Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sahnehäubchen des Lebens - Interview mit Margot Käßmann

Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland sind Großeltern. Margot Käßmann ist eine von ihnen. Die Theologin hat sieben Enkelkinder im Alter von zwei bis zehn Jahren. Über das große Glück, Oma zu sein, aber auch über mögliche Konflikte und darüber, wie sie ihren Enkeln den Glauben näherbringt, spricht sie mit Gemeindeblatt-Chefredakteur Tobias Glawion.

Gemeinsam Zeit zu verbringen, das freut Großeltern und Enkel gleichermaßen. Foto: adobe stock/ New AfricaGemeinsam Zeit zu verbringen, das freut Großeltern und Enkel gleichermaßen. Foto: adobe stock/ New Africa

Frau Käßmann, können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Sie das erste Mal erfahren haben, dass Sie Oma werden?

Margot Käßmann: Oh ja, das war ein ganz besonderer Moment, als meine älteste Tochter beim Weihnachtsessen der Familie bekanntgab, dass sie schwanger ist. Da kamen mir wirklich die Tränen. Und als ich dann Monate später, am Tag nach der Geburt, im Krankenhaus war und ich dieses kleine Wesen auf dem Arm hatte und realisiert habe, dass das jetzt das Kind meines Kindes ist, das hat mich wirklich sehr bewegt.

Ist das anders als beim ersten eigenen Kind?


Margot Käßmann: Komplett anders. Senta Berger hat mal gesagt: „Enkelkinder sind das Dessert des Lebens.

Du bekommst so ein Sahnehäubchen obendrauf, ohne dass du die Geburtswehen mitmachen musst. Oder die schlaflosen Nächte.“ Als Omi bin ich diejenige, die zu Besuch kommt. Die Geschenke mitbringen kann. Mit der du als Enkelkind besondere Zeit verbringst, wie du das mit den Eltern vielleicht nicht kannst, weil die Eltern nebenbei arbeiten müssen und 1000 andere Sachen zu tun haben. Ich kann mir die Zeit nehmen, diese Momente zu genießen, und das ist ganz wunderbar.

Bei allen wunderbaren Momenten kann es aber beim Besuch auch zu Konflikten zwischen Eltern und Großeltern kommen, weil die Vorstellungen von Erziehung und Regeln unterschiedlich sind.

Margot Käßmann: Da gibt es natürlich Konfliktpotenzial. Das höre ich auch von anderen Omas und Opas. Für mich ist aber klar: Wenn ich zu Besuch bin, dann muss ich mich den Regeln anpassen, die vor Ort gelten. Meine Schwester hat mal gesagt: schenken, schlucken, schweigen, wenn du zu Besuch kommst. Wenn die Kinder und Enkel aber bei mir sind, dann gelten eben meine Regeln. Und bei mir gibt es dann auch mal Gummibärchen oder zum Frühstück Nutella, ob das jetzt zu Hause erlaubt ist oder nicht.

Auch das Thema Glaube kann in manchen Familien schnell zum Streitpunkt werden. Dürfen denn Oma und Opa den Enkeln von ihrem Glauben erzählen?

Margot Käßmann: Zum Glück ist es bei uns in der Familie so, dass alle evangelisch sind und die Eltern diese Tradition auch gerne an ihre Kinder weitergeben. Aber ich wünsche mir sehr, dass auch Eltern, die nicht religiös gebunden sind, ihren Kindern die Freiheit lassen, das zumindest bei den Großeltern kennenzulernen. Nach meiner Erfahrung haben Kinder ohnehin viele religiöse Fragen: Warum gibt es Leid in der Welt? Warum sterben Menschen? Was ist mit meinem Hamster passiert? Mein eigener Enkel hat mich neulich unvermittelt gefragt: „Omi, du hattest doch auch eine Mama, wo ist die jetzt eigentlich?“ Und da ist es gut, wenn es Antworten gibt.

Sie haben Ihre Enkel auch alle selbst getauft. Warum war Ihnen das wichtig?

