Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mitmachen und versöhnen

BAIERSBRONN (Dekanat Freudenstadt) – Die Kirchen mischen mit im neuen Nationalpark Schwarzwald: Ein ökumenischer Arbeitskreis aus vier Landeskirchen und sechs Dekanaten soll die Arbeit koordinieren, deren Ziel auch die Versöhnung zwischen Gegnern und Befürwortern ist. Zum Leitungsteam gehört der evangelische Pfarrer aus Baiersbronn-Mitteltal, Wolfgang Sönning.


Mit kirchlicher Beteiligung: Angebote im neuen Nationalpark. (Foto: Gemeindeblatt)

Seit dem 1. Januar 2014 ist der Nationalpark im Nordschwarzwald Fakt. Die Verantwortlichen sind bemüht, die Wogen zu glätten und Strukturen aufzubauen. Der Wald ist da, aber der Park muss mit Leben und Erlebnismöglichkeiten für Besucher gefüllt werden. Teil der Nationalparkkonzeption sollen auch kirchliche und spirituelle Angebote sein: Das jedenfalls ist der erklärte Wunsch der neuen Nationalparkleitung um Wolfgang Schlund und Thomas Waldenspuhl.

Bei der Umsetzung soll ein ökumenischer Arbeitskreis der Kirchen helfen: Ihm gehören 20 evangelische und katholische Vertreter aus sechs Dekanaten an, die im Bereich des neuen Großschutzgebietes liegen. Ferner sitzt auch der Umweltbeauftragte der württembergischen Landeskirche, Klaus-Peter Koch, mit am Tisch.

Anknüpfen können die Kirchen dabei an Angebote, die in der Region seit langem existieren: Ökumenische Gottesdienste auf dem Schliffkopf oder in der Mummelseekapelle, geistliche Spaziergänge, Pilgerwege oder den „Advent im Wald“. Das gilt es nun auf den neuen Nationalpark Schwarzwald zu übertragen, der auf 100 Quadratkilometer Fläche rund um den Ruhestein und den Hohen Ochsenkopf/Plättig entstanden ist.

Die Geschäftsführung des neuen Arbeitskreises teilen sich die katholische Gemeindereferentin Helga Klär aus dem Achental und der evangelische Pfarrer Wolfgang Sönning aus Baiersbronn-Mitteltal. Ihre Aufgabe ist es, beim Aufbau der verschiedenen Arbeitsgruppen mitzuwirken, die ab Herbst an der inhaltlichen Ausgestaltung des Kichenengagements mitwirken. Um Leitbilder geht es da, Bildungsangebote, Spiritualität, christliche Werte und Versöhnungsarbeit.

Letzteres könnte womöglich die größte Herausforderung sein: Denn viele Monate lang erhitzte der Streit um den Nationalpark im Nordschwarzwald die Gemüter. Gegner und Befürworter bekämpften sich massiv, tiefe Gräben waren entstanden, auch in den Kirchengemeinden, die es nun ganz langsam wieder zuzuschütten gilt.

Pfarrer Wolfgang Sönning hat das alles hautnah miterlebt. In seiner Heimatgemeinde Baiersbronn tobte der Konflikt besonders heftig und ging durch beinahe alle Bevölkerungskreise: „Da saßen Gegner und Befürworter in der gleichen Kirchenbank“, kann sich der Seelsorger erinnern. Sönning ist deshalb ganz froh, dass sich die württembergische Landeskirche im Gegensatz zur badischen nicht klar für den Nationalpark ausgesprochen hat, sondern neutral geblieben ist: „Das hätte die Polarisierung noch weiter verstärkt.“

Gleichwohl sei der Nationalpark nun Gesetz und eine Tatsache, mit der alle lernen müssten umzugehen. „Man kann hier nicht so tun, als ob es ihn nicht gäbe“, schließlich sei er auf demokratischem Wege beschlossen worden und selbst konservative Politiker hätten zwischenzeitlich erklärt, dass sie bei einem Machtwechsel das Rad nicht mehr wieder zurückdrehen würden.

Bleiben die Kränkungen und Empfindlichkeiten, die bei Teilen der Bevölkerung nach wie vor existieren: So hat Sönning erst unlängst einen Aufschrei erlebt, als der Vertrag für eine von kirchlichen Jugendgruppen genutzte Wiese in Baiersbronn-Schwarzenberg vom Nationalpark gekündigt wurde: „Das kam gleich wie ein Verbot rüber, dabei ging es nur um ein neue rechtliche Zuständigkeit.“

Schließlich hat Wolfgang Sönning sich eingeschaltet und zur Aufklärung des Missverständnissses beigetragen: Natürlich darf die Wiese weiterhin von der Jugend genutzt werden.

So wie in diesem Fall wollen die Mitglieder des Ökumenischen Arbeitskreises auf weiteren Konfliktfeldern tätig werden. Miteinander statt übereinander reden, heißt die Devise. Aufklären und verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen, auch wenn das zuweilen gar nicht einfach und oft ausgesprochen mühsam ist.

Alle Teilnehmer des ökumenischen Arbeitskreises hoffen nun, dass ihre Arbeit von den jeweiligen Landeskirchen finanziell und personell unterstützt wird, schließlich erwarte man ja Besucher aus ganz Deutschland und den Nachbarländern. Gefragt sind dabei die württembergische und die badische Landeskirche sowie die katholischen Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Freiburg.

Ansprechpartner für Nationalparkfragen mit kirchlichem Bezug

Pfarrer Wolfgang Sönning aus Mitteltal:

Telefon 07442-5366

Gottesdienst im Nationalpark Schwarzwald

Am 21. September findet um 10.30 Uhr anlässlich des Tags der Schöpfung ein ökumenischer Gottesdienst am Sitz der Nationalparkverwaltung auf dem Ruhestein statt.