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Schönbuchturm, Attraktion mit Weitblick (25) - Schöne, informative Wanderwege

HERRENBERG – Der Schönbuchturm ist eine Attraktion mit Weitblick. Dank seiner Konstruktionsweise darf er auch zu Corona-Zeiten bestiegen werden. In seiner Umgebung gibt es viele schöne Wanderwege, durch Streuobstwiesen und die Altstadt von Herrenberg.

Altstadt Herrenberg. Foto: Andres SteidelAltstadt Herrenberg. Foto: Andres Steidel

Für Oma Gerda, den lieben Sohn Paul, die Stadtwerke in Sindelfingen oder die Bauhütte der Stiftskirche in Herrenberg: Fast jede der 348 Stufen des Schönbuchturms hat einen Paten, gut lesbar eingraviert in den Stahl der Wendeltreppe. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte lieber nicht so genau hinschauen, denn zwischen den Stufen sieht man senkrecht in die Tiefe.

2018 wurde der Schönbuchturm bei Herrenberg vollendet. Mit Hunderttausenden von Spendengeldern und Gesamtkosten von 1,5 Millionen Euro. Ein filigranes Bauwerk in Kelchform auf der Spitze einer renaturierten Mülldeponie. 35 Meter hoch, drei Aussichtsplattformen, getragen von acht Lärchenholzstreben. Wer sich dabei an den Killesbergturm in Stuttgart erinnert fühlt, liegt nicht falsch, die gleiche Ingenieursfirma hat ihn konstruiert.

Den Schönbuchturm zu besteigen ist ein Erlebnis und zwar ein komplett kostenfreies. Er bekrönt den Stellberg, die zweithöchste Erhebung des Naturparks Schönbuch. Zwei gegenläufige Wendeltreppen erschließen ihn, eine führt hoch, die andere runter.

Das ist vor allem in Corona-Zeiten praktisch. Selbst im strengen Lockdown hat er geöffnet, auch weil es keine geschlossenen Räume gibt. Das Tragwerk liegt offen und die Haare der Besucher wehen im Wind. Man schnauft ein wenig, wenn man oben ankommt, aber der Ausblick lohnt sich. Wer sein Fernglas vergessen hat, ärgert sich zu Recht.

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Von oben sieht man die Traufkante der Schwäbischen Alb, den Sendemasten auf der Schwarzwälder Hornisgrinde, den Fernsehturm in Stuttgart, die Dörfer des Schönbuchs und des Heckengäus. Am deutlichsten erkennbar ist Gärtringen, es liegt in ganzer Breite vor dem Auge des Betrachters.

Der Schönbuch ist der älteste Naturpark in Baden-Württemberg, 1972 gegründet. Einst war er königliches Jagdgebiet und herzogliches Holzreservoir, so blieb er jahrhundertelang von allzu großen Eingriffen verschont. Heute ist er ein Rückzugsraum für die Natur und den Menschen, eine Wandergegend mit vielen schönen Wegen.

Schönbuchturm. Foto: Andreas SteidelDer Schönbuchturm liegt am Südwestrand der Region, dort wo die Landschaft steil ins Ammertal abfällt. So gibt es, wie auf der Schwäbischen Alb, eine kleine Steilkante, weshalb ein Wanderweg dort auch den Namen „Landtour am Schönbuchtrauf“ trägt. Sie beginnt am Waldfriedhof, gleich gegenüber dem Parkplatz am Aussichtsturm.

Es ist eine zehn Kilometer lange Rundwanderung, die erst durch den Wald führt und dann entlang der Streuobstwiesen. Die Dörfer Kayh und Mönchberg sind umgeben von Zwetschgen-, Kirschen- und Apfelbäumen. Bis in den Winter hängen die letzten roten Äpfel auf den Bäumen, ein Duft von Fallobst begleitet die Wanderer auf ihrem Weg.

