Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schlüsselkompetenz Liebe - Impuls zur Predigt

2. Timotheus 1,7.10 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. [Die Gnade] ist offenbart durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

Schlüsselkompetenz Liebe

Impuls für den 16. Sonntag nach Trinitatis: 2. Timotheus 1,7-10.

Von Antje Fetzer

Die promovierte Theologin Antje Fetzer ist Pfarrerin in Waiblingen und Landessynodale für Waiblingen und Backnang. Foto: Chris Spath

 

Die promovierte Theologin Antje Fetzer ist Pfarrerin in Waiblingen und Landessynodale für Waiblingen und Backnang. Foto: Chris Spath

Wie der 2. Timotheusbrief erzählt, schreibt Paulus aus dem Gefängnis. Der Briefanfang ist wunderbar poetisch. Zwei Gedanken stehen einander gegenüber wie Brennpunkte einer Ellipse. Zum einen der kraftvolle, weil realistische Trost: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Die Situation wird nicht beschönigt. Dass Paulus im Gefängnis sitzt, ist bedrohlich, aber es definiert nicht das Leben der Beteiligten. Zum anderen ist da die tiefe Auferstehungshoffnung: „Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht.“ Im Kraftfeld dieser beiden Brennpunkte entsteht eine dichte Beschreibung des Mutes, der aus dem Glauben kommt.

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Nicht umsonst haben wir dieses Wort während der schwersten Corona-Tage im Herzen gehabt. Unser menschliches Grundanliegen ist es, der Furcht standzuhalten.

Die Welt um uns herum ist ja allenthalben zum Fürchten. Die Erde heizt sich auf. Bei uns wird das Wasser knapp, in anderen Weltgegenden steht es den Inselbewohnern bis zum Hals. Nicht zu reden von dem Virus, das uns in Atem hält und nicht das letzte gewesen sein wird. Furcht wühlt uns innerlich auf und greift unsere Standfestigkeit an. Wo Furcht ist, da wird Liebe plötzlich schwer. Freundschaften werden schal, wo Nähe eine potenziell tödliche Angelegenheit ist. Vorsichtiges Abwägen tritt an die Stelle spontaner Zuneigung. Der unterschiedliche Umgang mit Hygieneregeln wirft neue Fragen auf: Darf ich hereinkommen? Mit oder ohne Mund-Nasen-Schutz? Bin ich angenehm oder störend? Solche Fragen bewegen uns.

Der 2. Timotheusbrief ist kein theologisches Traktat über Ideale. Die Bedrohung ist nicht vage, sondern ganz real. Paulus hofft inständig, dass Timotheus ihn im Gefängnis besuchen wird. Gefangen zu sitzen hieß in der Antike, ganz auf die Menschen draußen angewiesen zu sein. Nahrung mussten die Besucher mitbringen. Und natürlich erhofft sich Paulus seelischen Beistand. Seinen Brief beginnt er aber anders. Er geht zuerst auf Timotheus ein. Er gibt Trost, wo er selbst Trost braucht. Paulus weiß, dass Trost keine Einbahnstraße ist.

Schlüsselkompetenzen: Kraft, Liebe und Besonnenheit

Kraft, Liebe und Besonnenheit sind die drei wichtigsten Vermögen, die wir der Furcht entgegensetzen können. Die Kraft hilft uns, zu handeln und nicht nur untätig da zu sitzen. Die Liebe sammelt alle Kräfte, die uns zu Gebot stehen und schenkt sie dem geliebten Wesen in Not. Und die Besonnenheit? Sie ist das Quäntchen Rationalität, das uns auch in der akutesten Bedrohung bleibt. Es hilft uns, nicht in Panik zu verfallen und eröffnet neue Perspektiven.

Paulus spricht hier nicht nur von unseren eigenen Kräften. Kraft, Liebe und Besonnenheit charakterisieren vielmehr den göttlichen Geist, der uns erfüllt. Paulus setzt seine Hoffnung in Jesus, der dem Tod die Macht genommen hat. Alles, was uns wirklich das Fürchten lehren könnte, wird durch ihn entmachtet. Hitze, Dürre, Überschwemmung, Krankheit – sie alle verlieren ihren Schrecken, wenn der Tod als ultimative Bedrohung nicht mehr verfängt.

Die Schlüsselkompetenz dafür ist die Liebe. In ihr sind wir ganz eins mit Gott. Üben wir uns in der Liebe, dann gleitet jede Furcht an uns ab.

 

Briefkasten. Foto: Markus Spiske/UnsplashBriefkasten. Foto: Markus Spiske/Unsplash

 

Gebet

Gott, wir bitten dich um ein liebevolles Herz.

Öffne unseren Horizont. Inspiriere unsere Fantasie.

Mach uns widerständig gegen die Furcht und alles, was kleinmacht.

Lass uns da sein für die, die uns brauchen.

Amen.

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