Christliche Themen für jede Altersgruppe

Persönlich gemeint

Vorbilder

Neulich in der S-Bahn, an einem späten Samstagnachmittag. Eine Gruppe von Erwachsenen mit Kindern war bei uns im Abteil. Diese gaben keine Ruhe, hampelten hin und her. Die Ermahnungen ihrer Mutter, sie sollten sich doch jetzt einfach hinsetzen, nutzten nichts. Bis sich diese direkt zu der Sitzbank stellte. Dann war Ruhe.

Doch plötzlich schrie der Vater eines der Kinder eine Mitfahrerin an, sie solle aufhören, sein Kind zu schlagen. Im Verlaufe des Streits, der nun entbrannte, stellte sich heraus: Das Kind war der Frau auf ihren verletzten Fuß getreten, und die Frau hatte lediglich ihre Hand ausgestreckt, um sich vor dem Kind zu schützen.

Doch die Argumentation der Frau ließ der aufgebrachte Vater nicht gelten: „Du hast mein Kind geschlagen, das machst Du nicht nochmal!“ Der Hinweis der Frau, dass sie mit ihm ja nicht „per Du“ sei, wurde von dem Vater ignoriert. Dass das Kind herumgetobt hatte, ebenfalls. Schuld haben die anderen, irgendwer, jedenfalls nicht mein Kind, war seine Haltung. Die anderen Erwachsenen versuchten, den Vater zu beruhigen – mit Erfolg.

Ich frage mich, was das Kind wohl aus der Sache lernen wird: Dass es immer im Recht ist, egal, was es tut? Dass Schuld immer nur die anderen haben? Oder ist der Vater eher ein abschreckendes Beispiel – die Beschwichtigungsversuche der anderen dagegen ein Vorbild? Das jedenfalls hofft Ihre

Nicole Marten
nicole.marten(at)evanggemeindeblatt.de