Christliche Themen für jede Altersgruppe

Senioren drücken auf „Start“ - Fit für die elektronische Welt

STUTTGART – Der Alltag wird immer digitaler, auch für ältere Menschen. Wer nicht regelmäßig im Netz unterwegs ist, kann sich schon mal schwer tun. Daran möchte die Diakonissenanstalt etwas ändern und macht ihre Bewohnerinnen fit für die elektronische Welt.

senioren, Internet, laptop. Foto: Stevepb, pixabayFoto: Stevepb, pixabay

Elisabeth Kress wohnt mit ihrem Ehemann im Betreuten Wohnen der Evangelischen Diakonissenanstalt. Ihr Mann kenne sich mit dem Computer aus, er habe ordentlich Vorlauf. Und dann, so erzählt die 85-Jährige, habe sie gedacht, sie könne doch auch mal eine E-Mail verschicken.

„Wir haben alle Wohnungen des Betreuten Wohnens im Stuttgarter Westen mit Internet ausgestattet, und dieser Zugang ist kostenlos für die Bewohner“, sagt Thomas Mayer. Vor allem in Zeiten der Pandemie habe sich gezeigt, wie wichtig diese Kommunikationsform sei, sagt der Verwaltungsdirektor der Diakonissenanstalt Stuttgart. Erste Schritte in die digitale und soziale Teilhabe üben die Bewohner auf Laptops und Tablets. Im Dezember wurden die Senioren in einer Veranstaltung der Stadt Stuttgart über die digitalen Angebote der Stadt und des Landes Baden-Württemberg informiert.

„Starthilfe – digital dabei“ heißt zum Beispiel eine Lern-App der Medienanstalt für Baden-Württemberg. Nach einer kurzen Einführung wird der Nutzer in einzelne Bereiche wie „Das Gerät bedienen“, „Das Gerät erkunden“ oder „Messenger“ (Nachrichten) herangeführt.

Doch auch für diese ersten Schritte braucht es kundige Begleiter. „Wir haben Leihtablets für das erste Erkunden ausgegeben“, sagt Mayer. Und die Bewohner motiviert. Worauf haben sie Lust? Wollen sie Familienkontakte pflegen, Nachrichten und Fotos austauschen, Musik auf „Youtube“ hören? „Die Herausforderung bestand darin, bei den Bewohnern herauszufinden, wo der Spaß liegt“, sagt Mayer. Außerdem startete die Diakonissenanstalt eine Aktion, bei der kundige Senioren Bewohnern helfen. „Es war total berührend, als Mitglieder der Stiftsgemeinde zu uns ins Haus kamen“, sagt die Diakonische Schwester Dagmar Öttle.

Nötig sind kundige Begleiter

Doch der eigentliche Digitalisierungsprozess für Senioren im Mutterhaus begann mit der Teilnahme am „KommiT“-Projekt der Stadt Stuttgart. Es soll älteren Menschen den Umgang mit Computern und dem Internet erleichtern und die  Vernetzung im Stadtviertel stärken. Neben kostenlosen Schulungen wurden ältere Menschen zu Technikbegleitern geschult – Senioren helfen Senioren. In einem zweiten Schritt bewarb sich die Diakonissenanstalt für ein sechsmonatiges kostenloses Training bei „startsocial“.

Handy, Smartphone, Seniorin. Foto: 12194226, pixabayFoto: 12194226, pixabay

Dabei handelt es sich um einen eingetragenen Verein, der jährlich den bundesweiten Wettbewerb zur Förderung sozialer, ehrenamtlich getragener Organisationen, Projekte und Ideen veranstaltet. „Wir waren so stolz, dass wir zu den 100 Geförderten gehören“, sagt Dagmar Öttle. Einmal im Monat gibt es ein Schulungsangebot für Senioren. Die Polizei informierte über Sicherheit und Gefahren, ein Bankkaufmann kam auch vorbei. Alle zwei Wochen gibt es eine Techniksprechstunde im Haus.

Elisabeth Kress und zwei weitere Bewohnerinnen geben Auskunft über ihr neues digitales Leben. Schwester Anneliese Miller hat sich schon vor zwei Jahren „ein eigenes Gerät“ gekauft. Per Whatsapp hält die 83-Jährige Kontakt zur Familie, verschickt Texte und Fotos.

Elly Schmid nutzt ihr Tablet für die Bank, um morgens Zeitung zu lesen und E-Mails zu verschicken. „Ich finde es toll, ich möchte es nicht mehr missen“, sagt die 73-Jährige. Auch ihre Nichten seien begeistert.

Alle drei Bewohnerinnen haben bei „KommiT“ mitgemacht. Und Dagmar Öttle sagt: „Wir öffnen unser Haus ins Quartier, hier können Bewohner aus dem Stadtviertel, die mit ihrem Smartphone nicht klar kommen, Hilfe bekommen.“ Elly Schmid und Elisabeth Kress bleiben dran, sie treffen sich weiter regelmäßig zum digitalen Lernen.

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