Christliche Themen für jede Altersgruppe

Nächtliche Gespräche - Impuls zur Predigt

Johannes 3,1-8 (in Auszügen) Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

 

Nächtliche Gespräche

Impuls für den Sonntag Trinitatis: Johannes 3,1-8 (9-13).

Von Matthias Bauschert

Matthias Bauschert ist Dekan in Weinsberg. Foto: Privat

Mitten in der Nacht macht sich hier einer auf den Weg, um wichtige Fragen zu klären. Genaugenommen fragt er gar nichts und bekommt trotzdem Antworten. Dass dieses Gespräch zwischen Nikodemus und Jesus, die so seltsam aneinander vorbei reden, nachts stattfindet, legt die Vermutung nahe: Nikodemus will nicht gesehen werden. Er will nicht unter falschen Verdacht geraten. Doch genau das geschieht später (Johannes 7,50-52). Da ergreift Nikodemus Partei für Jesus, will ihm das Recht zugestehen, sich zu verteidigen. Und er muss sich dann fragen lassen: „Bist du auch aus Galiläa?“ Bist du etwa auch einer von denen? Nikodemus hat also guten Grund, sich nachts auf den Weg zu machen!

Matthias Bauschert ist Dekan in Weinsberg. Foto: PrivatDas nächtliche Gespräch hat aber auch eine andere Seite. Gerade dann, wenn es still um uns wird und dunkel, wenn wir eigentlich zur Ruhe kommen könnten, blitzen Fragen und Themen auf, die uns keine Ruhe lassen. Fragen, die sich mit den Grundlagen des Lebens beschäftigen, mit unserem Woher und Wohin. Dann machen wir uns sicher nicht gleich auf den Weg, um uns mit jemandem auszutauschen. Bei wem sollten wir auch klingeln, mitten in der Nacht? Aber wenn es die Möglichkeit dazu gibt, setzen wir uns gern zusammen mit anderen und reden und diskutieren bis tief in die Nacht hinein. Und oft sind es – ich erinnere mich an manche Runden ums Lagerfeuer – besonders intensive Gespräche, die nachts stattfinden. In Zeiten der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen merken wir, was uns fehlt, wenn das alles nicht möglich ist.

Nikodemus fragt nichts. Und doch wird deutlich, dass er auf der Suche ist. Wenn man sich die Antwort Jesu anschaut, dann geht es um die Frage nach wahrem, nach ewigem Leben. Vom „Sehen des Reiches Gottes“ ist die Rede, was genau das meint: Erlangung des wahren, des ewigen Lebens. Voraussetzung dafür ist es, neu geboren zu werden. Das griechische Wort, das hier mit „von Neuem“ übersetzt wird, hat aber eine doppelte Bedeutung. Es kann auch heißen „von oben“.

Frage nach wahrem, nach ewigem Leben

Dass Nikodemus und Jesus aneinander vorbei reden, hat mit dieser Doppeldeutigkeit zu tun. „Wie soll, wer alt ist, neu geboren werden?“, fragt Nikodemus und bleibt damit im Bereich dessen, was er sich erklären kann – oder eben nicht. Jesus dagegen spricht von einer ganz anderen Dimension. Von „oben“, von Gott her kommt dem Menschen etwas zu, was ihm völlig passiv widerfährt. Neu, von oben geboren werden, hat nichts mit einer eigenen Entscheidung zu tun. Es ist und bleibt ein unverfügbares, nicht greifbares Geschenk. Das Bild vom Geist Gottes, der wie der Wind weht, wo er will, veranschaulicht diese Unverfügbarkeit.

Wer den nächtlichen Gedankenaustausch zwischen Jesus und Nikodemus liest und hört, wer ihm nachdenkt, wird selbst vor Fragen gestellt: Wonach suche ich? Wo suche ich danach? Wie gehe ich um mit dem, was ich nicht erklären kann? Bin ich offen für Unverfügbares? Genug Stoff also für nächtliche Gedanken und Gespräche.

Foto: unsplash/Engin Akyurt

Gebet

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir.

Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.