Die Aussicht ist idyllisch, Ziegen meckern auf einer Dorfwiese, der alte Ortskern von Mönchberg ruht malerisch auf einem Hügel. Wenn nur nicht der Lärm der nahen A81 wäre, deren Fahrgeräusch wie ein permanentes Bienenbrummen in der Luft liegt. Man kann den Weg mehrfach abkürzen, vom Mönchberger Sattel, dem Schützenhaus oder dem Grafenberg nach unten steigen und zurückgehen. Im Winter sind die Waldwege oft matschig, wogegen das Stück am Hang einen recht stabilen Untergrund hat.

Vor allem am Wochenende sind sehr viele Menschen unterwegs, leider immer wieder auch Mountainbiker, die die Wanderwege umpflügen. Wer es einrichten kann, geht am besten unter der Woche wandern. Praktischerweise liegen am Schönbuchturm kostenlose Wanderkarten aus.

Malerisch am Hang entlang

Ein zweiter lohnenswerter Weg führt vom Parkplatz am Aussichtsturm nach Herrenberg. Es ist eine beschauliche Runde auf überwiegend asphaltiertem Untergrund. Man startet direkt am Naturfreundehaus und folgt der Beschilderung in Richtung Schlossberg-Plateau.

Die Strecke ist identisch mit dem Martinus-Pilgerweg, erkennbar am gelben Kreuz auf rotem Grund. Er ist zwar eine katholische Erfindung, die Ökumene am Wegesrand jedoch so weit gediehen, dass dort 2017 konfessionsübergreifend eine Luther-Eiche gepflanzt wurde.

Streuobstwiese mit Blick über den Schönbuch. Foto: Andreas SteidelStreuobstwiese mit Blick über den Schönbuch. Foto: Andreas Steidel

Die Tour führt durch den Wald und bald hinaus in eine offene Wiesenlandschaft mit Blick auf Herrenberg. Von seiner Burg sind noch ein paar romantische Mauerreste erhalten sowie ein Plateau mit viel Platz und Aussicht. Ein schöner Ort, um zu rasten und den Blick schweifen lassen, der entlang der Stadtmauer hinunter zur Stiftskirche geht.

In wenigen Minuten ist man unten bei ihr. Ein wuchtiges Monument mit einem Kirchturm, der vermutlich die größte Glockenlast des Landes trägt, weil dort nämlich ein Glockenmuseum untergebracht ist. Das hat in Corona-Zeiten geschlossen, die Stiftskirche jedoch ist offen. Besucher dürfen im Altarraum sogar Kerzen entzünden.

Es lohnt sich, für die Altstadt von Herrenberg ein wenig Zeit einzuplanen. Durch seine pittoresken Fachwerkgassen zu spazieren und die Vielfalt der kleinen Läden zu genießen, wenn auch die Auswahl im Moment stark eingeschränkt ist. Immerhin einen Becher Kaffee gibt’s auf die Hand.

Über die Hildrizhauser Straße geht es zurück zum Parkplatz am Schönbuchturm. Am Ende des bebauten Bereiches biegen die Wanderer in den Bienenlehrpfad ein und gehen rechts der Straße den Hang hinauf. An seinem Fuße sieht man die Autos der A81 im Schönbuchtunnel verschwinden und bald schon auch den Ausgangspunkt am Waldfriedhof. Der lohnt mit seiner parkähnlichen Ausgestaltung ebenfalls einen Besuch. Ein Spiegelbild der heutigen Bestattungskultur mit klassischen Gräberfeldern, Urnenwänden und Friedwaldarealen.

Zum Abschluss würde man nun noch gerne ins Naturfreundehaus einkehren. Eine Idee für bessere Zeiten, wenn nicht nur der Aussichtsturm geöffnet hat.

Der Schönbuchturm liegt an der Verbindungsstraße von Herrenberg nach Hildrizhausen. Es gibt gegenüberliegend große Parkplätze am Naturfreundehaus und am Waldfriedhof. Schöne Wanderungen führen nach Herrenberg zum Schlossbergplateau und am Schönbuchtrauf entlang in Richtung Mönchberg/Kayh. Kostenlose Wanderkarten („Rund um den Turm“, „Landtour Schönbuchtrauf“) liegen am Turm aus. Weitere Informationen unter Telefon 07032-924320 und im Internet: www.schoenbuch turm.de, www.herrenberg.de

Der Turm im Internet: www.schoenbuchturm.de