Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mit viel innerer Freiheit - Sophie Scholl, die Unbeugsame

Sophie Scholl war unangepasst, selbstbewusst, künstlerisch und sprachlich begabt. Ihr Widerstand gegen das Unrecht im NS-Staat kostete sie das Leben. Vor 100 Jahren wurde sie in Württemberg geboren. Was hat die junge Frau geprägt? Eine Annäherung.

Sophie Scholl. Foto: Stadtarchiv Crailsheim/ Slg Hartnagel

So wenig folgenreich die Flugblätter und Wandaktionen der Weißen Rose zu ihrer Zeit realistisch betrachtet gewesen sein mögen: Sophie Scholl und ihre Mitstreiter haben durch ihren Widerstand und den Tod von sieben aus der Gruppe die Zukunft eines freien, humanen, guten Deutschlands gerettet – ebenso symbolisch wie beispielgebend.

Von Juni 1942 bis April 1943 ruft die Weiße Rose mit Flugblättern und Wandaktionen in München zum Kampf gegen die nationalsozialistische Diktatur auf – und für die Beendigung des Kriegs.

Alexander Schmorell und Sophies älterer Bruder Hans verfassen die ersten vier Flugblätter. Auflage: jeweils 100 Stück, die sie vor allem an Münchner Akademiker verschicken. Etwa jeder dritte Empfänger meldet die Sache der Polizei.Das erste Flugblatt greift den Schock auf, den das beginnende Flächenbombardement der deutschen Städte durch die Alliierten in der Bevölkerung ausgelöst hatte. Im zweiten Flugblatt verurteilt die Weiße Rose den Massenmord an den Juden in Polen.

Hans und Sophie Scholl - Entschlossen, Hitler zu stoppen

Hans Scholl, Bruder von Sophie Scholl. Robert Scholl, Vater von Sophie Scholl. Fotos: Stadtarchiv Crailsheim/ Slg HartnagelHans (links, Foto: Stadtarchiv Crailsheim/ Slg Hartnagel) und Alexander haben sich 1941 als Medizinstudenten in der Sanitätskompanie der Wehrmacht kennengelernt. Bald erweitert Willi Graf den Kreis, ebenfalls ein angehender Mediziner. Im Sommer 1942 werden sie an der Front Zeugen des deutschen Eroberungs- und Vernichtungskriegs. Als sie Anfang November nach München zurückkehren, sind sie entschlossener denn je, Hitler zu stoppen.

Hans’ jüngere Schwester Sophie, Christoph Probst und Professor Kurt Huber stoßen zum engsten Kreis hinzu. Im Januar und Februar 1943 entstehen zwei weitere Flugblätter. Nun bildet die Gestapo eine Sonderkommission und intensiviert die Fahndung. Sie beauftragt einen Altphilologieprofessor mit einer linguistischen Expertise der Texte. Die Gestapo ist sich inzwischen sicher, dass die Flugblätter von Münchner Studenten stammen.

Mit einem neuen Vervielfältigungsapparat steigen die Auflagen nun auf 5000, vielleicht sogar 9000 Stück. Die Sache ist enorm riskant: Papier und Briefmarken sind unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft rationiert. Wer große Mengen kauft, macht sich verdächtig. Um den Widerstand auch in andere Städte zu tragen, sprechen die Mitglieder der Gruppe vertrauenswürdige Freunde und Bekannte an. Flugblätter kommen so unter anderem nach Ulm, Stuttgart, Freiburg, Hamburg oder Chemnitz und sogar in österreichische Städte. Sie werden auf Kurierfahrten persönlich ausgetragen oder mit der Post verschickt.

In drei Februarnächten 1943 ziehen Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf durch die Münchner Innenstadt. Sie pinseln Graffiti gegen das Regime an Häuserwände. An den Haupteingang der Uni schreiben sie mehrmals in großen Buchstaben „Freiheit“ und „Nieder mit Hitler“.

