Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Auf dem Namensweg des Martin von Tours (Teil 8)

ROTTENBURG – Der Martinusweg ist ein katholisches Projekt. Doch auch für Protestanten kann Martin von Tours ein Vorbild sein. Und das Wandern auf seinem Weg ein Gewinn – besonders, wenn man selbst Martin heißt. Eindrücke der Etappe von Rottenburg nach Herrenberg.

Martinusweg. Ausblick über Wendelsheim. Foto: Martin JanottaMartinusweg. Ausblick über Wendelsheim. Foto: Martin Janotta

Es waren die Schilder, die als Erstes meine Neugier weckten. Weinrot mit gelbem Kreuz und der Aufschrift „Martinusweg“. Immer wieder habe ich sie in den vergangenen Monaten beim Wandern gesehen. „Martin, das ist wohl dein Weg, den solltest du mal gehen“, sagten mir Freunde spaßeshalber, wenn wir an ihnen vorbeigingen.

Nun ist es natürlich nicht mein Weg, sondern der des heiligen Martin. Und der Weg beschränkt sich nicht auf die Ecken, an denen ich die Schilder sah. Der Martinusweg, die „Via Sancti Martini“, führt quer durch Europa, von Szombathely in Ungarn, Martins Geburtsort, bis zu seinem Grab im französischen Tours. Über 2500 Kilometer. In Württemberg gibt es zwischen dem oberschwäbischen Tannheim und Schwaigern bei Heilbronn über 20 Etappen auf dem Hauptweg. Dazu fünf Nebenwege. Für die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart ist der Weg wichtig: Martin ist ihr Namenspatron.

Schild zur Martinseiche auf dem Namenweg des Martinus. Foto: Martin JanottaMartinus teilt seinen Mantel. Martinusweg. Foto: Martin Janotta

Lebensweg des heiligen Martinus

Der Martinusweg ist ein eindeutig katholisches Projekt. Doch ist Martin von Tours, neben Nikolaus von Myra, wohl der bekannteste Heilige. Und mit all seinen Bräuchen und Geschichten auch bei Protestanten beliebt, als Vorbild in Glaubensstärke, Bescheidenheit und Mitmenschlichkeit. Für mich persönlich war mein Namensvetter, der Mantelteiler und Bischof von Tours, neben dem nach ihm benannten Martin Luther, schon als Kind eine der faszinierendsten religiösen und historischen Figuren. Sankt Martin auf seinem Pferd hat meine Begeisterung für die antiken Römer entscheidend beeinflusst. Alles Gründe, sich auf seinen Weg zu machen.

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Los geht es an einem sonnigen, heißen Tag im Juli. Das Teilstück des Martinuswegs, das ich mir ausgesucht habe, beginnt in Rottenburg am Neckar. Hier steht der Dom St. Martin. Auch wenn er das Stadtbild prägt, muss ich doch an den Satz denken, den mir einmal ein Stadtführer gesagt hat: „Dem Kirchle hat au koiner gsagt, dass es emol en Dom wird.“ 1806 kam das zuvor österreichische Rottenburg zu Württemberg. Allzu viele mehrheitlich katholische Städte gab es im neuen Königreich damals nicht. Also bekam der Bischof 1828 seinen Sitz in Rottenburg. Und wo ein Bischof ist, ist eben ein Dom.

Martinus selbst begegnet mir erstmals in einem Relief über den Toren des Doms, es ist die berühmte Mantelteilungsszene. Außen am Gotteshaus gibt es eine Tafel, die informiert, dass sich in Rottenburg Martinusweg und Jakobsweg kreuzen. Anfangs folge ich so neben dem Kreuz auf weinrotem Grund auch der Muschel auf blauem. Wie zur Wallfahrtskirche Weggental am Rand Rottenburgs. Aus dem Inneren erklingt Orgelmusik. Doch anhalten will ich erst einmal nicht, ist die Strecke doch lang. 28 Kilometer zwischen Rottenburg und Herrenberg. Ein strammer Tagesmarsch.

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, es geht zwischen Feldern hindurch, vorbei an Pferden, Kühen und Schafen, die Schatten suchen. Und – passend zum Namenspatron des Weges, der sich vor der Ernennung zum Bischof in einem Gänsestall versteckt haben soll – an einer Schar Gänse. Erste Herausforderung ist die Überquerung der B28, über die die meisten Autofahrer pfeilschnell hinwegbrausen.

