Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mitten ins Herz - Weihnachten

In nur einem Satz beschreibt der Evangelist Johannes das Weihnachtsgeschehen. Doch was bedeutet es, wenn Gott Fleisch wird, wie Johannes schreibt? Im ersten Moment löst das ja nicht unbedingt besinnliche Gefühle aus. Doch unser Autor kann der sperrigen Formulierung etwas abgewinnen und lässt uns an seinem Zugang zu dieser Weihnachtsgeschichte teilhaben.

 

Gott will nicht nur nach Bethlehem kommen, sondern in unsere schwäbischen Dörfer und vor allem unsere Herzen.
Foto: © Margot Kessler / pixelio

Vom Evangelisten Johannes stammt die kürzeste Weihnachtsgeschichte der Bibel. Sie besteht aus dem Satz: „Das Wort ward Fleisch“ (Johannes 1,14). Der ewige Gott gibt sich in Jesus Christus hinein in die sterbliche Existenz eines Menschen. Er wird „Fleisch.“

Ich bin als Metzgersohn aufgewachsen. Wenn ich an den Kühlraum im elterlichen Geschäft denke, verbinde ich mit dem Wort „Fleisch“ nicht unbedingt religiöse Gefühle. Auch die Bibel sieht das ganz nüchtern. Fleisch steht für die Vergänglichkeit (1. Petrus 1,24), für das Unbeherrschte (Römer 7+8). Fleisch verkörpert das Untere des Leibes. Zum Leib gehört auch der Geist, durch den der Mensch gelegentlich über das Fleisch hinauswachsen kann. Im Fleisch erleben wir wohl auch körperliche Beziehungen, Geschmack und Genuss. Es steht aber am Ende halt immer auch für Verdauung und Verwesung. Die Totalität des Irdischen.

Christus kommt ganz und gar ins Fleisch. Er ist darin nicht wie ein Fremder, der zwar volkstümlich tut, aber letztlich die feinen Handschuhe anbehält und in göttlicher Distanz bleibt. Christus wird nicht bloß Geist, er wird Fleisch, das Unterste, das Letzte. Er legt sich in eine Krippe und macht die Windeln voll. Nichts Menschliches ist ihm fremd.

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Kurz und knapp beschreibt Johannes den Sinn von Weihnachten: Gott ist in Bewegung auf uns zu. Er streift uns nicht irgendwo im Geistigen. Er nimmt mitten drin Platz in unserer fleischlichen Existenz. Dem Unangenehmen weicht er nicht aus. Er kommt mit Haut und Haaren.

Foto: Luma Pimentel / unsplash

Ist es nicht eine Lust, in diesen Adventswochen das Evangelische Gemeindeblatt zu lesen? Ich staune, wenn ich erfahre, wie kreativ viele Kirchengemeinden die Adventsbotschaft erlebbar werden lassen. Lebendige Adventskalender, thematisch ausgerichtete Adventsmärkte, Adventspyramiden und vieles mehr. Mit ideenreicher Anschaulichkeit bekommt die Bibel Hand und Fuß. Der Aufwand, der vielerorts betrieben wird, ist groß. Er ist letztlich in der Menschwerdung Gottes begründet. Die Aktionen veranschaulichen erlebbar die Liebesbewegung Christi auf uns zu.

Weihnachten - Als Bethlehem im Remstal war

Vor einigen Jahren veranstalteten wir in unserer Remstäler Weinbaugemeinde eine Dorfweihnacht. Am Tag vor Heiligabend waren über 1000 Menschen auf der Straße. Unterwegs von Station zu Station mit Schafen und Eseln, Kind und Kegel. Die Feuerwehr regelte den Verkehr. Alles, was am Ort Musik macht, war mit dabei. Der Musikverein, als Wegbereiter, zog vorneweg. Der Glühwein und die Würstle wurden vom Gewerbeverein organisiert. Die Hirten am Ortsrand haben kerniges Schwäbisch gesprochen. Die schwangere Maria war selbstverständlich „a schaffiges Mädle“ und ihr Josef „a rechtschaffener Ma“. Die Weisen aus dem Morgenland waren von Mitbürgern mit Migrationshintergrund gespielt worden. Sie stammten aus Schweden, Indien und Bayern.

An den echten Gasthäusern des Ortes klopfte das Heilige Paar an und wurde von schauspielernden Originalen aus dem Wirtshausfenster heraus wortreich weitergeschickt. Einer der Wirte kam dann am Ende doch noch zur Krippe vor dem Rathaus und spendierte zur Feier des Tages einen guten Trollinger. Und am Ortseingang gab es ein von der Stadt produziertes Ortsschild mit der Aufschrift: „Bethlehem, Stadt Weinstadt, Rems-Murr-Kreis“. Historisch ist da zwar manches nicht ganz korrekt gewesen, aber theologisch betrachtet stimmte alles. So ein Spiel bringt augenscheinlich zum Ausdruck, was an Weihnachten geschieht. Gott möchte nicht nur nach Bethlehem kommen, sondern auch in unsere schwäbischen Dörfer und Herzen. Das Wort ward Fleisch.

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