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Neuanfang mit Notkirchen - Aus Altem neues schaffen

Nach dem Krieg lagen viele Kirchen in Schutt und Asche. Zugleich war der Bedarf an Gottesdiensten groß. Nach einem Programm des Architekten Otto Bartning entstanden bald Notkirchen. Die Ludwig-Hofacker-Kirche in Stuttgart ist eine davon, sie steht heute unter Denkmalschutz.

Trümmerfrauen. 1945 lagen viele Städte in Trümmern. Foto: epd-bild1945 lagen viele Städte in Trümmern. Foto: epd-bild

Zerstörung, wohin man sieht: Häuser in Trümmern, Straßen unter Schuttbergen vergraben. Keine einzige evangelische Kirche war in Stuttgart heil geblieben, wie die Nachwelt in den Berichten von Theophil Wurm nachlesen kann, der von 1929 bis 1948 Kirchenpräsident und Landesbischof in Württemberg war.

Ob Stiftskirche, Leonhardskirche, Johanneskirche oder Hospitalkirche: All diese Gotteshäuser waren in der Bombennacht am 12. September 1944 weitgehend zerstört oder stark beschädigt worden. So hatte Bischof Wurm seinen ersten Gottesdienst nach Kriegsende, der am 10. Mai 1945 und damit nur ein paar Tage nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands stattfand, im Opernhaus abgehalten. Unter die vielen evangelischen Christen hatten sich da bereits Vertreter der Besatzungsmächte gemischt.

Aus Altem neues schaffen - Notkirchen nach Kriegsende

Auch andere Städte im Südwesten waren schwer getroffen: Mannheim, Heilbronn, Reutlingen, Ulm, Friedrichshafen, Freiburg, Karlsruhe und ganz besonders Pforzheim. Dort, wo Bomben und Feuersturm die Innenstadt zerstörten, begannen die Bewohner im Mai 1946 auf dem Pforzheimer Weiherberg nach den Plänen des Karlsruher Architekten Otto Bartning mit dem Bau eines neuen Gotteshauses. Diese 1948 geweihte Auferstehungskirche, die aus einer Holzkonstruktion und 30 000 Trümmersteinen besteht, war für 500 Menschen gedacht. Man kann das Gebäude noch immer besuchen, der 18 Meter hohe Turm kam erst 1954 dazu. Die Notkirchen hatten zunächst keine Türme.

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Die Pforzheimer Auferstehungskirche sollte die erste von 43 realisierten Notkirchen sein, die Otto Bartning im Auftrag des Hilfswerks der Evangelischen Kirche in Deutschland errichtete. Seine Idee war, nach der Elementarbauweise vorgefertigte Holzbinder zu einem Kirchenschiff zu montieren und die Zwischenräume mit lokal verfügbaren Trümmersteinen aufzufüllen. So ließen sich auch die Überreste von zerstörten Gotteshäusern integrieren, und es war möglich, regionale Materialien zu verwenden. Trotz der vorgefertigten Baumodule erhielt auf diese Weise jede Kirche einen eigenen Charakter.

Notkirchen - Erst mal ohne einen Kirchturm

Bemerkenswert gut erhalten ist auch die am 12. Februar 1950 geweihte Ludwig-Hofacker-Kirche an der Stuttgarter Dobelstraße. Die an Stelle eines 1932 erbauten und 1944 zerstörten Vorgängerbaus errichtete Kirche liegt am südlichen Hang des Stadtkessels. Unter Denkmalschutz seit 2005, wurde die nach dem für seine Predigten bekannten Ludwig Hofacker (1798 – 1828) benannte Kirche 2018 außen renoviert.

Zu den neu erbauten Notkirchen gehört auch die Ludwig- Hofacker-Kirche in Stuttgart. Foto: Julia Lutzeyer, epd-bildZu den neu erbauten Notkirchen gehört auch die Ludwig- Hofacker-Kirche in Stuttgart. Foto: Julia Lutzeyer, epd-bild

Der sakrale Nachkriegsbau, der seit 1960 durch einen freistehenden Glockenturm ergänzt wird, „dokumentiert anschaulich die von Architekt Bartning pionierartig vorangetriebene Übertragung des seriellen Systembaus auf den protestantischen Kirchenbau“, schreibt Landeskonservatorin Ulrike Plate in ihrer Bewertung des Baudenkmals. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg weist darauf hin, dass die Neubauten der Nachkriegszeit, anders als die Bezeichnung „Notkirche“ nahelege, nicht als Provisorium gedacht waren, sondern den Gemeinden und Gläubigen eine dauerhafte Heimat bieten sollten.

Das belegt auch die Inschrift einer Tafel, die als Danksagung an den Lutherischen Weltbund gedacht ist. Schließlich flossen schon während des Krieges und danach viele Dollars aus den USA in den Wiederaufbau der protestantischen Kirchen in Deutschland. Diese in Stein gemeißelte Danksagung schließt mit der Inschrift: „Der Vogel hat ein Haus gefunden“.

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