Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Spirituelles Wandern auf dem Kapellenweg (Teil 16)

OBERSTAUFEN – Acht ökumenische Kapellenwege laden rund um den bayerischen Ort Oberstaufen zum spirituellen Wandern ein. Mitten im Allgäu kann man sowohl in der traumhaften Landschaft als auch in den Kapellen innerlich zur Ruhe kommen.

„Dreiländerblick“ des Kapellenwegs Nummer5: die Kapelle St. Niklaus von Hagspiel. Foto: Brigitte Geiselhart„Dreiländerblick“ des Kapellenwegs Nummer5: die Kapelle St. Niklaus von Hagspiel. Foto: Brigitte Geiselhart

Zugegeben, das Ganze ist schon ein wenig schweißtreibend. Rund 400 Höhenmeter auf einer Gesamtstrecke von etwa neun Kilometern überwinden – nicht gerade ein Pappenstiel. Eine Wasserflasche zur Erfrischung im Rucksack dabeizuhaben, ist also von Vorteil. Aber keine Angst: Jede einzelne Minute wird auf diesem Weg zum Genuss. Schließlich hat man Zeit. Und kann irgendwie nicht genug bekommen vom satten Grün der Almwiesen, der beschaulichen Stille der Wälder, dem melodischen Klang der Kuhglocken – und vom horizontöffnenden Blick in die Allgäuer Bergwelt.

Gelegenheit zur ein oder anderen Rast und zur inneren Einkehr gibt’s genug. Etwa in einer Kapelle, die erst in den 1960ern gebaut wurde, deren Entstehung aber mit einem bereits 1758 gegossenen Glöcklein zusammenhängt.

Spirituelles Wandern  - Allein mit sich und den Gedanken

Der Wanderer befindet sich auf dem ökumenischen Kapellenweg Nummer 5 des Markts Oberstaufen. Startpunkt ist am frühen Morgen bei der Tourist-Info im Ortsteil Steibis auf einer Meereshöhe von 860 Metern. Zunächst geht’s erstmal eine Zeit lang bergauf. Mit jedem weiteren Meter Höhe, der ruhigen Schrittes gewonnen wird, steigt auch die Vorfreude auf all das, was die nächsten Stunden bringen werden. Man ist mit sich und seinen Gedanken weitgehend allein.

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Nach einer guten Stunde ist das 1080 Meter hoch gelegene Hagspiel erreicht. Schon von weitem sieht man die Kapelle des Heiligen Niklaus von Flüe, auch Bruder-Klaus-Kapelle genannt – ein schmuckes Kleinod, das sich wunderbar in die Landschaft einfügt. In ihrem Turm klingt das bereits erwähnte Glöcklein, das 200 Jahre lang vom Dachfirst eines örtlichen Bauernhauses geläutet hat.

„Als die uralte Gemeinschaftssäge des Dorfes Ende der 1950er-Jahre aufgelöst wurde, haben sich meine Eltern mit weiteren Anteilseignern der Säge und anderen Hagspielern einen lang gehegten Traum erfüllt“, erzählt Hanspeter Fink. „Sie haben den Bauplatz für eine neue Kapelle gestiftet und beim Neubau natürlich auch mitgeholfen. Ich war damals erst Anfang 20 und kann mich noch gut erinnern, dass wir zum Beispiel die Grube für das Fundament komplett von Hand ausgegraben haben. Der Zusammenhalt innerhalb unserer Dorfgemeinschaft war immer schon vorbildlich.“

Am 25. September 1965 war es schließlich soweit. Am Gedenktag des Patrons Bruder Klaus konnte die Kapelle eingeweiht werden. Und heute? Die Kapellenpflege hat Hanspeter Finks Cousin Albert Fink übernommen – aber es ist ohnehin eine Selbstverständlichkeit, dass alle Hagspieler sich liebevoll um „ihre“ Kapelle kümmern, in der im Jahresverlauf auch immer wieder gerne Hochzeiten gefeiert werden.

