Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schwätzchen im Sonntagscafé

MURRHARDT – Seit 20 Jahren öffnet das Sonntagscafé des Murrhardter Krankenpflegevereins jede Woche seine Türen im Haus Lili oder im Schumm-Forum. Ehrenamtliche Helfer aus Murrhardter Vereinen und Institutionen bewirten die Senioren – und bieten einmal im Monat ein besonderes Programm. 


Barbara Hinzel (links) unterhält sich mit Klara Lang. Die 86-jährige ist gerne mit ihrer Freundin zu Gast im Sonntagscafè. Helga Eisenmann serviert ihr ein Stück Kuchen. (Foto: Sigrid Bauer)

Es ist kurz vor 14 Uhr. Die Tische sind hübsch gedeckt, Kuchen und Torten sind appetitlich angerichtet, es duftet nach frisch aufgebrühtem Kaffee. „Heute werden wahrscheinlich nicht ganz so viele Gäste kommen, weil einige andere Veranstaltungen in Murrhardt statt finden“, sagt Werner Stingel, Vorsitzender des Murrhardter Krankenpflegevereins. Er hat neben anderen Aktivitäten das Sonntagscafé ins Leben gerufen. Doch zehn Minuten später kommen schon die ersten Gäste; es sind Bewohnerinnen des Hauses.

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„Wir hatten von Anfang an genug Helfer. Für viele Murrhardter gehört es zum Jahresprogramm, ein- bis zweimal einen Dienst im Sonntagscafé zu übernehmen. Auch einige Familien unterstützen uns regelmäßig“, berichtet Stingel. Bis jetzt sei noch nie ein Sonntagscafé ausgefallen. Als 2017 der Heilige Abend auf den Sonntag fiel, wurde das Café am zweiten Weihnachtsfeiertag geöffnet.

An Weihnachten und Ostern, wenn es doch mal schwierig werde, Ehrenamtliche zu finden, übernehme er mit seiner Frau den Dienst, verrät Werner Stingel. Immerhin würden über das ganze Jahr 150 bis 160 Ehrenamtliche gebraucht. „Unser Sonntagscafé profitiert von den verschiedenen Helferteams. So kommt es automatisch zu einer schönen Abwechslung“, sagt Stingel.

An drei Sonntagen im Monat findet das Café im Haus Lili statt, wo Senioren im betreuten Wohnen leben. Es herrscht angenehme Wohnzimmer- und Caféhausatmosphäre. „Wir wollten den Menschen von Anfang an die Schwellenangst vor dem Altenheim nehmen“, erklärt der 71-Jährige. Die Senioren aus dem Heim und die Senioren, die noch zu Hause wohnen, sollten sich etwa mit früheren Nachbarn und Freunden zu einer Tasse Kaffee und Kuchen treffen können.

Außerdem habe er immer wieder mitbekommen, dass sich gerade sonntags viele ältere Menschen einsam fühlen, zumal es da kaum Angebote für sie gibt.

Erika Mebus ist eine der ersten Gäste an diesem Sonntag. Erst im April ist sie ins betreute Wohnen gezogen. „Ins Sonntagscafé gehe ich gern, wenn es sich einrichten lässt“, sagt sie. Meistens kommt auch die 95-jährige Annelies Krell, die sich noch selber versorgt und der man ihr Alter nur schwer abnimmt, so jung wirkt sie. Sie warten auf Marta Dikoff und Johanna Zügel, erst dann lassen sie sich Kaffee einschenken. „Ich gehe sonntags oft mit Freunden spazieren, dann hole ich uns danach hier Kuchen und nehme ihn mit in meine Wohnung“, erzählt Johanna Zügel.

Dienst hat heute Barbara Hirzel, eine der Initiatoren des Sonntagscafés aus dem Krankenpflegeverein. Schon am Samstag hat sie die Tische gedeckt und zur Tischdecke passende Blumen dekoriert. „Durchschnittlich kommen so um die 15 Gäste. Für viele sind Kaffee und Kuchen zweitrangig, ihnen geht es darum, Leute zu treffen“, sagt sie.

An den Programmsonntagen, einmal im Monat, zieht das Sonntagscafé in das geräumigere Schumm-Forum. „Da haben wir rund 40, manchmal sogar bis zu 80 Gäste“, berichtet Werner Stingel. Am Programm beteiligen sich viele Vereine, die Kirchen, Landfrauen, Musikgruppen und manchmal verpflichtet Stingel einen Zauberer.

Ein Höhepunkt im Jahr ist am ersten September-Wochenende das Patientenfest, ein besonderes Sonntagscafé im Schumm-Forum, zu dem der Krankenpflegeverein alle von der Diakonie ambulant betreuten Patienten einlädt. Für Menschen, die ans Bett gefesselt sind, sei der Sonntag eine der wenigen Gelegenheiten, aus den eigenen vier Wänden herauszukommen.

Werner Stingel begrüßt alle Besucher mit Handschlag und wechselt ein paar Worte mit ihnen. Länger unterhält er sich mit einem Ehepaar und dessen Sohn. „Wir kommen immer her, wenn Café ist“, sagt Ursula Hild, die wie ihr Mann gehbehindert ist.

Auch Barbara Hirzel und Helga Eisenmann, die an diesem Sonntag kurzfristig eingesprungen ist, halten gern ein Schwätzchen mit den Gästen. Unverkennbar ist: Alle fühlen sich wohl und genießen das Miteinander.


Information

Das Sonntagscafé öffnet immer von 14 bis 16.30 Uhr im Haus Lili des Erich-Schumm-Stifts in Murrhardt. Das nächste Sonntagscafé mit Programm ist am 4. November im Schumm-Forum. Eine Tasse Kaffee und ein großes Stück Kuchen oder Torte kosten 2,50 Euro.