Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schatten, Ruhe und Frieden

HEILBRONN – Gut zwei Monate läuft die Bundesgartenschau (Buga) in Heilbronn nun schon. Zeit für einen ­Besuch im Kirchengarten, wo aus Apfelblüten kleine Äpfel geworden sind. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum die Besucher hier Rast machen und ihrer Seele eine Auszeit gönnen. 

Rote Rosen. Die Bundesgartenschau ist eine Augenweide und eine Bienenweide. (Foto: Andreas Steidel)


Kurz vor zwölf läutet die Glocke. Es ist eine kleine Glocke mit nur 45 Zentimetern Durchmesser. Extra für die Bundesgartenschau in Heilbronn wurde sie gegossen, nun hängt sie in einem hölzernen Spitzbogen am Eingang des Kirchengartens.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Bernd Philipp zieht an ihrem Seil. Zwei Minuten lang läutet es, ein ganz anderer Klang als der, den man hier sonst vernimmt. Es ist das Zeichen für den Mittagsimpuls, jeden Tag um 12 Uhr sind die Besucher dazu eingeladen. Glöckner Philipp wird die Andacht gestalten, er ist an diesem Tag einer der Ehrenamtlichen, die hier Dienst tun.

Rund 20 Gäste haben auf den Stühlen Platz genommen. Sie haben Liederbücher in der Hand, lindgrüne Hefte, die eigens für die Bundesgartenschau gedruckt wurden. Dahinter verfolgt etwa die gleiche Anzahl von Menschen mit mehr oder weniger großen Abstand die Gebetsstunde. Manche liegen in den Ruhekissen, andere sitzen an dem langen Tisch, wieder andere stehen.Das ist das Besondere an den kleinen Gottesdiensten auf der Bundesgartenschau: Dass sie so offen sind, dass man seinen eigenen Abstand wählen kann, dass es kein eindeutiges Drinnen oder Draußen gibt. „Viele wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden“, sagt Bernd Philipp, „es ist nicht so, dass hier die meisten mit einem Gesprächswunsch kommen“.

Bernd Philipp ist einer von etwa 200 Ehrenamtlichen, die den Kirchengarten betreuen. Er gehört der evangelischen Nikolaigemeinde in Heilbronn an, ist dort Kirchengemeinderat und Prädikant. An diesem Vormittag sind Hans-Peter Schneider und Eberhard Schmid von der Neuapostolischen Kirche seine Kollegen. Auch die Katholiken, Methodisten, Baptisten und Syrisch-Orthodoxen sind mit von der Partie. Der ­Kirchengarten ist eine ganz und gar ökumenische Angelegenheit und der Organist an diesem Tag katholisch: Martin Kaletta greift in die Tasten, begleitet Lieder wie „Ich singe dir mit Herz und Mund“ und „Vertraut den neuen Wegen“.

Exakt 15 Minuten dauert die Andacht, dann gehen die Besucherinnen und Besucher wieder ihres Weges. Zwei Frauen aus Schwäbisch Gmünd verweilen noch ein bisschen, haben die Pause in die Mitte ihres Gartenschautages gelegt. „Einfach herrlich“, sagt die eine, die nur wegen ihrer Freundin überhaupt mitgekommen ist. Nun will sie gar nicht mehr gehen, genießt die Ruhe, den Frieden und natürlich den Schatten.

Besonders an heißen Tagen ist der Kirchengarten ein beliebter Aufenthaltsort. Neben den neuen Bäumen gibt es hier sogar ein paar alte, ein großes weißes Zeltdach sorgt zusätzlich für einen Sonnenschutz. Mit rund 1000 Quadratmetern ist so viel Platz, dass man sich nicht auf den Füßen herumtritt.

Manche spazieren um die kleinen Apfelbäume herum, die nun erste Früchte tragen. Andere bedienen den Blasebalg einer Orgelpfeife, mit der sie Töne erzeugen können. Ein großer langer Tisch lädt ebenso zum Verweilen ein wie eine Brunnenschale. Und dann gibt es da noch die Sprüche aus der Bibel, die einem überall begegnen: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, „Du sättigst alles, was lebt“, „Bei dir ist die Quelle des Lebens“.

Es ist kein Zufall, dass viele der Bibelverse mit Essen und Trinken zu tun haben. „Leben schmecken“ heißt das Motto des Kirchenauftritts auf der Bundesgartenschau, ein riesiger Löffel in der Mitte steht dafür ebenso wie die vielen kleine Löffel, die überall auf den Stellwänden abgebildet sind. Auf einer Schreibtafel darf man sich verewigen und die Frage beantworten, wie das Leben schmeckt: „Sauer und lustig“ findet einer, während ein anderer nur meint: „Sei frech, wild und wunderbar“.