„Dreiländerblick“ direkt beim Gipfelkreuz. Foto: Brigitte Geiselhart„Dreiländerblick“ direkt beim Gipfelkreuz. Foto: Brigitte Geiselhart

„Du führst mich hinaus ins Weite.“ Unter diesem Leitwort in Anlehnung an Psalm 18 sind in Oberstaufen und Umgebung schon vor zehn Jahren acht ökumenische Kapellenwanderwege konzipiert worden, auf denen die Schönheiten und kunstgeschichtlichen Besonderheiten von 29 Kirchen und Kapellen entdeckt werden können. Es sind Wanderrouten, die ganz unterschiedlich angelegt sind. Vom eher beschaulichen, rund drei Kilometer langen entspannenden Spaziergang bis zum 42 Kilometer langen, körperlich herausfordernden „Marathon“ ist für Einsteiger genauso etwas dabei wie für gut trainierte Wanderer. Eines haben aber alle acht Kapellenwanderungen gemein: In landschaftlich traumhafter Umgebung laden sie dazu ein, sich auf den Weg hinaus ins Weite zu machen, sich an Gottes Natur zu erfreuen und innerlich zur Ruhe zu kommen – unterwegs genauso wie beim Besuch der einzelnen Gotteshäuser. „Wir sind überzeugt, dass es allen Christen an Leib und Seele guttut, Wege auf dem Kapellenweg zu gehen und sich von den Kapellen und den in ihnen verborgenen Botschaften inspirieren zu lassen“, beschreibt es das Vorwort des Kapellenführers, der als weiterer Baustein der Ökumene in Zusammenarbeit zwischen den katholischen und evangelischen Gemeinden in Oberstaufen entstanden ist.

Inspiration von den Kapellen - Spirituelles Wandern

Es geht weiter auf dem Kapellenweg Nummer 5. Der Aussichtspunkt „Dreiländerblick“ wird seinem Namen in jeder Hinsicht gerecht. Die Bank beim Gipfelkreuz kommt gerade recht. Und spätestens hier ist man als Wanderer froh, ein gut belegtes Vesperbrot eingepackt zu haben.

„Dreiländerblick“, Kapelle St. Rochus in Schindelberg.Foto: Brigitte GeiselhartKapelle St. Rochus in Schindelberg. Fotos: Brigitte Geiselhart
Kapelle St. Rochus in Schindelberg. Fotos: Brigitte Geiselhart

Fast zu schade, dass man diesen Platz auch irgendwann wieder verlassen muss. Der Weg fällt nun aber leicht, da es ab jetzt fast nur noch bergab geht. Sich in Schindelbergs Ferienhotel „Starennest“ bei Juliane Huber den Schlüssel für die nahegelegene Kapelle St. Rochus auszuleihen, lohnt sich in jedem Fall. Sie wurde im 17. Jahrhundert in Ständerriegelbauweise errichtet und mit einem typisch sechseckigen Dachreiter ausgestattet und birgt verschiedene Schnitzwerke, die alle in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden sind – Gottvater auf den Wolken thronend, einen Auferstehungschristus, eine sitzende Muttergottes, auch die Pestheiligen Rochus und Sebastian. Als Mesnerin ist Juliane Huber in Schindelberg auch Mädchen für alles, wenn es um die Belange der Kapelle geht. „Wenn die Dachrinne kaputt ist oder etwas anderes zu reparieren ist, dann habe ich immer viele verlässliche Helfer“, sagt sie und freut sich darüber, dass in dem Kirchlein nach wie vor Mai- und Adventsandachten gefeiert werden – und dass im Anschluss daran bei einem gemeinsamen Umtrunk auch zusammengesessen wird. „Alle Schindelberger lieben ihre St. Rochus Kapelle und sind stolz, dass wir sie haben“, sagt Juliane Huber.

Zur Mittagszeit ist Steibis wieder erreicht. In der Pfarrkirche Verklärung Christi kann man sich noch einmal sammeln und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassen. Bleibt die Überlegung, wie die Gestaltung des Nachmittags aussehen könnte. Vielleicht sich auf den wenig anstrengenden Kapellenweg Nummer 1 begeben, der rund um die Ortsmitte von Oberstaufen führt? Oder doch lieber im Erlebnisbad Aquaria in Steibis ein paar Stunden entspannen? Morgen ist schließlich auch noch ein Tag. □

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