Christliche Themen für jede Altersgruppe

Niemand ist allein - Impuls zur Predigt

Römer 8,1-11 (in Auszügen) So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Niemand ist allein

Impuls für den Pfingstsonntag: Römer 8,1-11.

Von Frank Otfried July

Frank Otfried July ist Landesbischof der württembergischen Landeskirche. Foto: Pressebild

Paulus gibt hier die Antwort auf die Einsamkeit vieler Menschen. Besonders in den letzten beiden Jahren sind Junge und Alte, Alleinstehende und Familien einsam geworden. Viele haben ihre Kontakte zu anderen verringert: Manche kamen wochenlang nur noch zum Einkaufen aus ihrer Wohnung. Berufliche Arbeit wurde oft von zuhause aus erledigt, Klassenzimmer, Sporthallen und Gemeindehäuser blieben leer. Doch auch jenseits der Pandemie-Erfahrungen fühlen sich Menschen allein, isoliert oder gar ausgegrenzt – bei der Arbeit oder auf dem Schulhof.

Frank Otfried July ist Landesbischof der württembergischen Landeskirche. Foto: PressebildPaulus antwortet damit, dass alle, die zu Christus gehören, nie mehr einsam sind. Unter keinen Umständen. Kein Mensch ist falsch und muss von anderen hören, dass er weggehört. Weg von den Menschen, weg von Gott. Paulus hatte das am eigenen Leib erfahren, als er mit Blindheit geschlagen und plötzlich außerhalb der Gesellschaft war. Durch die Begegnung mit Christus sind ihm dann die Augen aufgegangen.

Mit einem Mal lebte er in einer Gottesbeziehung, die unauflöslich blieb. Immer noch ist er der Mensch geblieben, dessen Körper er als vergänglich und oft lästig empfand, sterblich eben. Aber in ihm wohnte Gottes Geist, der ihn verlässlich mit Leben erfüllt hat: oft allein und bedroht, aber im Grunde niemals einsam.

Die Taufe ist das Zeichen, das diese Gottes-, Christusund Geistbeziehung besiegelt. Besonders deutlich wird das in der Taufe der kleinen Kinder: Bevor wir ja oder nein zu Gott sagen können, sagt er ja zu uns Menschen. Getaufte Menschen leben gemeinsam in der Gemeinde und Kirche Christi. Sie erkennen einander daran, wie sie leben und lieben, was sie tun und lassen. Sie spüren den gleichen Geist, der in ihnen wirkt, egal, wie verschieden sie äußerlich sind. Ich erlebe das besonders am „Tag der weltweiten Kirche“ in Stuttgart an Pfingstmontag. Christinnen und Christen, die aus vielen Ländern zu uns gekommen sind, lassen spüren, dass sie aus dem einen Geist Christi leben.

Mit Gott leben

Da ist niemand allein und keiner einsam. Dies ruft uns auch an die Seite unserer christlichen Geschwister in der Ukraine. Bedrängt durch die Grausamkeit der russischen Angriffe und des Krieges, verzweifelt in der Frage nach der Zukunft, sollen sie wahrnehmen, dass wir im Gebet und der praktischen Hilfe an ihrer Seite stehen. Auch das gehört in diesem Jahr zum Tag der weltweiten Kirche. Ich glaube, dass es zu unserem geistlichen Leben dazugehört, zu üben, immer mit Gott zu leben. Seinen Geist tröstlich wahrzunehmen, auch wenn wir allein sind. Auch wenn es Abschied nehmen heißt, auch ganz am Ende. Christus will bei uns unverbrüchlich sein mit dem Geist Gottes, durch den er vom Tod auferweckt wurde. Er will uns das Leben schenken in der Zeit und in Ewigkeit. Dieses Geschenk nehmen wir an Pfingsten entgegen. Welch ein Fest!

 Weisse Taube. Heiliger Geist. Foto: Artem Podrez, pexelsFoto: Artem Podrez, pexels

Gebet

Komm, Heiliger Geist, heilige uns. Erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht nach der Wahrheit, dem Weg und dem vollen Leben.

Entzünde in uns dein Feuer, dass wir selber davon zum Licht werden, das leuchtet und wärmt und tröstet.

Lass unsere schwerfälligen Zungen Worte finden, die von deiner Liebe und Schönheit sprechen.

Schaffe uns neu, dass wir Menschen der Liebe werden, sichtbare Worte Gottes.

Komm, Heiliger Geist, heilige uns, stärke uns, bleibe bei uns.

Amen.