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Neue Bibelübersetzung: Die Basis Bibel schlägt Brücken

Wie gehen Bibelübersetzer vor? Was macht die Arbeit so knifflig? In diesen Tagen kommt die Komplettausgabe der Basis Bibel, einer neuen Bibelübersetzung, auf den Markt. Nicole Marten hat mit dem Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft (DBG), Christoph Rösel, gesprochen.

bibel, handy. Foto: Congerdesign, pixabayFoto: Congerdesign, pixabay

Wie kam es zu der Idee, eine neue Bibelübersetzung aufzulegen?

Christoph Rösel: Die Pläne gehen zurück auf das Jahr 2003. Damals war das Jahr der Bibel. Die ursprüngliche Idee war, die Gute Nachricht Bibel mit zusätzlichen Seiten neu aufzulegen. Das wurde mit verschiedenen Jugendverbänden besprochen. Ergebnis war, dass die vorliegenden Bibelübersetzungen nicht mehr so gut geeignet sind für Jugendliche von heute. So kam es zu einem neuen Konzept. Nachdem das Neue Testament übersetzt war, haben wir uns dennoch gefragt, ob wir die restliche Bibel auch noch übersetzen wollen. Immerhin ist das Alte Testament ein ganz schöner „Brocken“. Doch das Neue Testament wurde so gut angenommen, dass wir weitergemacht haben.

Gibt es in Deutschland nicht genug Bibelübersetzungen?

Christoph Rösel: In Deutschland hat die Bibelübersetzung seit Martin Luther eine große Bedeutung für die Kultur. Aber die Sprache wandelt sich, die Zielgruppen auch. Jemand hat einmal gesagt: „Martin Luther hat den Leuten aufs Maul geschaut – wir müssen ihnen aufs Smartphone schauen.“

Können Sie ein Beispiel nennen?

Christoph Rösel: Martin Luther war immer in dem Zwiespalt, einerseits „dem Volk aufs Maul schauen“ und andererseits „nicht vom Wort weichen“ zu wollen. Deshalb übersetzte er teilweise so, dass es nicht dem Deutschen entspricht. Zum Beispiel übersetzte er „Siehe, ich verkündige euch große Freude“, aber eigentlich hätte es richtigerweise „Sehet“ heißen müssen. Luther übernimmt hier eine Form, die aufs Griechische und auch aufs Hebräische zurückgeht. Heute haben wir uns so an den Wortlaut gewöhnt, dass wir das gar nicht mehr merken.

Wie haben Sie das bei der Basis Bibel gelöst?

Christoph Rösel: Sie hat ein ganz eigenes Profil gefunden. So legt sie besonderen Wert auf kurze Sätze. Dazu wurde deren Struktur, die sie im Urtext haben, umgebaut. Aber bestimmte Begriffe bleiben. Die Gute Nachricht Bibel spielt im Römerbrief beispielsweise mit den Begriffen „Glaube“ und „Vertrauen“. Die beiden Worte wechseln sich ab oder werden kombiniert. Die Basis Bibel hingegen bleibt beim Wort „Glaube“, weil das ein tragender Begriff dieses Briefes ist. Ergänzend gibt es Anmerkungen in der Seitenspalte oder – in der Digital-Ausgabe – einen Link. Dort wird auf die Begriffe eingegangen.

Foto: Werner Kuhnle
Foto: Werner Kuhnle

Wie ist das weitere Vorgehen, wenn die Grundsätze geklärt sind?

Christoph Rösel: Dann gibt es ein festes Verfahren: Zunächst wird aus der Ursprache übersetzt. Dann folgt eine germanistische Redaktion. Als dritter Schritt kommen Testleserrunden hinzu, 1200 Menschen waren in dieser Phase an der Basis Bibel beteiligt. Natürlich hat nicht jeder alles gelesen, der Text wurde aufgeteilt. Eine Frage war: „Wo geraten Sie beim Lesen des Abschnitts ins Stocken?“ In dieser Kontrollgruppe ging es darum, was die Menschen verstehen, wenn sie den Text lesen. Zum Schluss wird die Bibel komplett gelesen in einer Gruppe von Bearbeitern, außerdem werden die Querverweise darauf hin geprüft, ob sie einheitlich übersetzt wurden. Beispielsweise, wenn Verse aus dem Alten Testament im Neuen Testament zitiert werden.

