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Ratschen und Kostüme - Purimfest - 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Das Purimfest sprüht vor ausgelassener Freude und verrückten Ideen. Es erinnert an die Rettung der persischen Juden vor dem Tod im fünften Jahrhundert vor Christus. Dabei spielte eine Frau eine wichtige Rolle: Ester. Purim ist, salopp formuliert, der jüdische Karneval.

Zu Purim gehören Hamantaschen, Kostüme, Ratschen und die Buchrolle Ester. Foto: adobe stock/ ungvar

Nach dem biblischen Buch Ester hatte Perserkönig Ahaschwerosch, bekannt als Xerxes I. (486 – 465 vor Christus), bereits eine Art Holocaust im Sinn. Er wollte die Juden ausrotten. Sein Minister Haman hatte ihm den Plan eingeredet, weil der jüdische Offizier Mordechai ihn nicht gegrüßt hatte. Es half Mordechai und seinem Volk nichts, dass er ein Freund des Königs war und dass seine schöne Adoptivtochter Ester von einer Haremsdame zur Gattin des Königs aufgestiegen war.

Der Tod der Juden war beschlossene Sache, nur der Termin stand noch nicht fest, er sollte ausgelost werden. „Los“, „Schicksal“ heißt hebräisch „pur“, daher der Name des Festes, Purim.

Ester wollte beim König ein gutes Wort für ihr Volk einlegen. Sie zog ihre prächtigsten Kleider an, strahlte in atemberaubender Schönheit und fiel im richtigen Moment in Ohnmacht. König Xerxes war gerührt und ließ die Juden leben. Er befahl Haman, Mordechai auf einem königlichen Pferd durch die Straßen der Hauptstadt zu geleiten, und schickte den Minister danach an den Galgen.

Hamans Haus schenkte er Ester, das Ministeramt übernahm Mordechai, und die Juden im Perserreich erhielten das Recht, sich zu verteidigen und an ihren Feinden zu rächen.

Zum Gedenken an ihre Errettung feiern Juden im Monat Adar Purim, in diesem Jahr vom 25. bis 26. Februar. Das Fest beginnt am Vorabend ernst und ein wenig traurig mit Fasten („Taanit Ester“), wie es Ester und alle Juden der persischen Hauptstadt Susa damals drei Tage lang taten.

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Tags darauf strömt normalerweise alles in die Synagoge, um die „Megilla Ester“ zu hören, das Buch mit der biblischen Geschichte. Der Text ist so wichtig, dass Boten zu Kranken geschickt werden, um dort die „Megilla“ vorzutragen. All dies wird in diesem von Corona dominierten Jahr nur sehr eingeschränkt möglich sein.

Fast wie im Karneval - Kinder dürfen lärmen

Die Kinder in der Synagoge lauern zu normalen Zeiten darauf, die ernste Stimmung zu durchbrechen: Immer dann, wenn der verhasste Name „Haman“ erwähnt wird, dürfen sie mit Ratschen, Rasseln, kleinen Trompeten, Hammerschlägen und wildem Schreien einen ohrenbetäubenden Lärm machen.

Am Nachmittag gibt es normalerweise ein großes karnevalartiges Fest in den mit Luftballons und Girlanden bunt geschmückten Gemeinderäumen. Die Kinder kommen maskiert, sie haben ein Theaterstück oder einen fröhlichen Tanz einstudiert, und am Abend werden „Mr. und Mrs. Purim“ gewählt.

Die Kostümierung erinnert daran, dass in der Ester-Geschichte auch nicht alles klar war: König Xerxes wusste nicht, dass seine Ester Jüdin war, und Haman nahm zunächst an, der König wolle ihn und nicht Mordechai mit der Prozession durch die Stadt ehren.

Das Feiern an Purim hat einen stark sozialen Charakter. Man schickt Fleisch, Kuchen, kandierte Früchte und Wein an ärmere Mitbürger – und achtet darauf, dass die Gaben Wertschätzung ausdrücken.

Hamantaschen gehören zum Purimfest. Foto: Xeno4ka, pixabayHamantaschen gehören zum Purimfest. Foto: Xeno4ka, pixabay

In traditionsbewussten Haushalten bäckt man „Hamantaschen“, das sind dreieckige Mohnkuchen, die wie napoleonische Hüte aussehen.

Außerdem gibt es mit Anis durchtränkte und mit Vanillezucker bestreute „Hamansohren“ oder den „Malchesbrejtel“. Das ist ein Kuchenkranz, der das Diadem der Königin Ester symbolisiert.