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Plötzlich ist da neues Leben - Selbstheilungskräfte der Natur

Nach schweren Stürmen, Borkenkäferplagen und Waldbränden sieht die Natur verheerend aus. Doch was für das menschliche Auge wie reine Zerstörung wirkt, ist oft nur der Beginn einer neuen biologischen Vielfalt. Eine Betrachtung über die Selbstheilungskräfte der Natur.

Grossbrand, Waldbrand. Foto: Schäferle, pixabayWaldbrand. Foto: Schäferle, pixabay

Im September 1988 brannte der amerikanische Yellowstone-Park lichterloh. Der älteste Nationalpark der Welt ein Opfer der Flammen, eine vielfältige Natur womöglich für immer verloren. Tausende von Feuerwehrleuten kämpften aufopferungsvoll gegen die Naturkatastrophe, tatsächlich gelöscht wurden die Waldbrände aber vom ersten großen Regen im Herbst.

Fast wie ein Symbol wirkte dieser Verlauf: Die Natur ist letztlich stärker als der Mensch und reguliert am Ende alles selber. Schon bald nach dem Erlöschen des Feuers sah man dort die ersten Pflanzen sprießen. Heute beobachten Naturschützer im Yellowstone eine ökologische Vielfalt, die in Teilen der damaligen Feuersbrunst zu verdanken ist.

Bis in die 1960er-Jahre wurden auch in den USA Brände grundsätzlich als schädlich für die Natur angesehen. Doch das Bild hat sich gewandelt: Zwischenzeitlich überlässt man vor allem kleinere Feuer sich selber, sofern keine menschlichen Siedlungen davon betroffen sind. Große Baumarten wie Wellingtonien profitieren regelrecht von dieser ökologischen Reinigung der Natur.

Blume, Asche, neues Leben. Foto: sun4you, pixabayFoto: sun4you, pixabay

Auch mit dem Borkenkäfer ist das letztlich so eine Sache. Befällt er Fichten großflächig, sieht das katastrophal aus. Und für Waldbesitzer wird es tatsächlich zum wirtschaftlichen Problem. Die Natur freilich erholt sich davon ohne Probleme und sorgt dafür, dass dort, wo viel zu viele Fichten in Monokulturen gepflanzt wurden, wieder ein vielgestaltiger Wald nachwächst.

Die Natur reguliert sich selber

Der Mensch muss sich nur raushalten. Das funktioniert in Nationalparks wie im Schwarzwald gut. Dort gilt sogenannter Prozessschutz, das heißt, man greift vor allem in der Kernzone in die ökologischen Vorgänge nicht mehr ein. „Die Selbstheilungskräfte der Natur sind enorm, wir vertrauen darauf“, sagt Urs Reif, der Leitende Ranger im Nationalpark Schwarzwald.

Dort kann man auch immer noch die Auswirkungen des verheerenden Sturms Lothar aus dem Jahre 1999 sehen. Hektarweise wurden dabei Fichtenforste umgelegt, wie Streichhölzer knickten sie unter der Sturmlast ab.

Auf dem sogenannten Lotharpfad kann man sehen, wie sich die Landschaft entwickelt, wenn man das Totholz einfach liegen lässt. Es zerfällt und wird zur Heimat Tausender Insekten. „Totholz ist im Grunde ja gar nicht tot, es wird Teil eines neuen Kreislaufs des Lebens“, sagt Ranger Reif.

Dort, wo die jungen Tannen im Dickicht querliegender Bäume sprießen, ist überdies der Wildverbiss geringer. In geordneten Wirtschaftswäldern hingegen haben Rehe und Hirsche erheblich leichteres Spiel.

Auch was den Klimawandel angeht ist der Biologe Urs Reif keineswegs nur pessimistisch: Ein großflächiges Waldsterben hält er nicht für die zwangsläufige Folge, weil Bäume sich anpassen können. So hat man in trockenen Gebieten beobachtet, dass Tannen von Generation zu Generation tiefer wurzeln. Und eventuell werden bisherige Baumarten eben von anderen ersetzt.

morscher Baumstumpf, neues Leben. Foto: Brita Seifert, pixabayFoto: Brita Seifert, pixabay

Am besten also, der Mensch pfuscht der Natur nicht pausenlos ins Handwerk. Das allerdings gilt auch für einen Nationalpark-Ranger wie Urs Reif nicht uneingeschränkt: „Es kommt immer darauf an, welches Ergebnis man am Ende haben möchte.“ So gibt es in Wirtschaftswäldern andere Spielregeln als in einem Nationalpark. Auch in kleineren Naturschutzgebieten wird mitunter sanft reguliert, um eine starke Verbuschung zu vermeiden.

Überdies können auch Kulturlandschaften wie auf der Schwäbischen Alb nur erhalten werden, wenn der Mensch dort Schafe weiden lässt. Sonst wird aus den Wacholderheiden wieder eine Waldlandschaft. Die wäre dann zwar auch natürlich, aber eben bei weitem nicht mehr so schön und vielfältig wie das bisherige Landschaftsbild.

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