Der Kirchengarten ist Teil jenes „Inzwischenlandes“, das nach dem Ende der Bundesgartenschau bebaut werden wird. Ein neuer Stadtteil für 3500 Menschen, von denen 1000 schon jetzt auf dem Buga-Gelände leben.

Früher war das Buga-Areal eine Hafenbrache, ein Schandfleck mitten in der Stadt, der schon lange seine Funktion verloren hatte. Die idealen Voraussetzungen für einen Neuanfang, ohne dass dabei die Geschichte des Geländes ausgeblendet werden muss: Überall stehen große Bildtafeln, die zeigen, wie der jeweilige Bereich vorher aussah.

Überdies können die Besucher eine alte Schleusenanlage bestaunen, einen verrosteten Lastkahn besichtigen sowie natürlich Schiff fahren. Wie ein dunkelblaues Band durchzieht der Alt-Neckar die Gartenschau, an drei Haltestellen heißt es: Bitte einsteigen!

Für eine komplette Saison wurde das Rheinschiff „Willy Schneider“ gechartert. Es pendelt im 45-Minuten-Takt vom Hafenplatz zur Alten Reederei und zum Campus. Was offiziell als „Shuttle“ fungiert, als Wassertaxi, ist längst eine Attraktion für sich. Proppenvoll ist „Willy Schneider“ jedes Mal, die Leute benutzen die Transporthilfe wie einen Ausflugsdampfer.

Doch auch für Fußgänger ist die Bundesgartenschau keine größere Herausforderung. Mit 40 Hektar Fläche ist sie eine der kleinsten Bundesgartenschauen aller Zeiten. Fast immer spaziert man dabei am Wasser entlang, denn auch zwei der alten Hafenbecken sind zu Seen umgewandelt worden. Sogar einen richtigen Badeplatz gibt es dort, mit Sandstrand und Sonnenschirmen. Gleich daneben entfalten sich Rasenwellen, die einer Dünenlandschaft gleichen.

Selbstverständlich gibt es auch Blumen auf der Bundesgartenschau, auch wenn man den Eindruck hat, dass deren Präsenz eine immer geringere Rolle spielt. Es blüht dennoch allerorten, alleine 23 wechselnde Blumenschauen stehen auf dem Programm. Der kugelrunde lila Riesenlauch ist ein Paradies für Bienen, unzählige Rosenarten ziehen die Blicke in Bann.

Man muss seinen Besuch auf der Buga schon genau planen, wenn man rumkommen will. Am wenigsten Planung erfordert der Kirchengarten. Die Andacht um 12, zweimal in der Woche ein Abendgebet, der Rest darf einfach so passieren. Eine Auszeit für Leib und Seele, bei der man sich berühren lassen darf. Von Menschen, Pflanzen und dem Wort Gottes, das wie eine Frucht am Baum des Lebens hängt.


INFO:

Kirche auf der Buga: Der Kirchengarten liegt im „Inzwischenland“, unweit des Eingangs „Innenstadt“, der wiederum auch der nächste zum Hauptbahnhof ist. Täglich außer sonntags findet um 12 Uhr ein Mittagsgebet statt, an Sonntagen gibt es um 11 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst auf der Fährle-Bühne. Mittwoch und Sonntag wird außerdem um 18 Uhr ein Abendgebet im Kirchengarten angeboten. Informationen unter Telefon 0176-20147651, Internet: www.kirche-buga2019.de

Die nächsten Veranstaltungen: Am 30. Juni findet Teil zwei des Landesmissionsfests auf der Buga statt. Bis 14. Juli ist eine Nachhaltigkeitsausstellung im Kirchengarten zu sehen. Im Juli tritt ein deutscher und mexikanischer Jugendchor auf (7. Juli, 11 Uhr Gottesdienst, Fährlesbühne; 13. Juli, 18 Uhr Kirchengarten).

Auskunft: Die Bundesgartenschau geht bis 6. Oktober. Der Eintritt kostet 23 Euro für Erwachsene, Kinder bis 15 Jahre sind frei. Weitere Informationen unter Telefon 07131-2019, Internet: www.buga2019.de

Hinweis: Gemeindeblatt-Leser haben im Januar ein Gutscheinheft mit Rabatten für die Buga bekommen.

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen