Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Der Flößerpfad entlang der Kinzig (Teil 9)

LOSSBURG (Dekanat Freudenstadt) – Der Flößerpfad ist eine der schönsten Verbindungen, die es von Loßburg nach Alpirsbach gibt. Unterwegs kann man den Schwarzwald genießen und einkehren. Viele Gebäude und Grenzlinien gehen auf die Mönche von Alpirsbach zurück.

Unterwegs auf dem Flößerpfad: Schwarzwald-Guide Matthias Kober begleitet immer wieder Gäste. Foto: Andreas SteidelUnterwegs auf dem Flößerpfad: Schwarzwald-Guide Matthias Kober begleitet immer wieder Gäste. Foto: Andreas Steidel

In einem dunklen Tannenwald am Ortsrand von Loßburg sprudelt die Quelle. Glasklar ist das Wasser, herrlich erfrischend, umfasst von einer alten Buntsandsteinmauer, die das Wappen des Königreiches Württemberg aus dem Jahre 1904 trägt. Es ist der Ursprung der Kinzig, dem mit knapp 100 Kilometern Länge größten aller Schwarzwälder Nebenflüsse des Rheins.

Die Kinzigquelle in Loßburg ist ein wunderbarer Anfang für eine Wanderung zum Kloster Alpirsbach. Vor 40 Jahren wurde dort ein See angelegt, unlängst ein Landschaftspark namens „Zauberland“. Wenige hundert Meter hinter der Quelle führt eine 60 Stufen steile Treppe einen Waldhang hinauf, sie hat den erhabenen Namen „Himmelsleiter“ bekommen.

Der Luftkurort Loßburg ist ein Ausgangspunkt für vieles. Hier auf rund 700 Meter Höhe entspringt die Kinzig, beginnt der Flößerpfad, der sie begleitet, und der Kinzigtäler Jakobsweg, der über die gleiche Route bis nach Kehl am Rhein weitergeht. An den Rhein zieht von Loßburg auch immer wieder Wanderschäfer Otto Fehrenbacher, einer der letzten seiner Zunft. Jeden Winter, wenn die Schwarzwaldhöhen zuschneien, treibt er seine Tiere ins Tal.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Im Sommer stehen sie auf der Hochweide in Loßburg. Sehr zur Freude der großen und kleinen Schwarzwaldurlauber, die es lieben, die Lämmer zu streicheln. Immer wieder führt „Schwarzwald-Guide“ Matthias Kober Besuchergruppen zur Schafweide, erklärt ihnen die Landschaft und seine Heimat. „Schwarzwald-Guides“ heißen die Landschaftsführer im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, zu dem Loßburg, Alpirsbach und das Kinzigtal gehören. Einer von Kobers Vorfahren war Flößer auf der Kinzig, auf dem Weg entlang des Flusses erzählt er den Gästen aus der Zeit, als es hier noch keine ausgebauten Straßen und keine Eisenbahn gab. Doch auch wer den Flößerpfad alleine geht, bekommt eine Menge mit. Ein dichtes Netz von Informationstafeln am Wegesrand erläutert, wie die Holzfäller einst ihre wuchtigen Stämme aufs Wasser brachten. Vor allem bei großen Tannen war das nicht ungefährlich. Nur wenige Kilometer nach dem Kinzigursprung beförderte der kleine Fluss die ersten Bäume in Richtung Rhein.

Lossburg. Unterwegs auf dem Flößerpfad. Foto: Andreas SteidelLossburg. Unterwegs auf dem Flößerpfad. Foto: Andreas Steidel

Flößerpfad - Gefahr bei den großen Tannen

Der Flößerpfad zwischen Loßburg und Wolfach ist ein gut ausgebauter Talweg, die erste Etappe bis Alpirsbach für viele auch die schönste. Sie begleitet die Kinzig in ihren Anfängen durch eine stille und steile Schwarzwälder Schlucht, in der der Fluss gemächlich den Hang hinabplätschert. Hohe Tannen säumen den Weg, grasgrüne Ufer und moosbewachsene Steine, die im Bachbett liegen. Ein Zitronenfalter setzt sich auf sie, schließt seine Flügel und verharrt im Sonnenlicht.

In der Ferne ist das gleichmäßige Hämmern eines Buntspechts zu hören. Die Verkehrsstraße ist hier weit weg, auch die Eisenbahnlinie, die den Fluss am Anfang begleitet, ist verschwunden. Die ersten Kilometer des Flößerpfads gehören ganz der Natur und denen, die sie genießen wollen. Es ist ein wunderbarer Abschnitt auch für diejenigen, die hier ihre Tour auf dem Jakobsweg beginnen. Immer wieder sieht man die Muschel am Wegesrand, das Symbol der Jakobspilger, die sich in Richtung Spanien aufmachen. Hier im Schwarzwald haben sie noch ihre Ruhe, finden auf den Wegen den himmlischen Frieden, den viele für ihre Seele suchen.

