Christliche Themen für jede Altersgruppe

Open House - Alles ist frei und ganz spontan

Einfach vorbeikommen, zu einem Tag, für den es kein festgelegtes Programm gibt. Weil alle, die kommen, gemeinsam entscheiden, was sie machen und essen: Open House, also „offenes Haus“, heißt das Projekt. Es ist eine Wohngemeinschaft auf Zeit. 

Claudia Heise. (Foto: privat)

Irgendjemand spielt Klavier, und irgendwann gesellen sich ein paar Leute dazu, die singen. Ein paar andere sind gerade unterwegs bei einem Spaziergang. In der Küche wuselt es, zwei Leute haben Lust bekommen, zu backen. So kann ein Samstagnachmittag aussehen in Ahrensburg, nördlich von Hamburg, wenn Claudia Heise zum „Open House“, dem offenen Haus also, einlädt.

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Offen für spontane Aktionen

Ihre Gäste nennt sie „Mitbewohner auf Zeit“, denn darum geht es. Nicht, dass Heise die Besucherinnen und Besucher bewirtet und „bespaßt“, sondern dass alle, die da sind, ihr Leben miteinander teilen. Auf Zeit. Für diesen Tag, oder auch nur für ein paar Stunden. Claudia Heise bereitet nichts vor für die Open-House-Samstage. Sie geht nicht vorher einkaufen, sie putzt nicht extra, sie bereitet kein Programm vor. Denn das gehört zu den Grundpfeilern von Open House: Gemacht, gekocht und gegessen wird, was die Gruppe spontan entscheidet oder was Einzelne mitgebracht haben. Da kann es dann schon einmal vorkommen, dass jemand Zutaten mitbringt zum Plätzchen-Backen in der Vorweihnachtszeit und einige dann in der Küche werkeln. Oder dass die Hecke geschnitten wird, weil sie es nötig und irgendjemand Lust dazu hat.

Jeder kann und darf etwas im Haus tun. Manchmal ist das für Claudia Heise gar nicht so einfach. „Ich muss mir immer wieder selbst sagen: Das sind keine Gäste, sondern meine Mitbewohner. Du willst Kaffee? – Hier ist das Pulver, mach mal“, so laufe das im Open House. Damit das mit dem Tischdecken für die Mitbewohner auf Zeit möglichst einfach ist, bewahrt sie die Gläser und Tassen beispielsweise in einem Schrank mit Glastür auf – so müsse keiner lange fragen, jeder könne gleich mit anpacken. „Augen aufmachen hilft.“

Seit sieben Jahren lädt Claudia Heise einen großen Kreis von Freunden und Bekannten zu dieser besonderen Form des gemeinsamen Lebens ein. Die meisten von ihnen sind selbst Singles oder wissen zumindest aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, allein zu leben. Von den Vielen, die sie anschreibt, kommen im Schnitt acht bis zehn Leute. Die sind ohne Ausnahme offen für spontane Aktionen.

Claudia Heise, die sich selbst als „ziemlich detailverliebt“ bezeichnet, wenn es um schön gestaltete Einladungen, hübsche Tischdekorationen, Vorbereitung von Festen und Ähnliches geht, verzichtet bei Open House ganz bewusst auf diese Dinge. Natürlich isst das Auge mit, und ein schön gedeckter Tisch ist für sie nicht das Thema, das gehört schon dazu. Aber bei Open House geht es vor allem darum, mit möglichst wenig Aufwand und ohne großes Tamtam gemeinsam zu essen, zu spielen, zu musizieren. Oder eben den Tisch schön zu decken. Lange Vorbereitungszeiten für eine ausgefeilte Tischdekoration sind da nicht eingeplant. In einer herkömmlichen  Wohngemeinschaft gehören diese Dinge ja ebenfalls nicht zum Alltag, sondern sind eher den ganz besonderen Festtagen vorbehalten. Die kann es bei Open House aber auch geben. Ein Frühlingsfest mit Maibowle, Mairübchen, Maibaum und dazu passend gestalteter Dekoration aus Heises Händen. Das sei dann aber auch etwas ganz Besonderes.