Margot Käßmann: Ich bin sehr dankbar, dass meine Töchter und Schwiegersöhne alle gesagt haben: Wir wollen, dass unser Kind getauft wird! Denn viele Eltern sagen heute: Ich lass das Kind nicht taufen, weil es mit 14 Jahren lieber selbst entscheiden soll, ob es zum Christentum gehören möchte. Ich finde das schade, denn wir geben unseren Kindern doch unsere Sprache, unsere Kultur, unsere Werte mit ins Leben. Warum dann nicht auch den Glauben, der uns Halt und Haltung gibt? So können sie dann mit 14 wahrhaftig selbst entscheiden, ob das der Glaube ist, den sie für sich so annehmen wollen oder nicht.

Was ist Ihnen in der Beziehung zu Ihren Enkeln wichtig?

Margot Käßmann: Das Wichtigste für mich ist, regelmäßig Zeit mit ihnen zu verbringen. Denn wenn die Enkel mal 14, 15 sind, ist Omi vielleicht nicht mehr ganz so interessant. So kann ich bereits jetzt eine gute, vertrauensvolle Beziehung aufbauen, die dann auch hoffentlich die Pubertät gut übersteht. Aktuell liebe ich es aber vor allem, mit den Enkelkindern zu lesen, ihnen vorzulesen und in Bilderbüchern zu schmökern. Und wir nehmen uns viel Zeit, um raus in die Natur zu gehen.

Margot Käßmann ist leidenschaftliche „Omi“. Foto: Julia Baumgart photographyMargot Käßmann ist leidenschaftliche „Omi“. Foto: Julia Baumgart photography

» Die Jugend muss auch rebellieren «

Was aber, wenn die lieben Kleinen mal älter werden und statt Bilderbücher zu lesen lieber Playstation spielen wollen?

Margot Käßmann: Das müssen sie dann mit anderen spielen. Aber ich habe unlängst das Spiel Backgammon geschenkt bekommen und habe gedacht, das will ich unbedingt mit meinen Enkeln ausprobieren. Und siehe da, es war ein echter Volltreffer. Wir haben das viele Abende miteinander mit großem Spaß gespielt. Generell finde ich das Spielen von Gesellschaftsspielen großartig. Aber bei Playstation und Computerspielen bin ich leider raus. Sorry, liebe Enkel und Enkelinnen, dafür bin ich echt zu alt.

Apropos zu alt. Wie wird denn Ihre Reaktion sein, wenn die süße Enkelin irgendwann mal mit grünen Haaren und dem ersten Bauchnabelpiercing bei Ihnen auftaucht?

Margot Käßmann: Ach, das habe ich schon bei der Generation meiner Kinder erlebt. Ich denke, da bin ich bei den Enkeln genauso gelassen. Die Jugend muss auch rebellieren. Es wäre merkwürdig, wenn alle nur angepasst wären. Und wenn jetzt neongrüne Haare im Irokesenschnitt gerade die Protesthaltung ausdrücken, dann meinetwegen. Das finde ich nicht so schlimm.

Sie haben vorhin davon gesprochen, dass sie vielleicht als Oma irgendwann nicht mehr so interessant für die Enkel sind und weniger Zeit miteinander haben. Was dann?

Margot Käßmann: Wir dürfen als Großeltern nicht meinen, dass uns die Enkel die Zeit, die wir in sie investiert haben, irgendwann zurückzahlen müssen. Jeder Mensch, auch wenn er älter wird, sollte seinen eigenen Freundeskreis aufbauen. Natürlich freue ich mich, wenn sich meine Enkel später Zeit für mich nehmen. Aber wenn die Enkel dann irgendwann keine Zeit mehr für mich haben, weil Omi „out“ ist, ist das auch okay.

In Psalm 145,4 heißt es: „Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten würdigen.“ Was wünschen Sie sich, wie ihre Enkel sie in Erinnerung behalten?

Margot Käßmann: Wenn meine Enkelkinder sagen würden: „Ach, mit Omi war ich immer gerne zusammen, das hat Spaß gemacht!“ Dann wäre ich schon sehr zufrieden. □

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