Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schneeflöckchen Weißröckchen

Von der „Stillen Nacht“ aus dem Salzburger Land bis zu Paul Gerhardts „Ich steh an deiner Krippen hier“: Weihnachtslieder haben ihren festen Platz unter dem Christbaum und häufig eine bewegte Geschichte, die Ausdruck eines sich stetig wandelnden Zeitgeistes ist.



Alpenidylle im Berchtesgadener Land: In vielen Weihnachtsliedern rieselt leise der Schnee. (Foto: epd-bild)


Erst der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz machte daraus 1824 ein Weihnachtslied, strich die Magd und fügte zwei neue Strophen hinzu. Nur die „treuen Blätter“ blieben lange noch erhalten. Sie sollten erst Jahrzehnte später begrünt werden, nachdem wohl keiner mehr so recht begriff, was es mit ihnen auf sich hatte.

Es weihnachtete sehr in den Wohnzimmern des 19. Jahrhunderts. Die Glöckchen klingelten süßer denn je und draußen durften Schneeflöckchen mit weißen Röckchen leise vor sich hinrieseln. Erinnerungen an die Kindheit wurden wach und die Kinder nun selbst die Adressaten der Weihnachtslieder: Lehrerinnen und Lehrer entdeckten Weihnachten für ihre pädagogischen Zwecke und schrieben den Schülern Weihnachtlich-Erbauliches ins Gesangbuch. Wer den richtigen Ton traf, konnte damit schnell die Kinderherzen erobern.

1811 veröffentlichte der katholische Pfarrer Christoph Schmid in der Nähe von Augsburg das Weihnachtsgedicht „Die Kinder bey der Krippe“. Franz Xaver Luft vertonte es 1837, mit mäßigem Erfolg. Erst eine völlig andere Melodie des Komponisten Johann Abraham Schulz und ein neuer Titel machten es bekannt: Bis heute ist „Ihr Kinderlein, kommet“ (Evangelisches Gesangbuch 43) eines der beliebtesten Weihnachtslieder überhaupt und seine heiter, beschwingte Melodie so populär, dass in Island dazu ein Sommerlied gesungen wird.

Natürlich ging es an Weihnachten schon immer auch ums Schenken. All die schönen Gaben! Dabei wandelten sich die Gepflogenheiten erheblich, mit Folgen für die Weihnachtslieder, die sich ausdrücklich der Bescherung annahmen. „Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben.“ Das ging ja noch, doch was der Dichter Hoffmann von Fallersleben 1835 außerdem folgen ließ, schaffte es nicht mehr in die Wohnzimmer der Gegenwart: „Trommel, Pfeife und Gewehr, Fahn und Säbel und noch mehr, ja ein ganzes Kriegerheer, möchte ich gerne haben.“

Fast nichts blieb von der kämpferischen Originalversion übrig, nach der Entmilitarisierung im 20. Jahrhundert durch Hilger Schallehn ging es nur noch um „bunte Lichter, Silberzier, Kind und Krippe, Schaf und Stier“. Original-Dichter August Hoffmann von Fallersleben hatte übrigens neben diesem Lied auch noch „Fröhliche Weihnacht überall“ und 500 andere Kinderlieder geschrieben sowie den Text der heutigen deutschen Nationalhymne.

Das älteste überlieferte deutsche Weihnachtslied geht auf das 11. Jahrhundert zurück. „Nun, sei willkommen Christ, du Held“ stammt vom Niederrhein und wurde dort in der Christnacht angestimmt. Wie viele der ganz alten Lieder kennt es heute kaum noch jemand. Das gilt nicht für das 1535 entstandene „Vom Himmel hoch da komm ich her“. Kein geringerer als der Reformator Martin Luther war der Autor. Nur bei der ersten Strophe hatte er sich eines alten Spielmannsliedes bedient („Ich komm aus fernen Landen her und bring euch viel der neuen Mär“) und es für seine Kinder umgeschrieben.

Zu den bedeutendsten Liedtextern aus dem Lager der Reformation gehört der evangelische Theologe Paul Gerhardt. Unter seinen 26 Kirchenliedern, die es ins evangelische Gesangbuch geschafft haben, sind auch zwei bekannte Weihnachtslieder: „Fröhlich soll mein Herze springen“ (EG 36) und „Ich steh an deiner Krippen hier“ (EG 37). Kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg machte er den Menschen damit neue Hoffnung.

Bei einer Umfrage unter den Lesern des Evangelischen Gemeindeblattes sind beide Lieder zusammen mit „O du fröhliche“ (siehe auch Seite 6) ganz vorne gelandet: „Ich steh an deiner Krippen hier“ sogar auf Platz eins, „Fröhlich soll mein Herze springen“ auf Platz drei der Liste der beliebtesten Weihnachtslieder.

„Ich steh an deiner Krippen hier“ hat durch eine Vertonung von Johann Sebastian Bach im 18. Jahrhundert eine fast volkstümliche Verbreitung gefunden. Es wird sogar von katholischen Gläubigen gesungen und ist Ausdruck von Paul Gerhardts weit über die Konfessions- und Epochengrenzen hinaus gehenden Wirkung.

Die Zeiten überdauert hat auch „Es ist ein Ros entsprungen“ (EG 30). 20 Strophen hatte das 1599 getextete Erzähllied im Original, die dann mehrfach variiert wurden, je nachdem ob die Verfasser evangelischen oder katholischen Glaubens waren. Im Kriegswinter 1943 gab es sogar eine nationalsozialistische Version, in der die Volksgemeinschaft beschworen wurde.

Nur wenige der beliebtesten Weihnachtslieder sind jüngeren Datums. Zu diesen Ausnahmen gehört das von der Österreicherin Maria Ferschl 1954 verfasste „Wir sagen euch an den lieben Advent“ (EG 17). Ein Kinderklassiker ist längst auch Rolf Zuckowskis „Weihnachtsbäckerei.““1987 machte der Sänger seine Plätzchenbackverse in der Fernsehsendung „Wetten dass?“ bundesweit bekannt.

All diese Möglichkeiten gab es in der Zeit von „Stille Nacht, heilige Nacht“ (EG 46) noch nicht. Als es 1818 entstand, ahnte noch niemand, dass es einmal das am weitesten verbreitete Weihnachtslied der Welt werden würde. Viele Jahre lang hatten die Verfasser nichts von ihrem Erfolg mitbekommen. Erst 1854 fand man den 67-jährigen Komponisten Franz Xaver Gruber im Salzburger Land, der Texter Joseph Mohr war da bereits tot. Heute wird „Stille Nacht“ von zwei Milliarden Menschen weltweit gesungen. Es gibt sogar einen Verein, der sich der Erforschung des Liedes widmet.

Es weihnachtet eben noch immer sehr in den Wohnzimmern der Menschen, auch im 21. Jahrhundert.

Was es an den christlichen Festen im Jahr
wirklich zu feiern gibt:

Uwe Metz
Weihnachtsmann Osterhase ...
alles nur Schokolade?

Edition Evangelisches Gemeindeblatt
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