Nach knapp vier Kilometern öffnet sich der Wald. Eine Wiese wird sichtbar und bald auch einer der ersten Höfe im Tal. Ehlenbogen heißt die langgestreckte Siedlung, die die Wanderer nun auf dem Weg nach Alpirsbach begleitet. Sie trägt ihren Namen zu Recht, einem Ellenbogen gleich fließt die Kinzig hier weitschweifig durch die Landschaft.

Das Dorf hat seine mittelalterliche Siedlungsstruktur behalten, besteht im Grunde nur aus einer Ansammlung von Einzelgehöften, die inmitten der Wiesen und Flussauen stehen. Zahlreiche Mühlen klapperten hier früher, an der Lohmühle weist ein Schild auf eine große Forellenzucht hin, die in weitem Umkreis die Gastronomie versorgt.

Fisch durften auch die Benediktinermönche des Klosters Alpirsbach essen. Ab dem Buchbach gehörte ihnen Ehlenbogen, das Dorf war bis 1952 in die Bereiche Unter- und Oberehlenbogen geteilt. Kommunal gehört heute beides zu Alpirsbach, nur die evangelischen Kirchengemeinden haben ihren alten Zuschnitt behalten: Unterehlenbogen ist nach wie vor Alpirsbach zugeordnet, Oberehlenbogen Schömberg.

Flößerpfad bei Loßburg - Bier und Honig aus dem Kloster

Im Vogtsmichelhof saß einst der Vogt des Klosters Alpirsbach. Jetzt ist es eine beliebte Vesperstube, unter dem Dach eines großen Bauernhofes, der sich auf Angusrinder spezialisiert hat. Die stehen allerdings nicht auf der Speisekarte, stattdessen aber Flammkuchen, Fleischkäse mit Ei oder Wurstsalat.

Flößerweg. Vogtsmichelhof. Einkehrstation. Foto: Andreas SteidelFlößerweg. Vogtsmichelhof. Einkehrstation. Foto: Andreas Steidel

Der Vogtsmichelhof ist eine der beliebtesten Einkehrstationen auf dem Flößerpfad (oder Kinzigtäler Jakobusweg, je nachdem, mit welcher Gesinnung oder Zielrichtung man unterwegs ist). Das liegt auch an seinen wunderbaren Liegewiesen und den herrlichen Möglichkeiten, draußen im Freien zu sitzen. Nur wenige hundert Meter weiter bietet die „Untere Mühle“ eine weitere Einkehrmöglichkeit, wer zwischen Loßburg und Alpirsbach an der Kinzig entlangspaziert, muss wahrlich nicht verhungern.

Nach rund zehn Kilometern und etwa drei Stunden Gehzeit ist Alpirsbach erreicht. Der Weg von Loßburg zum Kloster ist eine Halbtagestour. So bleibt noch genügend Zeit übrig, um den Ort zu entdecken. Vor allem die Klosterkirche ist imposant. 55 Meter misst das Langhaus, rund 20 Meter ist es hoch. Ein hochmittelalterliches Gotteshaus, das 2008 um ein bemerkenswertes Stück Inventar ergänzt wurde: die mobile Winterhalter-Orgel, eine skulpturenartige Klangsäule, die auf einem Luftkissen durch den Raum bewegt werdemitmacht, kann auch viel über die Reformationsgeschichte des Klosters lernen: Im 16. Jahrhundert wurde die Abtei aufgelöst und in eine evangelische Klosterschule umgewandelt. Die 1958 zufällig wiederentdeckten Wandzeichnungen der Klosterschüler geben einen seltenen Einblick in das Leben dieser Zeit wieder.

Einer der letzten Prioren des Klosters Alpirsbach, Ambrosius Blarer, sollte später zu einem der führenden Köpfe der Reformation in Württemberg werden. Der Platz gleich neben dem Kloster trägt seinen Namen, das dortige Café am Kloster backt eine Torte, die der Abtei gewidmet ist. Auch das Ambrosius-Bier der Alpirsbacher Brauerei erinnert an den bedeutendsten Mönch und Reformator. Ihren Namen hat die Brauerei der Tatsache zu verdanken, dass sie 1877 in den ehemaligen Klostergebäuden gegründet wurde. Im dazugehörigen Laden bekommt man übrigens auch den Honig des Pfarrers in Alpirsbach. Der ist nämlich ganz wie in alten Zeiten zusätzlich noch Imker.

Klosterkirche Alpirsbach. Foto: Andreas Steidel

Die Wanderung von Loßburg nach Alpirsbach auf dem Flößerpfad ist zehn Kilometer lang. Rückweg mit Bus oder Zug. Der Flößerpfad geht noch bis Wolfach weiter. Mehr im Internet unter www.floesserpfad.de.

Weitere Auskunft: Loßburg Information Kinzighaus, Telefon 07446-950460, Internet: www.lossburg.de oder www.stadt-alpirsbach.de

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen