Christliche Themen für jede Altersgruppe

Service für Sehbehinderte - Gemeindeblatt zum Anhören

STUTTGART – Ältere Mitglieder halten, neue gewinnen ‒ das möchte Achim Jäckle erreichen, der neue Geschäftsführer des Evangelischen Blinden- und Sehbehindertendienstes Württemberg. Eines der vielen Angebote: Ehrenamtliche sprechen für die Sehbehinderten Texte des Gemeindeblatts ein. Dorothea Holzäpfel ist für dieses Angebot dankbar.

Spaziergang mit Blindenstock. Foto: Mart Production, PexelsSpaziergang mit Blindenstock. Foto: Mart Production, Pexels

Achim Gäckle leitet den Evangelischen Blinden- und Sehbehindertendienst Württemberg e. V. (EBSW). Er vermisst jüngere Betroffene. „Die Inklusion zeigt ihre Wirkung, viele blinde und sehbehinderte Menschen sind sehr gut ausgebildet, arbeiten im IT-Bereich, haben Familie und wollen sich vielleicht auch gar nicht so intensiv engagieren.“ Der Theologe möchte genau diese Gruppe für die Angebote des EBSW gewinnen. Etwa 140 Mitglieder zählt der Verein. Er bietet Freizeiten und Ausflüge an. „Es gibt auch säkulare Blindenverbände, Blinde und Sehbehinderte sind gut vernetzt“, sagt Gäckle. Der EBSW jedoch bietet auch seelsorgerische Gespräche und Begleitung an. „In der Geschäftsstelle, im Vorstand und in vielen Regionen der Landeskirche stehen Gesprächspartner zur Verfügung, die selbst betroffen sind, auch Pfarrerinnen und Pfarrer“, sagt der Theologe.

Gemeindeblatt zum Anhören

Achim Jäckle mit Daisyplayer. Evangelischen Blinden- und Sehbehindertendienst Württemberg. Foto: Brigitte JähnigenAchim Jäckle mit Daisyplayer. Foto: Brigitte Jähnigen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2019 sind knapp 72 000 Menschen in der Bundesrepublik Deutschland blind. 47 000 sind hochgradig sehbehindert, 230 000 haben Sehbehinderung schwächeren Grades.

In vielen Kirchengemeinden sei das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten eher gering, sagt Achim Gäckle. „Wir sind viel zu wenig im Blick der Landeskirche, und wir brauchen mehr jüngere, sehende Ehrenamtliche, mit denen wir die Inklusion stärker vorantreiben können.“ Selber sportlich, denkt er an sportliche Aktivitäten wie das beliebte Tandemfahren und mobile Freizeiten.

Ein besonderer Service des EBSW sind 14-tägige Postsendungen an Mitglieder, die Auszüge aus dem Evangelischen Gemeindeblatt bestellen können. Ehrenamtliche wählen Artikel aus und sprechen sie auf Hörmedien, diese hören sich die Sehbehinderten daheim an. Eine von ihnen ist Dorothea Holzäpfel, die in Remshalden lebt. Die 74-Jährige informiert sich im Evangelischen Gemeindeblatt über das Geschehen in der Landeskirche.

Das Blatt gehört zu ihrem Leben

„Das Gemeindeblatt begleitet mich ein ganzes Leben“, sagt sie. „Meine Mutter hat es gelesen und mein Vater auch. Als ich elf Jahre alt war, hab ich begonnen, es auszutragen. Und mit zwölf durfte ich auch kassieren. Manchmal gab es ein kleines Trinkgeld.“

Heute lebt sie im betreuten Wohnen. „Das Gemeindeblatt gehört weiter zu meinem Leben. Ich hab es immer gemocht, auch das neue, es ist frischer.“ Alle zwei Wochen bekommt sie ausgewählte Artikel, die sie auf dem Daisyplayer hört, einem Gerät für sehbehinderte und blinde Menschen. „Ich bin denen, die das aufsprechen, sehr dankbar. So erfahre ich, was in der Landeskirche los ist. Zum Beispiel kürzlich über die Wahl des neuen Bischofs oder jetzt über den Krieg in der Ukraine.“ Sie hört sich auch gern die Impulse an. „Jeder Theologe legt die Schrift ein bisschen anders aus, das finde ich sehr interessant.“

Dorothea Holzäpfel bei einer Veranstaltung. Foto: PrivatDorothea Holzäpfel bei einer Veranstaltung. Foto: Privat

Derzeit ist Dorothea Holzäpfel gesundheitlich stark eingeschränkt und kann nicht an den ESBW-Ausflügen teilnehmen. 18 Jahre lang hat sie sich im Vorstand engagiert, hat in Schulen oder Gemeinden über ihr Leben berichtet. Ihr Rat: „Menschen mit Behinderungen sollten sich outen, auf andere zugehen. Sehende sollten fragen: Kann ich ihnen helfen und wenn ja, wie? Wenn beide Seiten keine Berührungsängste haben, sind alle zufrieden.“ □

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