Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sag’s mal auf schwäbisch - Dr Prediger Salomo uf schwäbisch

MISTLAU (Dekanat Blaufelden) – Die Heuristik ist eine Methode, die Wissenschaftlern alltagstaugliche Ergebnisse liefert. Das muss man wissen, wenn man das neue Büchlein von Ulrich Fröhner in die Hand nimmt. Der Autor aus Mistlau hatte einen theologischen Lehrer, der Mundart als heuristische Methode nutzte. In diesem Geist hat Fröhner das Buch Prediger ins Schwäbische übersetzt.

Eine der Besonderheiten des Kohelet ist die abgeklärte Grundstimmung, in der moralische Ansprüche mit den Niederungen des Alltags verglichen werden. Foto: Jasmin Ne/ UnsplashEine der Besonderheiten des Kohelet ist die abgeklärte Grundstimmung, in der moralische Ansprüche mit den Niederungen des Alltags verglichen werden. Foto: Jasmin Ne/ Unsplash

„Sag’s mal auf schwäbisch“ forderte sein theologischer Lehrer Studenten auf, wenn sich diese mal wieder in theologische Plattitüden verirrten, berichtet Ulrich Fröhner, heute 77 Jahre alt. „Die Mundart ist eine Wahrheitsprobe. In ihr kann man nicht lügen. Wenn ein Schwabe zum Beispiel sagt: ,Ich liebe dich‘, handelt es sich vermutlich um einen Heiratsschwindler. Beim echten Schwaben klingt es so: ‚I mog di‘.“

Mit anderen Worten: Sätze, die in Mundart funktionieren, sind wahrhaftig. Beispiel: „’s isch älles nix, secht dr Lehrer. Älles isch für d’Katz. ’s sterbet Leit, on andere werdet meh – d’Erde dreht sich weiter.“ Dieses leicht depressive Lamento heißt bei Luther so – Bibelfeste werden es als den Beginn Predigers Salomo (Kohelet) erkennen (Koh. 1,2.4): „Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel. Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt immer bestehen.“

Dr Prediger Salomo uf schwäbisch - Auch das Schwäbische ist griffig

„Ich habe mir lange überlegt, wie ich den Begriff ,Prediger‘ übersetzen soll“, sagt Fröhner, denn das sei kein schwäbisches Wort. Er hätte „Pfarrer“ nehmen können. „Doch Kohelet passt inhaltlich nicht zu einem Pfarrer. Deshalb habe ich mich für den Begriff ‚Lehrer‘ entschieden.“

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Der studierte Theologe wählte den Prediger aus zwei Gründen: Erstens verwendet er in seinem Text viele bildhafte Sprüche. „Das passt gut zum Schwäbischen, das ja auch griffig und kräftig ist. Ich sehe da eine Verwandtschaft.“ Zweitens liege ihm das Buch mit seiner philosophischen, eher kritisch-agnostischen Herangehensweise auch theologisch nahe. Denn eine der Besonderheiten des Kohelet ist die abgeklärte Grundstimmung, in der moralische Ansprüche mit den Niederungen des Alltags verglichen werden: „Des isch scho nix uff dem Erdbode, dass es Rechte gibt, die müsse lebe wie Lompe“ (Koh. 8,14).

Übersetzt hat Fröhner den Kohelet übrigens schon vor 30 Jahren, damals war er gerade wieder nach Stuttgart zurückgekommen – er war nach dem Vikariat Assistent an der Universität Basel und an einer Evangelischen Akademie im Kanton Bern, bevor er in die USA ging.

Ulrich Fröhner liegt das Buch Prediger auch theologisch nahe. Foto: PrivatUlrich Fröhner liegt das Buch Prediger auch theologisch nahe. Foto: Privat

Die Veröffentlichung scheiterte damals, weil kein geeigneter Illustrator gefunden wurde. Dann lag das Manuskript in der Schublade. Erst der Kontakt mit dem Baier Verlag Crailsheim, bei dem Fröhner in den vergangenen Jahren die Ergebnisse seiner Heimatforschung veröffentlichte, ließ ihn wieder an den Kohelet denken. Mit dem Klassenkameraden Rudolf Bütterlin war zwar schnell ein geeigneter Illustrator gefunden, doch Fröhner hatte erst Skrupel, den Text zu veröffentlichen. „Ich spreche zwar schwäbisch. Aber einem Mundartforscher hält mein Dialekt nicht stand. Ich habe zu lange im Ausland gelebt. Deshalb weiß ich gar nicht mehr so richtig, ob es ,er secht‘, ,er sait‘ oder ,er saggd‘ heißt.“

Das Büchlein ist ein nettes Geschenk für Schwaben und solche, die Einblicke in die schwäbische Seele suchen. Doch wer es verschenkt, sollte andere Bibel-Übersetzungen dazulegen. Denn der Hintersinn des Textes, die zweite Ebene, die die Mundart erschließt, zeigt sich auch und gerade im Vergleich. Wie heißt Kohelet 7,29 bei Luther (1984) so schön: „Schau, allein das habe ich gefunden: Gott hat den Menschen aufrichtig gemacht; aber sie suchen viele Künste.“ Oder in der Einheitsübersetzung: „Sieh nur, was ich gefunden habe: Gott hat die Menschen recht gemacht. Sie aber haben sich in allen möglichen Berechnungen versucht.“ Oder bei Fröhner: „Trotz ällem muess i sage: Dr Mensch wär scho recht – er macht sich bloß schlecht.“

◼Wer unterschiedliche Bibelübersetzungen vergleichen will, kann das auf dieser Internetseite machen: www.diebibel.de

Buch-Tipp

 

Ulrich Fröhner: https://buchhandlung-eva.de/s-isch-alles-nix-secht-dr-lehrer.html’s isch älles nix, secht dr Lehrer. Dr Prediger Salomo uf schwäbisch. Baier Verlag 2020, 52 Seiten, 12 Euro.

Dieses Buch erhalten Sie bei unserem Bestelltelefon 0711-60100-28 oder bei unserer Internetbuchhandlung unter www.buchhandlung-eva.de

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