Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schule in Bewegung dank Reli

WAIBLINGEN-NEUSTADT – Seit sieben Jahren bringt das Thema Religion eine ganze Schule auf die Beine, zumindest die weiterführenden Klassen der Friedensschule: 400 Schülerinnen und Schüler besuchen mit ihren Lehrern eine Moschee, gehen zu einer alternativen Stadtführung mit den sozialen Brennpunkten, informieren sich über Gewaltprävention. Oder nehmen an einer Radwallfahrt teil.


Die Strecke verlang manchen jungen Radlern einiges ab. ( Foto: Werner Kuhnle)

„Glauben Sie an den Teufel?“ will ein Schüler in der St.-Barbara-Kirche in Stuttgart-Hofen vom katholischen Pfarrer Ludwig-Frank Matthes wissen. „Die Frage ist falsch gestellt. Glauben hat immer etwas mit Vertrauen zu tun. Der Teufel ist ein Arschloch, dem glaube ich nix. Aber es gibt ihn. Ja.“ Nächste Frage. Pfarrer ein toller Beruf? „Pfarrer sein ist das geilste, was es gibt!“ Weiter im Text. Ist denn Homosexualität ok? „Es gibt unterschiedliche sexuelle Orientierungen. Die Hauptsache ist, dass man Jesus liebt. Aber wir sind heute nicht hier, um über die sexuelle Orientierung zu reden. Es geht um die geistliche Orientierung. Glaubst Du, dass Jesus dich liebt? Sag Amen“, und „Amen“ kommt zurück. Matthes will nun weiter wissen: „Wer ist Schuld, wenn ich in den Himmel komme?“ Na klar, Jesus Christus. „Da hatte Martin Luther recht, das glauben wir Katholiken inzwischen auch“, kommentiert der Theologe trocken.

Das heitere und temporeiche Frage- und Antwortspiel ist der Abschluss einer Radwallfahrt, an der etwa 50 Schülerinnen und Schüler der Waiblinger Friedensschule teilgenommen haben. Die Tour an Rems und Neckar ist eines von fast 30 Angeboten beim religionspädagogischen Tag. Eine Gruppe besucht die Moschee in Schorndorf, andere gehen mit dem evangelischen Pfarrer Joachim Bauer zum Besinnungsweg in Bittenfeld. Eine weitere informiert sich über Angebote der Caritas für Asylsuchende oder besucht die Tagespflege der Diakonie. Es gibt Yoga-Stunden mit Diskussionen über den Buddhismus, eine Stadtführung in Stuttgart zu sozialen Brennpunkten und vieles mehr.

Ursprünglich war der religionspädagogische Tag einfach eine Pilgerradtour kurz vor Ostern – für alle Schülerinnen und Schüler, die mitwollten. Das Angebot kam so gut an, dass die damals neue Direktorin Gabriele Gollnick es auf alle weiterführenden Klassen der Gesamtschule ausweiten wollte – auch für Kinder und Jugendliche, die nicht Rad fahren wollen. Das ist jetzt sieben Jahre her. Seitdem gibt es eine Fülle von Themen, aus denen ausgewählt werden kann. „Und kaum einer meldet sich an dem Tag krank“, sagt Gollnik. 

Die gute Seele des Tages ist Gerlinde Belau. Sie selbst radelt nicht mit, sondern kümmert sich im Hintergrund darum, dass es den einzelnen Gruppen an nichts fehlt. Für die Radler ist das besonders wichtig. Wenn ein Rad unterwegs nicht repariert werden kann und die Truppe schon zu weit weg ist von der Schule, holt Belau Schüler und Rad ab. Heute ist das nicht nötig. Es gab zwar eine Panne, die nicht zu reparieren war, aber das war noch in Neustadt. Ein paar Fahrradketten mussten wieder neu aufgezogen werden, sonst war es ruhig. So ruhig, wie es eben mit 50 Schülerinnen und Schülern ist.

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Von Neustadt ging es erst einmal bergab zur Hegnacher Mühle. Auf einer Wiese stellen sich Schüler und Lehrer im Kreis auf. Es geht um das Thema Brot. Robert Merkle, der nicht nur die Fahrradwallfahrt, sondern auch den gesamten religionspädagogischen Tag mit organisiert hat, lässt von einem Kollegen Brotstücke verteilen. „Noch nicht essen“, mahnt er und geht dann darauf ein, dass Brot nicht nur in der Bibel, sondern auch in anderen Religionen eine wesentliche Rolle spielt. Und weil im Alltag häufig das Brot schnell und manchmal auch achtlos gegessen wird, sollen die Schüler erst einmal an ihrem Stück schnuppern. „Riecht nach Teig“, meint eine Schülerin.

Natürlich wird auch gebetet bei so einer Pilgerfahrt. Eine jugendliche Fassung des Vaterunsers, die auf Zetteln zu lesen ist. „Hey, unser Papa da oben! Du allein sollst auf dieser Welt ganz groß rauskommen“, heißt es darin unter anderem. „Hast Du mitgebetet?“ will hinterher eine Schülerin von ihrer Freundin wissen. „Nö“, antwortet die frank und frei. Das ist Konzept. Niemandem soll etwas übergestülpt werden, jeder, der dabei ist, hat die Freiheit, den geistlichen Part mitzumachen oder eben auch nicht. Schließlich sind es ja nicht nur Evangelische und Katholische, die hier mitfahren, sondern auch Muslime.

Bei der zweiten Station, an den Kalkfelsen am Remsufer Richtung Remseck, machen alle mit. Hier geht es nicht um Gebete, sondern um das Thema Vertrauen. Immer zwei sollen sich hintereinander aufstellen. Der oder die Vordere soll die Augen schließen und sich nach hinten fallen lassen, der hintere fängt auf. „Das hat sich cool angefühlt, wenn man vertrauen kann“, kommentiert Linus (13). Obwohl es auch Überwindung gekostet habe, sich fallen zu lassen.

In Hofen, am Ende der Tour, werden sie von Gerlinde Belau erwartet. Sie hat Brezeln und Wasser für alle dabei. Nach der kurzen Pause pilgern sie in die St.-Barbara-Kirche. Pfarrer Matthes erklärt das mit dem Weihwasser – und spritzt damit schon auch mal die Schüler nass, bevor er dann in der Frage-Runde viele kurze, schnelle Antworten gibt.