Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mitten hinein ins Leben - "Tatort"-Kommissar im bhz Stuttgart

STUTTGART – „So wie ich bin“: Unter diesem Motto wollen Menschen mit Behinderung ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen. Dabei ist der Verein bhz Stuttgart Arbeitgeber, seine Mitarbeiter sind Lebensberater und -begleiter. Nun wird das bhz 50 Jahre alt. Schirmherr für das Jubiläumsjahr ist der Schauspieler und „Tatort“-Kommissar Richy Müller.

Tatort-Kommissar Richy Müller mit Stefanie Sauer (links) und Bärbel Krahn. Foto: Brigitte Jähnigen

Auf dem Stuttgarter Schlossplatz begann ihre Freundschaft. „Ich bin ein großer ‚Tatort‘-Fan und war immer bei der ‚Tatort‘-Premiere auf dem Schlossplatz dabei“, erzählt Stefanie Sauer. Bei einer der ersten Premieren habe sie sich ein Autogramm von Richy Müller geholt, erzählt die Frau, die seit über 20 Jahren im bhz Stuttgart arbeitet. „Ich bin ein neugieriger Mensch und habe Stefanie gefragt, wie sie mit ihren Einschränkungen lebt“, erinnert sich der Schauspieler. Seine Unbefangenheit war dann auch ein Grund, weshalb sich der Kontakt zu einer Freundschaft entwickelte – und der Schauspieler die Schirmherrschaft des Jubiläumsjahrs übernahm.

„In der Gesellschaft ist die Aufmerksamkeit zurzeit sehr auf die geschlechtliche Diversität von Menschsein gerichtet“, sagt Schirmherr Richy Müller. „Ich habe festgestellt, dass Menschen mit Behinderung nicht auf sich aufmerksam machen und deshalb auch weniger wahrgenommen werden.“ Er wolle mithelfen, das zu ändern.

Eltern körperbehinderter junger Erwachsener waren es, die vor 50 Jahren bei diakonischen Trägern anklopften, wie es denn nach der Schule für ihre Kinder weiterginge. So wurde im April 1972 eine erste Werkstatt für behinderte Menschen eröffnet. Der Träger, das Behindertenzentrum Stuttgart e. V., wie es damals hieß, war ein Jahr vorher von der Evangelischen Gesellschaft, dem Körperbehindertenverein Stuttgart und Einzelnen ins Leben gerufen worden. „Wir waren sieben“, erinnert sich Bärbel Krahn (72). Der Raum sei klein gewesen, aber die Arbeit habe Spaß gemacht. „Wir haben für einen Fensterbauer in der Region Schrauben für Klappfenster eingesetzt“, erzählt sie. Dann sei die Werkstatt in die Heigelinstraße im Stadtteil Fasanenhof umgezogen.

Auch nach ihrer Pensionierung schaut die Stuttgarterin immer mal im bhz in der Heigelinstraße vorbei. „So wie ich bin“: Bärbel Krahn lebt das Motto und wird in einer eigenen Wohnung ambulant betreut. Draußen muss sie mit ihrem Elektrorollstuhl Hindernisse überwinden, beispielsweise Bordsteinkanten.

Behindertenparkplatz, Schild. Foto: 652234, pixabayFoto: 652234, pixabay

Über 500 Menschen mit Behinderung werden vom bhz Stuttgart an mehreren Standorten gebildet, betreut, beschäftigt, gefördert und begleitet. „Es gibt noch sehr viel zu tun“, sagt die Vorstandsvorsitzende Irene Kolb-Specht, „sei es bei der Arbeit außerhalb von Werkstätten, beim Wohnen außerhalb klassischer Angebote der Behindertenhilfe oder bei der selbstverständlichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung am sozialen und öffentlichen Leben.“ 15 Prozent der Beschäftigten arbeiten in privaten oder öffentlichen Unternehmen. Doch der Produktionsstandort Stuttgart wandele sich, die Aufträge würden weniger, die Konkurrenz mit ausländischen Anbietern stärker. „Auf uns lastet ein starker Druck, mithalten zu können“, sagt Irene Kolb-Specht. Als Dienstleister seien eingeschränkte Beschäftigte eher gefragt, zum Beispiel im Landschafts- und Gartenbau oder in der Gastronomie.

Nun wird Geburtstag gefeiert. Den Auftakt machte ein Festgottesdienst in der Matthäuskirche, am 19. Mai gibt es von 10 bis 15 Uhr Mitmachaktionen und ein Glücksrad im Burgenlandzentrum Feuerbach. Ehrungen der Jubilarinnen und Jubilare, ein Fotoprojekt und ein Festakt im Weißen Saal des Neuen Schlosses sind ebenfalls geplant.

Der Gedanke „So wie ich bin“ soll auch nach dem Jubiläum mitten in die Gesellschaft getragen werden. Schirmherr Richy Müller hat Ideen, wie das gelingen könnte: „Wir brauchen mehr Schülerpraktika, mehr inklusive Nachbarschaft.“ □

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