Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Mutter Erde beschützen“ - Ökumenischer Rat der Kirchen

Am Tag der Schöpfung konnten Besucher in Karlsruhe erleben, was die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen ausmacht: Internationale Runden vor großem Publikum, theologische Gespräche und freundliche Aktivisten. Alle eint ein Ziel.

Aktiv in Karlsruhe: Agnes Abuom spricht vor Tausenden im PlenumAktiv in Karlsruhe: Agnes Abuom spricht vor Tausenden im Plenum. Pressefoto

Die Schwarzwaldhalle füllt sich. Freundliche Helfer führen die Besucher zu freien Plätzen, während Agnes Abuom die Bühne betritt. Die anglikanische Kenianerin ist Vorsitzende des Zentralausschusses des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK)und leitet an diesem Vormittag das Plenum. Es trägt den sperrigen Titel „Der Sinn der Liebe Gottes in Christus für die gesamte Schöpfung – Versöhnung und Einheit“. Agnes Aboum spricht mit Julia Rensberg, die den Samischen Rat innerhalb der schwedischen Kirche vertritt. Auch Bjorn Warde sitzt auf dem Podium, Pastor der Presbyterianischen Kirche von Trinidad und Tobago in der Karibik. Drei Kontinente, ein Problem: Der Klimawandel bedroht ihre Heimat. „We haven’t been good stewards of God’s creation“, sagt Pastor Warde, die Menschen sind keine guten Hüter der göttlichen Schöpfung. „Wir müssen Mutter Erde beschützen“, fordert Julia Rensberg. Später, bei der Pressekonferenz, wird die junge Samin es als Widerspruch bezeichnen, angesichts der Klimakrise den Tag der Schöpfung zu feiern. In den arktischen Regionen verhungern die Rentiere, weil ihre Nahrung verbrennt, die Wälder vertrocknen und die Gletscher schmelzen.

Eine neue Graswurzelbewegung

Zu den Quellen geht es im Gartensaal des Karlsruher Schlosses, dem Ort des interreligiösen Dialogs während der Vollversammlung. Rabbiner David Sandmel aus den USA und der evangelische Theologe Werner Kahl aus Frankfurt lesen Psalm 104,24-35, der islamische Theologe Ibrahim Aslandur aus Karlsruhe trägt die Surah Ar-Rahman 50:1-30 vor. Tanach, Bibel und Koran loben den Schöpfer und die Schöpfung. Die drei Geistlichen ordnen die Texte ein, viel Raum bekommt aber auch das Publikum. Das Format dient dazu, die Perspektiven der anderen Religionen kennenzulernen und in den Texten Worte und Gedanken zu finden, die einen ansprechen, über die man miteinander in Dialog kommen kann.

Das Gespräch suchen auch die Männer und Frauen in der kleinen Zeltkolonie am Friedrichsplatz. Neben dem Grünen Gockel und der Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen ist auch Greenfaith dabei. Die weltweite multireligiöse Vereinigung wird nun auch in Deutschland aktiv. Ihr Anliegen: „Gemeinsam für Klimagerechtigkeit“. Caroline Bader koordiniert die Arbeit in Deutschland und informiert, wie die Graswurzelbewegung funktioniert. Überall im Land sollen selbständige Gruppen entstehen. Anregungen für Aktionen und Material bekommen sie bei Greenfaith.

Caroline Bader und Martin Kopp reden mit Passanten über Klimagerechtigkeit. Foto: Antje SchmitzCaroline Bader und Martin Kopp reden mit Passanten über Klimagerechtigkeit. Foto: Antje Schmitz

Ihre Forderungen fassen die Akteure in drei Punkten zusammen: Neue Projekte für fossile Brennstoffe und die Abholzung von Wäldern müssen sofort gestoppt werden. Die Verantwortlichen müssen sicherstellen, dass der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen fair erfolgt und dass rasch zu erneuerbaren Energien übergegangen wird. Die Verantwortlichen verpflichten sich zu einem gerechten Übergang für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und für die vom Klima bedrohten Gemeinschaften.

Auch der ÖRK dringt auf einen schnellen Wechsel von fossilen Brennstoffen hin zu grünen Energieträgern. Dieser Übergang müsse gerecht und so schnell wie möglich vollzogen werden, sagt die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Klimawandel des Weltkirchenrates, Joy Kennedy. Gebe es keine effektive globale klimapolitische Zusammenarbeit, wird es „vielleicht keine nächste Vollversammlung mehr geben“. □

◼ Videos aus Karlsruhe unter „WCC assembly“ auf youtube.com

Mehr zu Greenfaith im Internet auf www.greenfaith.org/de

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