Christliche Themen für jede Altersgruppe

Religion geht durch den Magen

STUTTGART – Das Essen spielt in allen Kulturen eine große Rolle. Es ist viel mehr als nur Nahrungsaufnahme. Das spiegelt sich auch in den Religionen wider: In manchen gibt es konkrete Speisevorschriften, in anderen Fastenbräuche. Das Mahl der Religionen, das während der Interkulturellen Woche gefeiert wird, gibt einen kleinen Einblick in die verschiedenen Traditionen.  


Zum Zuckerfest der Muslime und zum Pessach-Mahl der Juden gehören bestimmte Speisen. (Fotos: epd-Bild)

Entstanden ist die Idee zum Mahl der Religionen aus den Frauenmahlen, die seit einigen Jahren deutschlandweit immer wieder gefeiert werden. Dabei treffen sich Frauen zum gemeinsamen Essen, zwischen den Gängen gibt es immer einen Impuls von einer prominenten Frau. Dieser Impuls soll dann an den Tischen beim Essen diskutiert werden. Ganz ähnlich wird es auch am 30. September beim Mahl der Religionen im Hospitalhof sein. Nur, dass die Impulse von einem Podium kommen, auf dem Vertreter des Islam, des Judentums, des Buddhismus, Hinduismus und natürlich auch des Christentums sitzen.

Die Leitfrage des Mahls lautet „Ob Religion durch den Magen geht?“ In drei Diskussionsrunden erfahren die Teilnehmer etwas über die jeweiligen religiösen Feste, bei denen Essen und Trinken eine Rolle spielen, welche Speisen in welcher Religion religiös definiert sind, wie zum Beispiel im Christentum Brot und Wein, und welche Gebote es für Essen und Trinken gibt, welche Fastenvorschriften es gibt und welche sonstigen Speisegesetze zu beachten sind.

An den Tischen soll das Gespräch über die jeweiligen Gewohnheiten dann weitergehen. Teilnehmer sollen sich darüber austauschen, wie sie in der Praxis mit den Vorgaben ihrer jeweiligen Religion umgehen, wie streng sie damit umgehen, wie die Speisevorschriften ihren Alltag prägen.

Serviert werden nach den einzelnen Diskussionsrunden orientalische Vorspeisen, Falafel und Salat als Hauptgericht und Aschura, eine muslimische Süßspeise mit zehn bis 14 verschiedenen Früchten. Weil die jüdischen Speisevorschriften am strengsten sind, kocht die Kantine der Synagoge. Damit die Nachspeise auch original schmeckt und aussieht, geht ein alevitischer, also muslimischer Koch in die jüdische Küche.

Eine Besonderheit ist es schon, findet Astrid Riehle, Referentin des Stuttgarter Stadtdekans, dass die muslimischen Vertreter die strengen jüdischen Vorschriften mittragen. Aber auch, dass Hindus und Buddhisten sich auf den Abend einlassen, ist bemerkenswert. Und weil die jüdischen Vorschriften ja auch unterschiedliches Geschirr für unterschiedliche Speisen vorsehen, hat man sich im Vorbereitungskreis auf Einweggeschirr geeinigt. „Das ist zwar ethisch nicht so gut“, räumt Riehle ein. Aber frei nach Paulus müsse man auch sehen, was den Glauben des jeweils anderen beeinträchtige und entsprechend handeln. Insofern sei beim Geschirr eine Ausnahme erlaubt.



Wer am Mahl der Religionen am 30. September teilnehmen möchte, muss sich bis 22. September anmelden. Telefon: 0711-2068391, E-Mail: mahl-der-religionen@gmx.de. Der Eintritt kostet 15 Euro.

Information

Die Interkulturelle Woche vom 21. bis 27. September steht unter dem Motto „Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern“. Bundesweit wird die Woche eröffnet mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart am 19. September um 18 Uhr. Mitwirkende sind der katholische Bischof Gebhard Fürst, der griechisch-orthodoxe Bischof Vasilios Tsiopanas von Aristi und Landesbischof Frank Otfried July. Im Anschluss findet um 20 Uhr ein Festakt im Stuttgarter Rathaus statt mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn und der baden-württembergischen Integrationsministerin Bilkay Öney. Eine Podiumsdiskussion schließt sich an.

Programmhöhepunkte in Stuttgart sind ein Jazz-Gottesdienst am 21. September, 10 Uhr, in der Dachswaldkirche, die Tagung „Gesellschaft gemeinsam gestalten – Junge Muslime als Partner“ (24. und 25. September, Anmeldung unter 0711-1640722), das Festival zum Tag des Flüchtlings am 26. September ab 18 Uhr im Alten Feuerwehrhaus Heslach, Telefon 0711-631355. Zudem lädt der Club International, Treffpunkt für junge Erwachsene aus aller Welt, zum Kennenlernabend ein (24. September ab 18 Uhr, Urbanstraße 44). Das ausführliche Programm, das vom 19. September bis 15. Oktober dauert, gibt es unter www.stuttgart.de/interkulturelle-woche