Durchs hohe Gras geht es dann nach Wendelsheim. Von dort nach oben, in den Wald – bei den Temperaturen eine willkommene Abwechslung. Zur Rast lädt ein Aussichtspunkt mit Blick auf Wendelsheim, seine Weinberge und in der Ferne die Schwäbische Alb. Von dort wandere ich zum „Märchensee“, der mit seinem grünlichen Wasser tatsächlich etwas verwunschen wirkt. Insgesamt ist der Martinusweg gut ausgeschildert. Auch wenn ich an der ein oder anderen Stelle etwas nach den Hinweisen suchen muss. Für die Navigation mit dem Smartphone bietet die Diözese Rottenburg-Stuttgart auch Online-Karten und eine App an, deren Installation allerdings recht aufwendig ist.

Und manchmal ist nach Schildern laufen eben doch das Beste. Sehr schmunzeln muss ich etwa, als ich neben dem inzwischen hinreichend bekannten Martinusweg-Schild eine größere, grüne Tafel erblicke, auf der steht: „Zur Kapelle gohts do nuff.“

Schild zur Martinseiche auf dem Namenweg des Martinus. Foto: Martin JanottaWegweiser. Martinusweg. Foto: Martin Janotta

Gemeint ist mit dem freundlich-schwäbischen Hinweis die Kapelle auf dem Tannenrain, oberhalb von Rottenburg-Oberndorf. Ein hübsches, kleines, steinernes Gebäude mitten im Wald. Ich pausiere dort, ehe ich mich ins Tal aufmache. Auch wenn Oberndorf noch zu Rottenburg gehört, liegt es doch nicht mehr im Neckartal, sondern im Ammertal. Grob dem Verlauf des Flüsschens folge ich nun den Rest des Weges. Zuerst geht es aber nach Poltringen, wo ich froh bin, meine zur Neige gegangenen Wasservorräte wieder auffüllen zu können.

Beim Weiterlaufen Richtung Altingen beschleicht mich das Gefühl, dass der schönste Teil der Strecke wohl schon hinter mir liegt. Es geht die meiste Zeit an der Landstraße entlang. Nach Altingen wird es etwas besser mit dem Autolärm, aber dafür habe ich teilweise das Gefühl, der einzige Fußgänger auf einem Radschnellweg zu sein.

Und dann, nach über 20 Kilometern, winkt das Ziel. Über Herrenberg thront die Stiftskirche. Ein erhabener Anblick – allerdings noch weiter weg als gedacht. Denn der Martinusweg führt erst um die Stadt herum, bevor die Etappe am Bahnhof endet.

Eine lange Wanderung. Doch es lohnt sich, noch ein wenig weiterzulaufen – auch wenn dieser Teil der Strecke schon zur nächsten Etappe des Martinuswegs gehört, die von Herrenberg nach Böblingen führt. Es geht hoch zur Stiftskirche, auf einen Aussichtspunkt und dann noch ein Stück zum „Roten Meer“. Früher war dort ein Teich, der durch roten Sandstein verfärbt wurde, daher der Name. Das ist aber nicht der Grund für meinen Besuch. Auch nicht die imposante Eiche, die dort steht.

Schild zur Martinseiche auf dem Namenweg des Martinus. Foto: Martin JanottaSchild zur Martinseiche auf dem Namenweg des Martinus. Foto: Martin Janotta

Es ist der kleine Baum daneben. Die „Martinseiche“. Gepflanzt am 11. November, dem Martinstag, im Jahr 2017 – dem Jahr des Reformationsjubiläums. Gepflanzt von evangelischer, methodistischer und katholischer Kirchengemeinde. Eine Tafel verbindet mit Text und Bild Martin von Tours und Martin Luther. Gewidmet, so steht dort, ist die Martinseiche dem „geschwisterlichen Miteinander der Kirchen“.

So ist der katholische Weg an diesem Punkt ganz und gar ökumenisch. Und hat für alle, die den Weg laufen – nicht nur die Martins –, noch einen Rat parat: „Gedenke der Zeugen des Glaubens und bleibe selbst ein Pilger auf dem Weg, den Jesus uns in seinem Evangelium gewiesen hat.“ □

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