Ziemlich viel Arbeit ...

Christoph Rösel: Zum Glück gibt es dafür eine spezielle Software, die das technisch unterstützt. Dadurch können wir sicherstellen, dass kein Vers fehlt. Wir können Vergleiche anstellen, Änderungen nachverfolgen und sehen, wie konsistent übersetzt wurde. Die Digitalisierung macht eine hohe Qualität möglich, für die früher viel mehr Aufwand betrieben werden musste.

Auch Luther hat nicht alles alleine übersetzt ...

Christoph Rösel: Es gab damals tatsächlich eine Gruppe von Menschen, die die Bibel gemeinsam übersetzt hat. Ein Protokollant hat mitgeschrieben, welche Diskussionen es an verschiedenen Stellen gegeben hat. Gerade beim Alten Testament ist Teamarbeit gefragt. Und manche Bücher, zum Beispiel die Apokryphen, hat Luther nicht selbst übersetzt. Die Offenbarung, den Jakobusbrief und den Hebräerbrief hat er in seinem Inhaltsverzeichnis gar nicht nummeriert. Mit der Offenbarung konnte Luther nicht viel anfangen, da wurde er sehr deutlich.

Christoph Rösel, Deutsche Bibelgesellschaft (Pressebild)Christoph Rösel, Deutsche Bibelgesellschaft (Pressebild)

Wie einigt man sich denn auf eine Linie beim Übersetzen?

Christoph Rösel: An manchen Stellen wird sehr intensiv diskutiert. Manchmal entscheidet ein Übersetzer, manchmal die germanistische Redaktion. Es gibt häufig nicht ein ganz eindeutiges Richtig oder Falsch. Im Deutschen haben wir beispielsweise eine klare Struktur mit exakten Zeitstufen. Das ist im Hebräischen nicht immer so. Deshalb entstehen Bedeutungs-Nuancen, über die man streiten kann. Für die Übersetzung muss irgendwann eine Entscheidung getroffen werden. Wer die Ursprachen nicht spricht, kann verschiedene Übersetzungen vergleichen, um Nuancen auf die Spur zu kommen.

Wie gravierend sind die Bedeutungsunterschiede?

Christoph Rösel: Nehmen wir das Ende von Psalm 23. Der Wortlaut „Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar“ ist uns aus der Lutherbibel geläufig. Eine andere Übersetzungsmöglichkeit ist „Ich werde zurückkehren ins Haus des Herrn.“ Das Ziel bleibt gleich: ein dauerhaftes Leben in der Gegenwart Gottes. Die Bedeutungsunterschiede sind hier nicht gegensätzlich. Aber es gibt auch Unterschiede, die sich nicht ganz auflösen lassen. Beim Neuen Testament, das auf Griechisch geschrieben wurde, ist das etwas einfacher, weil wir auch viele andere griechische Texte vorliegen haben. Die Sprache ist insgesamt besser erschlossen. Beim Hebräischen gibt es außer dem Alten Testament kaum weitere Texte, das macht es manchmal etwas schwieriger, den Sinn eindeutig zu erschließen.

Welche Schwierigkeiten gibt es noch?

Christoph Rösel: Eine Herausforderung ist es, dass man sich beschränken muss. Eigentlich möchte man alles unterbringen, aber gewisse Aspekte bleiben auf der Strecke. Man muss immer Entscheidungen treffen. Vieles in den Texten entspricht nicht mehr unserer heutigen Lebenswelt. Hier ist es wichtig, den Brückenschlag zu den Menschen von heute herzustellen. Das Neue Testament zu übersetzen ist nicht ganz so schwierig, aber das Alte Testament ist eine Herkulesaufgabe. Nicht nur wegen der Sprache, sondern auch wegen der Textfülle.

Welche Teile der Basis Bibel haben Sie übersetzt?

Christoph Rösel: Ich habe Teile des Ezechiel-Buches übersetzt. Außerdem war ich bei der Schlussdurchsicht dabei, vor allem bei den Prophetenbüchern.

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