Zwei Tage vor der Verhaftung der Geschwister Scholl sind an rund 30 Stellen die Parole „Massenmörder Hitler“ und durchgestrichene Hakenkreuze zu sehen. Die Gestapo lässt die Aufschriften sofort entfernen, was nicht vollständig gelingt. Man fahndet mit Hochdruck nach den Urhebern.

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Am 18. Februar gegen 11 Uhr legen die Geschwister Scholl das sechste Flugblatt vor den Hörsälen im Hauptgebäude der Münchner Universität aus. Überzählige Blätter lassen sie in den Lichthof fallen. Dabei werden sie vom Hausmeister beobachtet, dem es gelingt, sie festzuhalten. Beide werden sofort von der Gestapo verhaftet.

Bisher eher im Hintergrund beteiligt, hatte Christoph Probst auf Bitte der anderen ein weiteres Flugblatt entworfen. Hans trug diesen Text bei seiner Verhaftung bei sich. Es gelang ihm nicht mehr, das Papier unbemerkt zu zerreißen. Probst wird als Autor verdächtigt und am 20. Februar verhaftet.

Nach einem kurzen Volksgerichtsprozess werden Sophie, Hans und Christoph am 22. Februar 1943 zurück nach Stadelheim gebracht. Um 17 Uhr wird Sophie Scholl über den Gefängnishof in den Raum mit der „Fallschwertmaschine“ geführt. Sie war ruhig und gefasst, vermerkt das Hinrichtungsprotokoll. Dann verrichtete die Guillotine ihr Werk. Zwei Minuten später war Hans an der Reihe. Um 17.05 Uhr starb Christoph Probst.

Sophie Scholl stickt Runen statt Hakenkreuze

Wer war Sophie, der Mensch hinter dem Mythos? „Eine feine Eigenwilligkeit (…) gepaart mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl“, schrieb ihre Schwester Inge. Beides hätte ganz still ihr Wesen beherrscht, „als lebten sie wie ein kleiner Kern in ihr, der wächst und von innen her prägt“.

Familie Scholl am Ludwigsburger Schloss Favorite. Foto: Stadtarchiv Crailsheim/ Slg HartnagelFamilie Scholl am Ludwigsburger Schloss Favorite. Foto: Stadtarchiv Crailsheim/ Slg Hartnagel

Die Familie Scholl stammt aus dem Hohenlohischen. Robert Scholl aus Steinbrück bei Schwäbisch Hall, Mutter Magdalene (Lina) aus Künzelsau. Hans wird 1918 in Ingersheim-Altenmünster geboren, einer Gemeinde, die heute zu Crailsheim gehört, Sophie Scholl kommt am 9. Mai 1921 als viertes Kind von Lina und Robert Scholl in Forchtenberg zur Welt.

Sophie verlebte eine glückliche Kindheit. Nach einer Station in Ludwigsburg zog die Familie 1932 nach Ulm. Im Jungmädelbund wurden Sophie Scholl und Susanne Hirzel (1921 – 2012) Freundinnen. Sie wurden später als Jungmädelführerinnen abgesetzt, was die Freundschaft nur zeitweise getrübt habe. Sie hatten sich die Freiheit genommen, statt Hakenkreuzen Runenzeichen auf die Wimpel ihrer Schar zu sticken. Beide gingen im April 1940 nach dem Abitur zusammen an das Ulmer Kindergärtnerinnenseminar, an dem schon Sophies ältere Schwester Elisabeth gelernt hatte.

Susanne war die Tochter des evangelischen Pfarrers Ernst Hirzel. Sie studierte in Stuttgart Musik, als sie Ende 1942 von Sophie Scholl angesprochen wurde. Ende Januar folgte sie der Bitte von Hans Scholl und warf in Stuttgart das fünfte Flugblatt der Weißen Rose in Briefkästen. Nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl wurde auch Susanne Hirzel verhaftet. Sie wurde letztlich freigesprochen, weil man ihr die Beteiligung an der Flugblatt-Aktion nicht nachweisen konnte. □

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Thema Heft Sophie Scholl