Christliche Themen für jede Altersgruppe

Nicht mehr wegzudenken

Nach den Geistlichen sind sie die häufigsten Ansprechpartnerinnen in der Gemeinde: die Pfarramts­sekretärinnen. Vor 50 Jahren wurden die ersten ausgebildet und angestellt. Inzwischen hat sich in Beruf und Ausbildung vieles verändert. Nicht nur bei den Aufgaben. 


Der erste Kurs für die Pfarramts­sekretärinnen fand 1965 in Denkendorf statt. (Foto: privat)

Die Technik, das ist wohl die größte Veränderung, die es im Laufe der letzten 50 Jahre im Pfarramt gegeben hat. „Wir hatten für die Gemeindemitglieder noch Karteikarten, auf denen der Name, die Adresse, das Geburtsdatum stand“, blickt Herma Böttiger, die damals in Heilbronn angefangen hatte, zurück.  Auch das Wählerverzeichnis für die Kirchenwahl wurde von Hand erstellt, etwas, das man sich heute nur noch schwer vorstellen kann.

Vorstellen konnten sich vor 50 Jahren viele in den Gemeinden auch nicht, was das denn nun für eine neue Stelle sein sollte. Das Gemeindeblatt erklärte damals: „Sie werden ihr begegnen, wenn Sie zum Beispiel die Nummer ihres Pfarramts wählen und sich nicht die gewohnte Stimme des Herrn Pfarrers, sondern eine junge weibliche Stimme meldet und nach Ihren Wünschen fragt.“ Nein, es seien keine Gemeindehelferinnen, heißt es in dem Artikel weiter. Denn die „neue, geschickte Hilfe“ werde zum Beispiel bestimmt nicht in der Schule anzutreffen sein. Religionsunterricht zu erteilen, das könne man ja von einer Pfarramtssekretärin nun wirklich nicht verlangen. 13 Gemeinden stellten damals eine Sekretärin an.

Heute gibt es nur wenige evangelische Gemeinden in Württemberg, die keine Pfarramtssekretärin – oder, in Ausnahmefällen, auch einen Sekretär – haben. Die Sekretärinnen sind mittlerweile die Kommunikationszentrale im Pfarramt. Früher war die Pfarramtssekre­trärin mehr Zuarbeiterin für den Pfarrer, beispielsweise tippte sie seine Briefe und seine Predigten. Kassenführung, Gemeindebücherei oder die Betreuung der Mädchenkreise gehörten damals noch zum Aufgabenspektrum. Heute arbeiten die Sekretärinnen vielfach sehr selbstständig, reine Schreibarbeiten sind Dank des PCs selten geworden. Zudem sind sie viel stärker in Gemeindeprojekte involviert als noch vor 50 Jahren und haben sich zur Ansprechpartnerin für alle möglichen Anfragen entwickelt.

Es gibt aber auch Zuständigkeiten, die heute noch genauso dazu gehören wie einst. Etwa, die Kasualien – also Taufen, Konfirmationen, Trauungen oder Beerdigungen vorzubereiten und die entsprechenden Urkunden auszustellen. Auch um Patenbriefe oder eine besondere Gestaltung der Denksprüche kümmern sie sich. Schaukastengestaltung, Statistiken, und Ablage gehören ebenfalls seit jeher dazu.

Als vor rund 20 Jahren PCs in die Büros Einzug hielten, waren die Erwartungen hoch, dass Pfarramtssekretärinnen jetzt mehr Zeit hätten. „Aber das hat sich nicht erfüllt“, sagt Ute Berger, die die Aus- und Fortbildung der Sekretärinnen betreut. Vielmehr seien viele zusätzliche Aufgaben hinzugekommen. Liedblätter gestalten etwa. Oder die Öffentlichkeitsarbeit im weitesten Sinne. Was nicht nur bedeutet, den Gemeindebrief mit zu betreuen und den lokalen Zeitungen aktuelle Veranstaltungen zu melden, sondern oft auch, den Internetauftritt auf dem neuesten Stand zu halten.

