Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mitsingen in der Bürgerkirche - Stiftskirche Tübingen

Im Jahr 1945 wurde in der Stiftskirche die Reihe „Motette“ ins Leben gerufen. Am 22. Februar erklingt die 3000. Motette. Diese Erfolgsgeschichte würdigt Kirchenmusikdirektor Ingo Bredenbach mit einer Festschrift und einem Mitmachkonzert von Händels „Messiah“.

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Bei der 3000. Motette ist auch das ensemble vocale piccolo beteiligt. Foto: Pressebild, Brigitte Jähnigen

„Ich geh’ einfach in die Motette am Samstag, ich schaue gar nicht auf das Programm.“ So wird eine Besucherin in der 90-seitigen Festschrift zitiert. Sie weiß, dass auf die musikalische Qualität immer Verlass ist, Woche für Woche. Am 22. Februar erklingt in der Stiftskirche zum 3000. Mal eine Motette – geistliche Musik in liturgischer Form. Das wird nicht nur musikalisch, sondern eben auch mit einer Festschrift gewürdigt, in der viele Zeitzeugen zu Wort kommen.

Tübinger Stiftskirche - Mitsingen und Mithören

Ins Leben gerufen wurde die Reihe 1945 vom damaligen Kantor Walter Kiefner. Zu Beginn sei die Motette vor allem mit dem Hunger nach Kultur begründet gewesen, sagt Ingo Bredenbach. Er ist seit zehn Jahren Kirchenmusikdirektor und Kantor der Stiftskirche. Am Festwochenende steht Georg Friedrich Händels „Messiah“ im Mittelpunkt. Am Samstag zum Mitsingen, am Sonntag zum Mithören. Die Auswahl begründet Bredenbach so: „Das ist eines der bekanntesten und zentralsten Werke der Musikgeschichte.“ Für beide kostenfreie Veranstaltungen habe er bereits Anfragen von Stuttgart bis zum Bodensee.

Die Motette, sagt Bredenbach, präge seit 75 Jahren kontinuierlich das Leben der Stadt Tübingen und darüber hinaus. „Verlässlich, jeden Samstag“, sagt Bredenbach. Im Jahr hören rund 20 000 Menschen die Konzerte, rund 450 Besucher pro Samstag. Nur bei Fußball-Länderspielen sind es deutlich weniger.

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Die geistliche Musik in liturgischer Form ersetzt für einige sogar den Gottesdienst am Sonntag. Die Gemeinde singt immer mindestens ein Lied mit, bisweilen mehrstimmig. Psalm, Schriftlesung und Gebet sind weitere Kennzeichen der Motette.

Tübinger Stiftskirche - Allen die kulturelle Teilhabe ermöglichen

„Der freie Eintritt ermöglicht auch ärmeren Menschen kulturelle Teilhabe“, erklärt Bredenbach. Neben der „Nacht der Chöre“, bei der sich Tübinger Ensembles mit kurzen Beiträgen vor großem Publikum präsentieren, hebt Bredenbach die Silvester-Motette als regelmäßiges Highlight heraus. Diese sei die einzige Motette im Jahr, die nicht immer auf einen Samstag falle, sondern eben auf den 31. Dezember. Sie dauere von 22.15 Uhr bis knapp vor Mitternacht und werde von über 1200 Menschen besucht. „Da ist die Kirche rappelvoll und wir haben eine tolle Stimmung“, sagt Bredenbach. Im Seitenschiff werde dann auf das neue Jahr angestoßen.

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Ingo Bredenbach hat das Festwochenende organisiert. Foto: Pressebild, Brigitte Jähnigen

Neben klassischer Musik vergangener Jahrhunderte war und ist ebenso aktuelle, zeitgenössische Musik in der Motette vertreten. Es regiert eine stilistische Vielfalt bis hin zum Jazz. Alle bisherigen Kantoren der Stiftskirche Tübingen waren auch komponierende Musiker, die diese Reihe immer wieder mit ihren Uraufführungen prägten. Heute verstehe sich die Motette, sagt Kantor Bredenbach, als gottesdienstliche Form einer „einladenden Kirche“, die als Bürgerkirche ein Versammlungsort ist und generationenübergreifend angenommen wird.



◼ Am 22. Februar um 20 Uhr beginnt das Mitsingkonzert von „Messiah“. Am 23. Februar wird „Messiah“ ab 17 Uhr von der Kantorei der Stiftskirche präsentiert.

Die Festschrift ist an beiden Tagen kostenfrei erhältlich.

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