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Neustart mit Auflagen - Tagungshäuser sind wieder offen

Mitte Juni geht der Betrieb in den meisten evangelischen Tagungshäusern in Württemberg wieder los. Die Bedingungen sind nicht einfach und stellen die Einrichtungen vor große Herausforderungen, mit Belegungszahlen, die oft kaum wirtschaftlich sind. Ein Überblick.

Stift Urach. Foto: Andreas Steidel
Stift Urach. Foto: Andreas Steidel

Tagungshäuser der Landeskirche

Unter dem Dach der Evangelischen Tagungsstätten in Württemberg vereint sind die Akademie in Bad Boll (96 Zimmer), das Bildungshaus Bernhäuser Forst (46 Zimmer), das Studienzentrum Haus Birkach (65 Zimmer) und das Einkehrhaus Stift Urach (52 Zimmer, siehe Seite 7).

Einheitlich öffnen alle vier Einrichtungen am 15. Juni wieder ihre Türen, es gibt ein übergreifendes Hygiene-Schutzkonzept mit Regelungen für Gäste, Mitarbeiter, Küche und Tagungsräume. Das Gros der Belegschaft war in Kurzarbeit, das Kurzarbeitergeld wurde von der Landeskirche auf 95 Prozent des Nettoeinkommens aufgestockt.

Aufgrund der deutlich vermindernden Belegung soll die Kurzarbeit jedoch teilweise bis Jahresende fortbestehen. Für alle Häuser besteht eine Betriebsschließungsversicherung, in welchem Umfang die bezahlt, ist noch völlig offen.

Tagungsstätte Bad Boll. Foto: Andreas Steidel Tagungsstätte Bad Boll. Foto: Andreas Steidel

Im größten Tagungshaus, der Akademie in Bad Boll, ist am 28. Juni bei einer Vernissage erstmals wieder die Öffentlichkeit zu Gast (Günther Kirchberger: „Die Jahre in Bad Boll“). Bis Ende Juli wird es nur eintägige Veranstaltungen geben, das große Jubiläum zum 75-jährigen Bestehen von Deutschlands ältester evangelischer Akademie kann nicht wie vorgesehen gefeiert werden.

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Evangelische Tagungsstätte Löwenstein

Der Träger ist hier nicht die Landeskirche, sondern fünf verschiedene Kirchenbezirke (Heilbronn, Weinsberg/Neustadt, Brackenheim, Marbach und Besigheim). Es gibt 83 Gästezimmer, zwölf Tagungsräume und 18 000 Übernachtungen im Jahr.

Auf diese Zahl wird Löwenstein 2020 allerdings schwerlich kommen: Auch wenn der Betrieb am 30. Mai langsam wieder begonnen hat, sind zahlreiche Gruppenbuchungen für den Rest des Jahres abgesagt oder verschoben worden. „Es ist eine Menge weggebrochen“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Susanne Diemer, „viele stornieren, weil alles noch unsicher ist.“

Nicht wenige Chöre hatten in Löwenstein gebucht, doch Chorfreizeiten und Singen bleiben bis auf weiteres untersagt. Der Aufwand freilich für den reduzierten Betrieb ist groß, die Haustechnik hat überall Plexigalsscheiben angebracht, undalles muss mehrfach am Tag desinfiziert und gereinigt werden.

Kloster Kirchberg. Foto: Andreas SteidelKloster Kirchberg. Foto: Andreas Steidel

Kloster Kirchberg

Die malerische Umgebung macht die Tagungsstätte der Berneuchener Gemeinschaften zu einem beliebten Ziel vieler Kirchengemeinderäte, Chorsänger und Ausflügler. Auch Einzelgäste kommen hierher, weil sie für sich eine Auszeit, Abgeschiedenheit und spirituelle Inspiration suchen.

Die Einzelgäste sind der leichteste Teil der Übung, doch schon das spirituelle Erlebnis ist ein Problem: Viele der Gäste kommen auch deshalb auf den Kirchberg, weil dort im Gottesdienst die liturgischen Gesänge und die Gregorianik gepflegt werden. Doch aufgrund der Corona-Einschränkungen ist Singen im Gottesdienst auch weiterhin kein Thema, was deren Charakter nachhaltig verändert.

Immerhin: Der große Garten und die ländliche Umgebung bieten viel Raum für Wanderungen und Kontemplation. Auch die Schenke im Klosterhof hat wieder geöffnet. Doch der große Speisesaal bleibt vorerst geschlossen und viele der besonderen Programme, die auf Nähe und Berührung basieren, können nicht stattfinden.

„Aus den roten Zahlen kommt man so nicht heraus“, sagt Kirchberg-Sprecherin Dagmar Kötting, auf über 700 000 Euro werden dort die Verluste für 2020 geschätzt: „Wahrscheinlich ist es eher mehr.“ Immerhin wurden in der Zeit der Corona-Krise zahlreiche Online-Angebote entwickelt, die auch weitergeführt werden sollen: Kurse zu den Themen Selbstwertgefühl, innerer Schweinehund, emotionale Veränderungen und Yoga gehören dazu.

Heimvolkshochschule Hohebuch. Die Umgebung ist traumhaft, die Bedingungen sind es nicht. Foto: Pressebild, Andreas SteidelHeimvolkshochschule Hohebuch. Die Umgebung ist traumhaft, die Bedingungen sind es nicht. Foto: Pressebild, Andreas Steidel

Heimvolkshochschule Hohebuch

Die Einrichtung des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg ist auch ein großes Tagungs- und Veranstaltungszentrum. Dort kam der Betrieb ebenfalls komplett zum Erliegen, 91 Betten und sämtliche Tagungsräume blieben leer. Davon betroffen war auch das große hauseigene Programmangebot, das landwirtschaftliche und gesellschaftliche Themen umfasst.

Knapp die Hälfte der 50 Mitarbeiter ist noch in Kurzarbeit, nun muss man sehen, in welchem Umfang alles wieder anläuft. Nicht betroffen von den Corona-Maßnahmen waren die Familienberatung für Landwirte und der Einsatz der Betriebshelfer: „Das blieb die ganze Zeit bestehen“, sagt Geschäftsführer Wilfried Häfele. Die Bauern selbst gehören nicht zu der von der Corona-Krise am schlimmsten betroffenen Berufsgruppe. Für sie war, so Häfele, „die Klima-Diskussion anstrengender und gravierender“.

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