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Ostermärsche in Kriegszeiten - Naiv oder konsequent?

„Frieden schaffen ohne Waffen“ und „Schwerter zu Pflugscharen“ fordert die Friedensbewegung. Überall im Land, so auch in Württemberg, werden Friedensaktivisten wieder zu ihren traditionellen Ostermärschen aufbrechen. Ist dies naiv angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine? Oder ist es nicht vielmehr konsequent?

Friedensmarsch. Foto: Wal_172619, pixabayFriedensmarsch. Foto: Wal_172619, pixabay

Eine Übersicht.

Die Ukrainer kämpfen gegen die russischen Invasoren. Dieser Krieg wird bei den Ostermärschen der Friedensbewegung von Karfreitag bis Ostermontag das zentrale Thema sein. Über 100 Demonstrationen, Fahrradtouren, Mahnwachen und Friedensgebete sind bundesweit geplant, einige auch in Württemberg. „Schluss mit Krieg! Statt 100 Milliarden für die Bundeswehr: Abrüsten! Atomwaffen abschaffen! Klima retten!“ Das fordern die Organisatoren der Kundgebung, die am Karsamstag in Stuttgart über die Bühne geht. 100 Sekunden vor 12 Uhr beginnt sie vor dem Staatstheater im Oberen Schlossgarten, dann laufen die Teilnehmer durch die Stadt. Um 13.30 Uhr finden sie sich zur Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz zusammen.

Etwa zur selben Zeit, am Karsamstag um 12 Uhr, startet der Ostermarsch an der Wilhelmsburg-Kaserne in Ulm. Die Demonstranten für den Frieden laufen zum Hansund-Sophie-Scholl-Platz, wo um 13.30 Uhr die Kundgebung beginnt.

Das Friedensbündnis Biberach hält am Karfreitag um 17 Uhr eine Mahnwache auf dem Marktplatz.

In Oberndorf im Kirchenbezirk Sulz am Neckar startet am 16. April um 10 Uhr der Ostermarsch am Werkstor des Rüstungsunternehmens Heckler & Koch. Er führt durch die Talstadt zum Mauserparkplatz vor Rheinmetall.

In Ellwangen im Dekanat Aalen sammeln sich die Demonstranten am 16. April am Bahnhof. Dort laufen sie um 10 Uhr los Richtung Fuchseck, wo um 11 Uhr die Kundgebung stattfindet.

Wer wie die Ostermarschierer in diesen Tagen Abrüstung fordert, wird von vielen als naiv bezeichnet. Muss Deutschland, muss das Verteidigungsbündnis Nato nicht mehr auf Abschreckung setzen, neue Waffensysteme kaufen und aufrüsten? Ist Jesu Friedensgebot ausgehebelt?

Die Bundesregierung ist umgeschwenkt. Sie wird 100 Milliarden Euro in die Bundeswehr investieren und liefert Waffen an die Ukraine. Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Friedrich Kramer, hält Waffenlieferungen in Krisengebiete für falsch. Im Krieg bleibe niemand schuldlos, sagt er. Im Blick auf die Ukraine gelte es deshalb abzuwägen, „ob das Liefern von Waffen zum direkten Töten oder die Unterlassung der militärischen Unterstützung des gerechtfertigten Verteidigungskampfes der Ukraine größere Schuld ist“.

Kramer warnt auch vor atomarer Aufrüstung, die Folgen eines Atomkriegs wären unabsehbar. Deshalb müsse die Bundesregierung dem Atomwaffenverbotsvertrag beitreten. „Die Abschreckung funktioniert nur so lange, wie beide Seiten etwas zu verlieren haben und sich rational verhalten“, sagt der EKD-Friedensbeauftragte.

Vom Krieg unbeeinflusst geht der Klimawandel weiter – er betrifft die ganze Menschheit. Die Friedensaktivisten erinnern auf ihren Ostermärschen auch daran, dass Klimaschutz Frieden braucht.

Mit Material von epd

◼ Eine Übersicht über die Ostermärsche bietet www.friedenskooperative.de, Suchwort „Termine“.

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