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Polizist mit Gottvertrauen - Beruf voller Herausforderungen

NAGOLD/WILDBERG (Dekanat Calw-Nagold) – Erhard Schulz ist seit 45 Jahren Polizist. Ein Beruf voller Herausforderungen und schwierigen Augenblicken. Etwa wenn es darum geht, eine Todesnachricht zu überbringen. Sein Glaube hat ihm dabei immer wieder geholfen.

Radfahrer, Polizist und gläubiger Christ: Erhard Schulz aus Wildberg. Nach 45 Jahren geht er in den Ruhestand. Foto: Peter HeinrichRadfahrer, Polizist und gläubiger Christ: Erhard Schulz aus Wildberg. Nach 45 Jahren geht er in den Ruhestand. Foto: Peter Heinrich

Das Datum wird Erhard Schulz nicht vergessen. Es war der 11. August 2017, der Unfall hat sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt. Damals ist in Nagold ein vollbeladener Müllwagen auf einer abschüssigen Straße am Ende einer Kurve auf einen mit fünf Personen besetzen Kleinwagen gestürzt und hat diesen unter sich begraben. Für die Insassen kam jede Hilfe zu spät.

Todesnachrichten zu überbringen, ist eine der schwersten Aufgaben des Polizeiberufes. Beim Unfall mit dem Müllwagen blieb Erhard Schulz dies zwar erspart, aber in vielen anderen Situationen war auch er hier gefordert. Besonders hart ist es, wenn man die Leute kennt. „Das geht schon an die Substanz“, erläutert Erhard Schulz, und er fühle sich dann oft hilflos und ohnmächtig. „Aber auch in meiner Ohnmacht bin ich nicht allein“, sagt er, „ich kann mich auf Gott verlassen.“ Der 64-Jährige ist dankbar, dass er fest verwurzelt ist im Glauben.

Erhard Schulz ist mit Leib und Seele Polizist. Für ihn ist der Slogan „Die Polizei – Dein Freund und Helfer“ keine bedeutungslose Phrase aus vergangenen Zeiten. Er ist Erster Polizeihauptkommissar und Stellvertretender Leiter des Polizeireviers in Nagold. Darüber hinaus ist er ehrenamtlich engagiert und passionierter Radfahrer.

So hat er 23 Jahre lang in der Kinderkirche seiner Wildberger Kirchengemeinde mitgearbeitet und hilft regelmäßig bei der Nagolder Vesperkirche mit. Außerdem sitzt er seit vielen Jahren im Wildberger Gemeinderat und nimmt dort die Funktion des stellvertretenden Bürgermeisters wahr. All das sind Tätigkeiten, die er aus seiner christlichen Verantwortung für das Gemeinwohl übernommen hat.

Radfahrer, Polizist und gläubiger Christ: Erhard Schulz aus Wildberg. Nach 45 Jahren geht er in den Ruhestand. Foto: Peter HeinrichSeine beruflichen Aufgaben sind vielfältig. Personalführung, Planung und Organisation gehören dazu, „alles, was dazu dient, damit der Laden läuft“, sagt er. Ferner müssen der Revierleiter und sein Stellvertreter bei großen Lagen – wie etwa schwere Unfälle, Veranstaltungen oder Demonstrationen – vor Ort sein.

Auch viele schöne Momente

Es gibt auch viele schöne Momente im Polizeidienst. Das sind oft gar nicht die großen Ereignisse. Es ist die Dankbarkeit der Menschen, sagt Schulz, die sich von der Polizei verstanden fühlen, wenn sie sich mit ihren Anliegen an sie wenden.

Aber auch seine Einsätze im Antikonfliktteam sieht er als Highlights an. So war er 2015 beim G7 Gipfel in Garmisch und hat versucht, mit den Demonstranten ins Gespräch zu kommen. Auch beim jährlichen Gedenktag zur Zerstörung von Pforzheim am 23. Februar ist er regelmäßig mit von der Partie. Dabei gehe es darum, polizeiliche Maßnahmen zu erklären und durch Kommunikation Gewalttätigkeiten vorzubeugen.

Der Selbstschutz, insbesondere von jungen Kolleginnen und Kollegen, ist immer wieder ein Thema in Personalgesprächen. Das Beispiel aus Rheinland-Pfalz, als bei einer Kontrolle eine Polizeianwärterin und ein Polizist erschossen wurden, hat die Brisanz gezeigt.

Vor mehr als 30 Jahren hatte es einen ähnlichen Vorfall im Nagolder Raum gegeben. Zwar endete der Schusswechsel mit einem Bankräuber für den Polizisten nicht tödlich, er wurde aber durch drei Schüsse schwer verletzt. „Wir dürfen nicht nachlässig werden“, sagt Schulz, „aber die Angst darf auch nicht ständiger Begleiter sein.“

Seit 45 Jahren setzt Erhard Schulz sich für seine Kollegen ein und dafür, dass die Spielregeln der Gesellschaft eingehalten werden. Im Sommer geht dieser Lebensabschnitt mit Eintritt in den Ruhestand endgültig zu Ende. „Vielleicht bleibt dann noch mehr Zeit für angenehmere Dinge“, sagt er lächelnd, steigt auf sein Fahrrad und fährt die zwölf Kilometer von Nagold durch die nachmittägliche Frühlingssonne nach Hause. □

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