Christliche Themen für jede Altersgruppe

Persönlich gemeint

Das Leben leben

Von Mönchen des Kartäuser-Ordens wird erzählt, dass sie jeden Tag eine Stunde im Sarg liegen und beten. Ob das tatsächlich für alle Kartäuser-Mönche gilt oder für einzelne früher einmal galt, weiß ich nicht.

Wie wahr diese Geschichte ist, spielt auch keine Rolle. Mir geht es um das, was hinter dieser Geste steckt. Es ist ein sich Bewusstmachen, dass unser Leben endlich ist. Sich jeden Tag den Tod vor Augen führen, mag für manche beklemmend sein. Doch schon in der Bibel heißt es in Psalm 90,12: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Der Schluss des Verses „...damit wir klug werden“ ist die Losung für den Stuttgarter Kirchentag im nächsten Jahr.

Bedenken, „dass wir sterben müssen“, heißt ja auch: dass wir unsere Zeit auf Erden gut nutzen sollen. Damit meine ich nicht, möglichst viel zu arbeiten, sondern, dass wir lernen sollen, richtig zu leben.

Manchmal sagen Frauen und Männer, die von einer schweren Krankheit erfahren haben, dass sie von dem Moment der Krebsdiagnose an das Leben genießen lernten, dass sie sich über den bunten Herbst freuen, auch dass sie jetzt achtsamer gegenüber sich selbst und anderen sind.

Insofern ist für mich der Ewigkeitssonntag, den viele auch Totensonntag nennen, nicht nur ein Verweis an das Jenseits, sondern vor allem eine echte Lebenshilfe.

Das meint Ihre

Petra Ziegler
petra.ziegler(at)evanggemeindeblatt.de