Christliche Themen für jede Altersgruppe

Moderne Sklaverei

Schwester Mary John Mananzan aus Manila setzt sich für bessere Lebensbedingungen für Frauen ein. Dabei setzt sie auf ungewöhnliche Methoden: Sie gibt Seminare für Männer. Im Fernsehen stellt sie Schicksale von Frauen vor, die im Ausland arbeiten und dabei ausgebeutet werden. 

Schwester Mary setzt sich für Frauen ein. (Foto: Brigitte Jähnigen)


Frauen auf den Philippinen lebten in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft, zur Genderpolitik gehöre deshalb auch die Aufklärung der Männer. In bisher 500 Seminaren hat sie mit Männern zur Gleichberechtigung der Geschlechter gearbeitet. Es sei nicht die Natur des Mannes, Frauen zu unterdrücken, es sei die Prägung durch die patriarchalische Gesellschaft. „Ich habe ihnen gesagt, über Generationen wird an euer Unterbewusstsein weitergegeben, ihr hättet ein absolutes Recht auf den Leib und Geist der Frauen“, berichtet sie. Nur so sei Vergewaltigung möglich. „Die Männer, die die Kurse besucht haben, waren befreit, sie haben erlebt, auch sie dürfen menschlich sein, zart.“ Marys dunkle Augen schimmern, wenn sie erzählt. Ihre Bewegungen sind lebhaft, und wenn sie lacht, dann aus vollem Herzen.

Schwester Mary John hält kein Blatt vor den Mund, wenn sie über moderne Sklaverei spricht. Zehn Millionen Filipinos arbeiten im Ausland. Die Mehrheit sind Frauen, die mit ihrem Lohn als Krankenschwester, Hausangestellte, Kindermädchen oder im Service ihre Familien in der Heimat unterstützen. Im Jahre 2009 waren es 17 Milliarden Dollar, die per Überweisung aus dem Ausland in die Präsidialrepublik gingen. „Die Kinder der Frauen, die ins Ausland gehen, bleiben bei den Großeltern zurück, viele Familien zerbrechen“, sagt Schwester Mary.

In einer eigenen Fernsehshow hat die Ordensfrau Schicksale von Frauen vorgestellt, die im Ausland misshandelt wurden. Die Ursache der Migration sei ökonomischer Natur. Ein Viertel der Bevölkerung lebt in extremer Armut – Wolkenkratzer und Slums in großer Nähe geben ein Bild der Zerrissenheit der Gesellschaft. Im Ausland würden den Frauen meist die Pässe weggenommen, immer wieder würden Frauen vergewaltigt, das sei moderne Sklaverei.

Präsident Dutertes „Drogen-Krieg“ mit über 7000 Todesopfern bringt die Philippinen immer wieder in die Schlagzeilen. „Ich bin für Krieg gegen Drogen, aber mit anderen Methoden“, sagt Schwester Mary. „Die Kirche hat Hilfe und Beratung angeboten, Selbstjustiz durch Polizisten und Privatpersonen sind keine Wahl“, findet sie.

Das weibliche Selbstbewusstsein zu stärken, dafür sitzen auf den Philippinen Bäuerinnen, Arbeiterinnen  und Frauen aus Slums auf der Schulbank. Feministisch-theologische Studien können mit einem akademischen Abschluss gekrönt werden. „Die Frauenbewegung auf den Philippinen ist stark, wir sind weit gekommen, aber wir haben noch einen weiten Weg, nirgendwo gibt es eine Gesellschaft, die die völlige Gleichberechtigung von Frau und Mann kennt“, zieht Schwester Mary John Mananzan Bilanz.