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Rückhalt in Krisen-Zeiten - Pilotprojekt Familienherberge Lebensweg

ILLINGEN-SCHÜTZINGEN (Dekanat Mühlacker) – Aus wirtschaftlichen Gründen müsste die Familien-herberge Lebensweg derzeit schließen. Doch das kommt für das Team nicht in Frage: Die Unterstützung von Familien mit schwerstkranken Kindern läuft weiter – mit einem individuellen Betreuungs- konzept und reduzierten Pflegeplätzen.

Karin Eckstein, Vanessa Müller-Uhlig und Mona Hoffmann (von links) auf dem hauseigenen Spielplatz. Foto: Astrik LinkKarin Eckstein, Vanessa Müller-Uhlig und Mona Hoffmann (von links) auf dem hauseigenen Spielplatz. Foto: Astrik Link

„Wir überstehen diese Krise gemeinsam, mit allen Mitarbeitern! Natürlich müssen wir die Finanzen noch mehr im Blick behalten, aber das bekommen wir hin.“ Karin Ecksteins Optimismus und Gottvertrauen wirken überzeugend und machen den Mitarbeitern Mut. Aufzugeben war für die 56-jährige gelernte Kinderkrankenschwester nie eine Option. Sonst hätte sie ihren Lebenstraum nicht verwirklichen können.

Familienherberge Lebensweg - Aufgeben ist keine Option

Die Familienherberge Lebensweg im Illinger Ortsteil Schützingen (Enzkreis) ist ein Pilotprojekt, einmalig in Süddeutschland und für Familien mit schwerstkranken oder mehrfach behinderten Kindern ein kleines Paradies.

Als die Institution im Mai 2018 öffnete, freuten sich Eltern deutschlandweit über das innovative Konzept, das die Regeneration kompletter Familien im gleichen Haus vorsieht. Dort kümmert sich professionelles Pflegepersonal um das Kind, während sich die Geschwister im Aufenthaltsraum oder auf dem hauseigenen Spielplatz vergnügen, am Freizeitprogramm teilnehmen oder mit den Eltern die Gegend erkunden. Die Angehörigen entscheiden, wann und in welchem Umfang sie ihr Kind in die Hände des Pflegeteams geben.

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Mit der Familienherberge, die sich aus Spenden finanziert, wurde eine Betreuungslücke geschlossen, deren dringenden Bedarf die Gründerin Karin Eckstein während ihrer Zeit als stationäre und ambulante Kinderkrankenschwester erkannt hatte. In diesem Jahr wären die zwölf Kurzzeit-Wohnplätze kontinuierlich belegt worden. Doch Mitte März musste die Herberge vorerst schließen. Die Corona-Pandemie ließ keine Wahl.

„Das ist uns unglaublich schwergefallen, aber die Gastkinder mit ihren verschiedenen Erkrankungen gehören zur besonders zu schützenden Risikogruppe“, erklärt Karin Eckstein. Alle Buchungen wurden storniert, für die Mitarbeiter wurde Kurzarbeit angemeldet. Bereits eingeplante Einnahmen mussten abgeschrieben werden.

Die Familien waren verzweifelt, zumal viele auch auf ihren häuslichen Pflegedienst verzichten und alles allein stemmen mussten. Karin Eckstein und ihr Team hatten schlaflose Nächte. Wegen der finanziellen Unsicherheit, weil viele Benefiz-Veranstaltungen zugunsten der Familienherberge ausfielen und weil so das Spendenaufkommen sank.

Da die Einrichtung in keine bürokratische Schublade passt, ist es schwierig, finanzielle Unterstützung von Krankenkassen, Landkreisen oder dem Land zu bekommen. Aber auch die leidtragenden Familien gingen ihnen nicht aus dem Kopf.

Fieberhaft suchte die Geschäftsführung nach einer Lösung. Im Mai konnten dann wenigstens Kinder ohne Angehörige aufgenommen werden. Seit Ende Juni dürfen wieder komplette Familien das Angebot wahrnehmen. Ein ausgeklügeltes Hygiene- und Belegungskonzept macht das möglich.

Statt der zwölf werden nur vier Plätze belegt. Die Pflege erfolgt als Eins-zu-Eins-Betreuung, An- und Abreisetage werden logistisch entzerrt. Ehrenamtliche sind nicht im Haus, da viele zur Risikogruppe gehören. Die Entscheidungen von Karin Eckstein und Mit-Geschäftsführer Martin Mörmann sind immer Gratwanderungen zwischen dem Leitbild der Herberge und der aktuellen Lage. Aber das Team ist eingebunden und trägt alles mit. „Wir können uns aufeinander verlassen. Das ist unheimlich wichtig und gibt Rückhalt“, meint Mona Hoffmann, Kinderkrankenschwester und stellvertretende Bereichsleiterin.

Finanziell steht der Verein dank verantwortungsvollen Wirtschaftens noch gut da. Die Beiträge der rund 1000 Mitglieder des Fördervereins geben Sicherheit. Eine Stiftung stellte Geld für die Schutzausrüstung und zusätzliche Hygienemaßnahmen bereit. „Wir sind nicht existenzgefährdet“, berichtet Karin Eckstein, „aber es fehlen etliche Einnahmen, mit denen wir gerechnet haben.“ □

Die Familienherberge Lebensweg unterstützt schwerstkranke und mehrfach behinderte Kinder und deren Familien mit pflegegerecht ausgestatteten Kurzzeit-Wohnplätzen und einer professionellen Rundum-Betreuung. Nur die Eltern und Geschwisterkinder bezahlen ihren Aufenthalt. Die Versorgung der Gastkinder und alle weiteren Angebote finanziert die gemeinnützige GmbH. Eine vergleichbare Einrichtung gibt es nur mit dem Kupferhof in Hamburg.

www.familienherbergelebensweg.de