Und das alles bei zunehmendem Zeitdruck. Viele der Pfarramtssekretärinnen arbeiten zwischen zehn und 20 Wochenstunden. „Deshalb lernen die Sekretärinnen in der Ausbildung auch, effizient zu arbeiten“, sagt Ute Berger. Auch  unterscheiden zu können, was die wesentlichen Aufgaben sind und welche nicht, steht auf dem Lehrplan.

Das sei überhaupt ein wichtiger Ausbildungszweig. Denn die Aufgabenbereiche wachsen, während vielerorts die Stundenanzahl sinkt. „In der Tendenz will man bei Neubesetzungen mit weniger Stunden auskommen“, ist Bergers Erfahrung. In manchen Dekanaten würden deshalb Aufgaben definiert und festgelegt. „Doch so einfach ist das nicht, weil man eben nicht sagen kann wie bei einem Mesner: 20 Quadratmeter Fenster putzen braucht so und so viel Zeit“. Zu unterschiedlich sind die Aufgaben der Sekretärinnen vor Ort. Denn in manchen Gemeinden gebe es ein Altersheim oder einen Kindergarten, der vom Pfarramt aus mit verwaltet wird. In anderen Gemeinden fallen ausschließlich Verwaltungsarbeiten an.

In den sechseinhalb Wochen Ausbildung, die sich auf zwei Jahre verteilen, lernen die Sekretärinnen nicht nur Sekretariatskunde mit den Unterbereichen Kommunikation, Organisation und Verwaltung, sondern auch Kirchenkunde mit theologischen Grundlagen, den Strukturen der Landeskirche und Verwaltung der Kirchengemeinde sowie Kirchengeschichte, dazu noch Gemeinschaftskunde mit Sozialkunde, Arbeitsrecht und Finanzwesen. Außerdem lernen sie soziale Kompetenzen und das Selbstmanagement. Dazu gehören unter anderem die Bereiche Stressbewältigung und Konfliktmanagement. Die Teilnehmerinnen schreiben Tests und haben eine mündliche Prüfung, zudem verfassen sie zwei Hausarbeiten. Voraussetzung für die berufsbegleitende Ausbildung ist die Teilnahme am Grundkurs für Sekretärinnen und Sekretäre im Pfarrbüro.

1965, als die Ausbildung eingeführt wurde, dauerten die Kurse ein halbes Jahr, seit 1973 gibt es die berufsbegleitende Ausbildung. 1982 wurden Zeugnisse eingeführt. Als sich kaum noch Teilnehmerinnen für den Vollzeitkurs angemeldet hatten, kam 1989 das Ende der Halbjahreskurse. 100 Sekretärinnen haben ihre Ausbildung in Vollzeit absolviert, bei der berufsbegleitenden sind es 15 bis 20 Teilnehmer im Jahr.

Vor 50 Jahren, erzählt Herma Böttiger, habe auch die Gemeindearbeit noch zum Beruf der Pfarramtssekretärin gehört. Mädchenkreis, Jungschar, Kinderkirche, je nach Stelle eben. Heute ist der Beruf dagegen vor allem ein Bürojob. Wenngleich das das Ehrenamt in der Gemeinde nicht komplett ausschließt. 

Jenny Weißinger aus Mehrstetten sieht das pragmatisch. Sie ist im Organisationsteam vom Weltgebetstag, ehrenamtlich. Kinderkirche und Krippenspiel unterstützt sie hingegen aus dem Pfarramt heraus, indem sie Unterlagen kopiert oder einen Flyer entwirft. Beim Seniorennachmittag bedient sie schon auch mal den Beamer. Und natürlich, wenn ihr jemand das Herz ausgeschüttet hat und sie diesen Menschen dann im Dorf wieder trifft, fragt sie schon auch nach, wie es ihm geht.

Weißinger ist mit ihren 36 Jahren die jüngste in ihrem Kurs, die anderen sind mindestens zehn Jahre älter. Auch das hat sich gewandelt: Vor 50 Jahren wäre sie die Älteste in ihrem Kurs gewesen.