Flexibel und spontan

So flexibel und spontan wie möglich, das ist das Leitmotiv beim offenen Haus. Es ist ein Ort zum gemeinsamen Leben, offen für vieles. Deshalb gibt es auch keine gemeinsame Anfangszeit. Ab 11 Uhr ist die Wohnung von Claudia Heise geöffnet – mit offenem Ende. Ob jemand am spontanen Programm teilnimmt oder sich lieber einfach erholen will, im Garten oder auf dem Sofa, das ist jedem Teilnehmer, jeder Teilnehmerin, freigestellt. Irgendwann nachmittags wird Kaffee gekocht, das gehört einfach dazu. Genauso, dass jeder, der mag, etwas mitbringt. An Ideen, an Lebensmitteln, vielleicht auch mal ein Spiel oder etwas Musik.

Wie Claudia Heise auf die Idee gekommen ist, ihr Haus für andere zu öffnen? Irgendwann habe sie in den Läden immer mehr Produkte für Singles gesehen. Kochbücher für Singles, 2000 Beschäftigungsmöglichkeiten für Singles, überteuerte Lebensmittel in Single-Größe. „Überall Single-dies und Single-das. Durch dieses Gedöns wird das Alleinsein noch verstärkt“, findet Heise. Es müsse doch möglich sein, als alleinstehender Mensch in Gemeinschaft zu leben, dachte sie sich. Das heiße unter Umständen dann eben, gemeinsam einkaufen zu gehen für das Abendessen, wenn niemand was mitgebracht hat.

Es bedeutet mitunter, gemeinsam in der Küche zu stehen und beispielsweise Gemüse zu schnibbeln für das Abendessen. Aber nicht immer wird gekocht. Manchmal gibt es einfach nur eine Pizza vom Lieferdienst, oder es wird gegrillt. „Die Kosten dafür legen wir auf alle Anwesenden um“, sagt Heise. Keiner soll bei Open House  „draufzahlen“. Damit das mit dem Einkaufen überhaupt möglich ist, legt Heise die Termine fürs offene Haus bewusst auf den Samstag statt auf den Sonntag. Denn so habe man einfach mehr Möglichkeiten – gerade zum spontanen Lebensmitteleinkauf.Man kann ja nie wissen, worauf die Truppe an diesem Tag so Lust hat. Da ist er wieder, der Grundsatz: Alles bei Open House ist frei und freiwillig, nichts vorher festgelegt.

Spontanität braucht einen ruhenden Pol

Bis auf einen Punkt: das gemeinsame Abendessen mit einer „Sonntags-Begrüßungs-Feier“. Dafür gibt es eine spezielle Liturgie, die angelehnt ist an jüdische Sabbat-Begrüßungsfeiern. Nach jüdischer Auffassung beginnt der Sabbat schon am Vorabend mit Einbruch der Dämmerung – dieser Tradition folgt die Liturgie des „Sonntag-Begrüßens“, mit dem Unterschied, dass sie am Vorabend des Sonntags stattfindet und nicht am Vorabend des Sabbats.

Claudia Heise hat diesen geistlichen Teil ganz bewusst bei „Open House“ eingeführt. Nicht von Anfang an, das kam erst mit der Zeit. Und mit der Erfahrung: „Den ganzen Tag über ist hier ein großes Gewusel, alles ist individuell.“ Sie und ihre Mitbewohner auf Zeit hätten aber gemerkt, dass es guttut, einen Ruhepol zu haben und einen verbindlichen Programmpunkt. Der feste Rahmen stifte Gemeinschaft, wie auch das gemeinsame Gebet: Wenn man zusammen dafür danke, was es in den vergangenen Wochen alles an guten Erfahrungen gegeben habe, trage das den Einzelnen durch die nächsten Wochen.

Ganz ehrlich berichtet Heise übrigens, dass das lockere Treffen auch seine Schattenseiten hat. Denn es bleiben am Ende eines solchen gemeinschaftlichen Samstags häufig viele Lebensmittel übrig, nicht jeder nehme die Reste der Lebensmittel wieder mit, die  er vorbeigebracht hat. Aber das sei das Einzige, was es am Konzept zu bemängeln gebe, sagt sie und lacht. Damit sei dann das Essen für die nächsten Tage gesichert.


Claudia Heise ist engagiert im Netzwerk „Solo & Co.“: www.soloundco.net

 

 

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