Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ostern: Hoffnung ‒ gerade jetzt - Trauer und Zuversicht

Mit dem Tod Jesu am Kreuz schien alles aus zu sein. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn es kommt darauf an, wie die Geschichte weitergeht. Weil sie gut ausging, sollten wir gerade an Karfreitag auch schon an Ostern denken.

Karfreitag - Jesu Tod am Kreuz. Foto: José Manuel de Laá/PixabyKarfreitag - Jesu Tod am Kreuz. Foto: José Manuel de Laá/Pixaby

Nach knapp drei überaus ereignisreichen Jahren mit diesem Jesus ging es am Ende doch ziemlich schnell: ein letztes Passahmahl in Jerusalem; ein nächtliches Ringen im Gebet; die Verhaftung; die engsten Freunde flohen oder verleugneten ihn; Anhörungen vor der religiösen und der weltlichen Obrigkeit; ein Hin und Her („von Pontius zu Pilatus“); der Versuch einer Begnadigung, doch die Menge forderte die Freilassung eines militanten Freiheitskämpfers. Es folgten Folter und Spott; der Weg des Gegeißelten zur Abschreckung der Bevölkerung durch die Straßen Jerusalems bis hinaus vor das Stadttor – und schlussendlich die Hinrichtung auf der „Schädelstätte“, die auch unter dem Namen Golgatha bekannt ist: Tod am Kreuz, ein Verbrecher unter anderen.

Alles, was in der Welt erreicht wurde, wurde aus Hoffnung getan.

Grauenhaft! Auch wenn Mel Gibson manches in seinem Film „The Passion of Christ“ aufgrund welcher Motive auch immer noch blutgetränkter ausgestaltet hat, als es vielleicht tatsächlich war – verharm-losen lässt es sich nicht. Ich bin zwar froh darüber, dass Karfreitag in den Kinderbibeln, die ich mit meinen Kindern anschaue, recht unanschaulich präsentiert wird. Doch selbst will ich mich dem nicht einfach entziehen.

Jesu Gefährten – vor allem Frauen werden erwähnt – beobachteten das schreckliche Schauspiel „von fern“ (Markus 15,40), möglicherweise von der Stadtmauer aus. Diejenigen, die sich dem Johannes-evangelium zufolge doch bis zum Kreuz trauten (Johannes 19,25-27), wurden in einer breiten Frömmig-keitstradition des Christentums zu Vorbildern echter, inniger Passionsandacht, mit einem Fokus auf der compassio (dem „Mit-Leiden“).

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In zahlreichen Liedern unserer Gesangbücher spiegelt sich dies ebenso wie in Kreuzesdarstellungen früherer Jahrhunderte, bevor diese im 20. Jahrhundert eher abstrakt wurden. Doch Christen sind keine Masochisten. Damit die Meditation der Passion Jesu zu ihrem Ziel führt, braucht es das Wissen um den Fortgang der Geschichte – auch dies zeigt sich in den Liedern und Bildern. Denn ansonsten bliebe sie im wahrsten Sinne des Wortes sinnlos und trostlos.

Auferstehung Jesu Passion Leiden. Foto: congerdesgin-pixabyAuferstehung Jesu - Passion, Leiden. Foto: congerdesgin-pixaby

Die Auferstehung - Der Grund unsererer Hoffnung

Trostlosigkeit befiel auch die Freunde Jesu. Die Evangelien schildern dies eindrücklich: Von Schrecken und Angst lesen wir, vom Rückzug hinter verschlossene Türen und der Resignation angesichts ent-täuschter Erwartungen: „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.“ (Lukas 24,21) Doch dann, „am dritten Tag“: Ostern! Der Auferstandene selbst begegnet den Seinen, die ihn nicht erken-nen, die damit nicht gerechnet und das alles noch nicht verdaut haben. Er öffnet ihnen die Augen: „Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ (Lukas 24,26)

Die Auferstehung verändert alles, sie rückt auch das vorher Geschehene in ein neues Licht. Nicht dass dadurch ein „eigentlich sinnloses“ Ereignis nachträglich „mit Sinn gefüllt“ würde, der Sinn – „das Geheimnis Gottes“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 93) – wird vielmehr rückblickend erst sichtbar: Im Kreuz ist Heil! In den Briefen des Neuen Testaments finden wir zahlreiche Versuche, dies zu verstehen und in Worte zu fassen.

Die Herausforderung ist also, Karfreitag in beiden Richtungen in den Blick zu nehmen – vorwärts und rückwärts. Denn hier kommt beides zusammen: tiefste Trostlosigkeit und zugleich höchster Trost! Deshalb ist Karfreitag im Licht von Ostern der Grund unserer Hoffnung.

◼ Der promovierte Theologe Jonathan Reinert arbeitet am Institut für Spätmittelalter und Reformation an der Universität Tübingen.

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