Christliche Themen für jede Altersgruppe

Seelsorge beim Friseur - Gespräche über Gott und die Welt

„Wenn ich Haare schneide, dann erzählen mir die Kunden vielleicht vom letzten Hoffenheim-Spiel. Genauso rede ich über meinen Glauben.“ Für den Friseurmeister Erich Schuh aus Bad Rappenau Treschklingen ist es ganz natürlich, darüber zu sprechen, was ihn bewegt.

Seiner Frau Christa kann Erich Schuh auch ganz ohne Maske die Haare frisieren. In ihrem kleinen Salon liegt auch das Neue Testament aus. Foto: Stefanie PfäffleSeiner Frau Christa kann Erich Schuh auch ganz ohne Maske die Haare frisieren. In ihrem kleinen Salon liegt auch das Neue Testament aus. Foto: Stefanie Pfäffle

Eigentlich hätte Erich Schuh lieber etwas anderes gelernt. Elektro- oder Fernmeldetechniker hätte sich der 71-Jährige gut vorstellen können. „Aber ich komme noch aus einer anderen Zeit, da wurde nicht diskutiert, ob ich Nachfolger meines Vaters werde oder nicht“, erzählt er lächelnd. Trotzdem sei es zu 100 Prozent sein Weg.

Sein Christsein hat Schuh, der Mitglied der Liebenzeller Gemeinschaft ist, schon immer stark geprägt. Im EC-Jugendkreis hat der gebürtige Bad Rappenauer seine Frau Christa (70) kennengelernt, die später aus Liebe zu ihm auch Friseurin wurde. Gemeinsam sind sie und ihre drei Kinder stark engagiert, organisierten über lange Zeit eine Familienfreizeit mit bis zu 100 Teilnehmern. Christa Schuh leitet viele Jahre die Kinderkirche im Teilort Treschklingen, ihr Mann war bis zum Alter von 66 Jahren Jungscharleiter und übernimmt weitere Aufgaben in der Kirche und der Landeskirchlichen Gemeinschaft.

Beim Friseur - Gespräche über Gott und die Welt

Erich Schuh schafft es, quasi alle seine Interessen mit seinem Glauben und der Kirche zu verbinden. So ist er Vorsitzender des Heimatvereins. „Da präge ich auch mit Menschlichkeit und Christsein“, sagt er. Heimatgeschichte habe in früherer Zeit immer sehr viel mit Kirche zu tun. „Und wenn ich dann eine Gruppe junger Leute in der Salz- und Sole-Ausstellung habe, fange ich mal mit dem Satz ‚Ihr seid das Salz der Erde‘ an“, ergänzt Schuh schmunzelnd. Der Mann macht seinem Namen übrigens alle Ehre, denn schon seit rund fünfzig Jahren sammelt er Schuhe, besitzt rund 600 Paare und bekommt auch die mit dem Christentum in Zusammenhang. In seiner Bibel sind gleich mehrere Stellen markiert, in denen Schuhe eine Rolle spielen. Und letztlich schafft er es sogar mit der Fernmeldetechnik in den Gottesdienst. Seine Bundeswehrzeit hat Schuh natürlich bei den Fernmeldetechnikern absolviert. Seit einigen Jahren steht eine komplette Ton-Anlage in seinem Keller, die dann im vergangenen Jahr bei einem Gottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit auf dem Rathausplatz in Bad Rappenau zum Einsatz kam.

Die Schuhs verwenden sehr viel Zeit fürs Gebet, vor allem während der Coronakrise. Die Evangelische Allianz hat die Aktion „Deutschland betet – in 2020 täglich um 20.20 Uhr“ ins Leben gerufen. Schuh ist in der Gebetsarbeit tätig, etwa die Gebetsfreizeit in Bad Blankenburg.

Bad Rappenau war schnell stark von Infektionen betroffen. Das Pflegeheim war das erste in Baden-Württemberg, in dem es zu einem Ausbruch kam. „Das hat uns sehr stark bewegt und mich dazu bewogen, Gebetsideen weiterzureichen“, erzählt Schuh. Als sein Salon – das Paar arbeitet immer noch zweieinhalb Tage die Woche in einem extra eingerichteten Laden im Erdgeschoss ihres Hauses – noch geschlossen war, verschickte er wöchentlich vier bis fünf Gebetsvorschläge an fünfzig E-Mail-Adressen. „Wir beten gerade für Kinder, denn wenn die in der Stadt nun in einer kleinen Wohnung aufeinanderhocken, brennt in der Familie irgendwann die Sicherung durch“, befürchtet Schuh. Als Großvater von acht Enkeln sei ihm das ein großes Gebetsanliegen. Der 71-Jährige betet auch für die Gastronomie. „Das erntet manchmal Erstaunen, wenn ich das erzähle, dass ich namentlich für jemanden bete, aber Bad Rappenau muss es wert sein, dass die Kleingliedrigkeit mit inhabergeführten Geschäften bestehen bleibt.“

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Vor rund 35 Jahren stießen die Schuhs zur Vereinigung Christlicher Friseure in Deutschland. Erich Schuh ist seit vielen Jahren Vorsitzender, schreibt für das Mitgliedermagazin über Dinge, die ihn beschäftigen. Zum Beispiel, dass Christen ihren Glauben verständlich ausdrücken und auch soziale Medien nutzen müssen.

Der Friseur erfährt Achtung für seinen Lebensstil

Doch was hat ein Friseurbesuch mit dem Glauben zu tun? „Geht man lieber zur Seelsorge oder zum Friseur?“, fragt er knitz zurück. Jemanden anfassen, ihn verändern dürfen, habe ja auch mit dem Schöpfungsauftrag zu tun. Mit der Zeit entwickle sich eine Beziehung zum Kunden und dann spreche es sich auch leichter. Im Salon liegen christliche Zeitschriften, auch das Neue Testament aus. „Mit der Zeit erfährt man eine gewisse Achtung für den gradlinigen Lebensstil, aus ‚O je, so ein Frommer‘ wird dann Respekt, dass man seinen Glauben wirklich lebt“, stellt er fest. Als Geschäftsmann dürfe man sich aber auf keinen Fall gesellschaftlich ausgrenzen. „Natürlich gehe ich zum Straßenfest.“

Über zwanzig Jahre lang war Erich Schuh Obermeister seiner Innung, hat in 33 Jahren im Prüfungsausschuss über 1500 Gesellenbriefe unterschrieben und dabei manchem Sorgenkind geholfen. Da wurde auch schon mal ein monatelanges Training angesetzt, damit es im zweiten Anlauf mit der Prüfung klappt. „Wenn so einer dann mit einem Dreier rausgeht, ist man selber glücklich.“

Heute ist Erich Schuh der dienstälteste Kassenprüfer im Landesinnungsverband. Als solcher nutzt er seine Kontakte, um seine Kollegen in Sachen Corona-Verordnung immer auf dem Laufenden zu halten. Für ihn stand außer Frage, wieder zu öffnen, schließlich warteten die Stammkunden und auch so mancher, der bei seinem eigentlichen Friseur nicht so schnell einen Termin bekam. Wenn sie mögen, kommt Erich Schuh dadurch auch wieder mit neuen Leuten ins Gespräch, auch über den Glauben.

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