Pfarrer predigte.

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Gleichzeitig ist die ETL ein Haus mit Traditionen. Schon seit vielen Jahren finden viermal jährlich Kunstausstellungen statt. Bestimmte Sparten bleiben immer, auch wenn sich die Themen ändern. Dazu gehören Theologie und Spiritualität, die Ge-meindeakademie, Freizeiten für alle Altersgruppen, Persönlichkeitsentwicklung sowie Kunst/Kultur/Musik. „Das Angebot lebt auch von den Menschen, die hier gestrandet sind“, meint Bauschert und verweist auf eine Gruppe, die seit gefühlten Ewigkeiten dreimal jährlich zur Ikonenmalerei kommt.

Dekan Matthias Bauschert und die theologische Leiterin Eva-Maria Bachteler hoffen, dass die Tagungsstätte nach der Corona-Krise wieder in alte erfolgreiche Bahnen zurückkehrt. Foto: Stefanie Pfäffle

Bachteler selbst ist erst die fünfte theologische Leitung, aber die erste Frau. Nachhaltigkeit ist ihr wichtig, dazu wird es im Herbst das erste Mal eine ganze Reihe geben, die Theorie und Praxisbezug miteinander verknüpft.

Recht spontan wurde innerhalb von zwei Wochen eine vom Land geförderte Freizeit für von Corona gestresste Familien aus dem Boden gestampft. Zweimal 70 Erwachsene und Jugendliche aus dem ganzen Land dürfen kommen, es könnten doppelt so viele sein.

Für Eva-Maria Bachteler ist die ETL ihre Traumstelle, deswegen will sie auch alles tun, Corona hin oder her, dass die Tagungsstätte das übersteht. Ihr und dem Verband ist es wichtig, offen für Neues zu bleiben und dabei die Tradition des Hauses nicht zu vernachlässigen. Für die nächsten 50 Jahre.