Christliche Themen für jede Altersgruppe

Nahrung für die Seele - Gospelchor

FRIEDRICHSHAFEN – Endlich! Nach Monaten konnten die Sängerinnen und Sänger des Gospelchors „Almost Heaven“ wieder proben. Natürlich mit Einschränkungen. Doch die Freude am gemeinsamen Singen kehrte schnell zurück, nicht nur bei Kantor Sönke Wittnebel.

Mikrophon. chor. Foto: Skitterphoto, Pexels.Foto: Skitterphoto, Pexels.

Es war fast wie bei einer Familienfeier, wenn man sich nach vielen Monaten wieder trifft. Sich in den Arm zu nehmen war bei der ersten Probe des Friedrichshafener Gospelchors „Almost Heaven“ nach dem Corona-Lockdown nicht möglich, Singen unter freiem Himmel schon. Der Aufwand war groß, der Spaß, den alle Beteiligten hatten, auch. Die Vorgaben: Jeder Sänger und jede Sängerin muss zum nächsten den vorgeschriebenen Mindestabstand einhalten. Die Chorleitung muss einige Meter entfernt sein. So wollen es Politik und Landeskirche. Wer sich im Vorfeld angemeldet hat, darf seinen Mundschutz nach Erreichen des ihm zugewiesenen Platzes abnehmen, muss sich vorher die Hände desinfizieren, sich in Listen eintragen und muss – sofern unter 18 Jahren alt – eine Einverständniserklärung seiner Eltern mitbringen.

Gabriele Wittnebel hat die Aufgabe übernommen, Buch zu führen – und muss genau notieren, wer wann kommt. „Damit nicht zu viele Leute zusammen singen, wird in zwei Gruppen geprobt – jeweils 40 Minuten“, sagt sie. „Wenn man die Vor- und Nacharbeiten inklusive des Bereitstellens der Stühle und des E-Pianos dazurechnet, müssen dafür insgesamt drei Stunden Zeit investiert werden.“

Ihr Mann, Kirchenmusikdirektor Sönke Wittnebel, ist nicht nur Kantor an der Schlosskirche. Er ist auch Chorleiter – und das mit Leib und Seele. „Ja, das Herz hat mir in den vergangenen Monaten schon geblutet“, sagt er frei heraus. „Chor braucht Gemeinschaft, lebt von der Begegnung. Und auf Dauer muss man sich angesichts der aktuellen Bedingungen schon Sorgen über den Bestand der Chöre machen.“

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Wittnebel leitet verschiedene Kinderund Jugendchöre, im Erwachsenenbereich neben Almost Heaven auch die große Kantorei. „Bei insgesamt 170 Sängerinnen und Sänger aller Altersstufen gibt es in Corona-Zeiten natürlich ganz unterschiedliche Befindlichkeiten“, erzählt er. „Ältere haben Angst vor Chorproben, weil sie vielleicht zu den Risikogruppen gehören. Manche kommen nur, wenn draußen geprobt werden kann.

Das Fest wird 2021 nachgeholt

Bei den Jüngeren muss man hingegen eher darauf achten, dass sie bei der Stange bleiben und sich womöglich nicht anders orientieren.“

Im Freien und mit Abstand: Chorprobe von „Almost Heaven“ in Friedrichshafen. Foto: Brigitte GeiselhartIm Freien und mit Abstand: Chorprobe von „Almost Heaven“ in Friedrichshafen. Foto: Brigitte Geiselhart

Mit etwa zehn Mitgliedern des Jugendchors hat Sönke Wittnebel schon eine sonntägliche Matinee gestaltet. Abstandsregeln konnten prima eingehalten werden, die Raumhöhe ist in der Schlosskirche ohnehin kein Problem. Auch mit der Kantorei hat es schon Auftritte in kleinen Gruppen gegeben.

Im Herbst hätte eigentlich die aufwendige Renovierung der Weigle-Orgel zum Abschluss gebracht und mit einem großen Fest unter Mitwirkung aller Chöre gebührend gefeiert werden sollen. „Wir hoffen darauf, dass wir das Anfang Mai nächsten Jahres alles nachholen können“, blickt Wittnebel nach vorne.

Im Schlosshof geht derweil der erste Teil der Probe ihrem Ende entgegen. Die Abendsonne steht am blauen Himmel. Stimmungsvoller könnte die Atmosphäre kaum sein. „Blessed be your name“ wird von allen aus voller Kehle gesungen. Schon 40 Minuten vorbei? Schade. „Das war die Nahrung für die Seele, die monatelang gefehlt hat“, sind sich Miriam Reichart und Liane Wenig einig. „Auch wenn die Nähe der gewohnten Nachbarstimme und die Akustik gefehlt haben – das war einfach toll.“ Gleicher Meinung ist Siglinde Reis. Sie ist aus Darmstadt an den Bodensee gezogen und fühlt sich richtig wohl in der Chorgemeinschaft. „Ich bin froh, wieder singen zu dürfen, wenn auch unter anderen Umständen“, sagt sie dankbar. „Schön, dass ihr hier wart“, sagt Sönke Wittnebel zum Schluss. „Wir sehen uns hoffentlich nächste Woche.“ □

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