Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sich besinnen und bessern - Buß- und Bettag

Der Buß- und Bettag stand als freier Arbeitstag immer wieder auf der Kippe, wenngleich es zu manchen Zeiten sogar sehr viele Bußtage im Jahr gab. Manche glauben, es gehe an einem solchen Tag darum, die ganze Zeit über zu büßen. Doch das ist ein Missverständnis.

Die Richtung ändern, neu beginnen und umkehren ‒ darauf soll man sich am Buß- und Bettag besinnen.Foto: Joggeli/pixelioDie Richtung ändern, neu beginnen und umkehren ‒ darauf soll man sich am Buß- und Bettag besinnen.Foto: Joggeli/pixelio

Als 1994 der Buß- und Bettag als Feiertag gestrichen wurde, waren die Gesichter lang. Gewiss, der Buß- und Bettag saß unter den gesetzlichen Feiertagen nie fest im Sattel. Doch ihn bleibend aus dem Kalender zu hebeln, hinterließ dann doch einen heftigen Schmerz.

Dass die Streichung des Buß- und Bettags seitens des Staates überhaupt möglich war, hat mit seiner Geschichte zu tun. Bußtage wurden bereits in Rom staatlich verordnet, wenn Kriegsgefahr, Epidemien oder eine andere Not drohte. Diesen Brauch hielt man in christlicher Zeit bei: Die Fürsten legten Bußtage für ihre Untertanen fest. Es gab auch eine kirchliche Variante, die sogenannten Quartembertage. Diese Fastentage wurden allerdings nicht im Bedarfsfall ausgerichtet, sondern fest datiert und fanden vier Mal im Jahr statt.

Obwohl der Buß- und Bettag weder eine ursprünglich christliche, schon gar keine evangelische Tradition hatte, entwickelte er sich im Lauf der Zeit zu einem solchen. 1532 wurde er in Straßburg, damals deutschsprachig und evangelisch, zum ersten Mal begangen. Der Kaiser hatte ihn angesichts der Türkenkriege angeordnet. Im späten 19. Jahrhundert existierten in den deutschen Ländern nicht weniger als 47 Bußtage. Um der Unübersichtlichkeit entgegenzuwirken, einigten sich die evangelischen Kirchenleitungen auf das Datum, das bis heute (kirchlich) gilt: Der Mittwoch vor dem letzten Sonntag im Kirchenjahr. Das neue Kirchenjahr beginnt mit dem ersten Advent. Doch stand der Buß- und Bettag auf wackeligen Beinen: Hitler verlegte ihn auf einen Sonntag und schaffte ihn faktisch ab. In der DDR strich man ihn 1967 mit der Einführung der Fünf-Tage-Woche und im wiedervereinigten Deutschland kippte man ihn schließlich endgültig, außer in Sachsen.

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Dass er als Feiertag aus dem Kalender verschwand, hängt wohl auch damit zusammen, dass er unter den Feiertagen der sperrigste ist. Seine Bedeutung ist nicht so offensichtlich wie Weihnachten oder Ostern. Wer büßt schon gerne, obendrein den ganzen Tag lang?

Ein Missverständnis, denn Buße und Verbüßung haben nichts miteinander zu tun. Es geht nicht um die Begleichung einer Schuld, sondern es geht um Umdenken und Besserung – so die eigentliche Bedeutung des Wortes Buße. Es ist ein Tag des Sich-Zurücknehmens und Besinnens.

Biblisches Vorbild ist die Geschichte vom bußfertigen Ninive aus der Jonageschichte. Dort lassen sich Bürger Ninives so sehr von der Rede des Propheten ins Gewissen reden, dass sie sich Bußgewänder anzogen und ihr unrechtes Tun beklagten. Als Tag der Bestrafung, gar der Selbstbestrafung, ist der Buß- und Bettag aber nicht gedacht.

Es geht um drei Dinge: sich seiner selbst zu vergewissern, sich die Zeit, in der man lebt, zu vergegenwärtigen und sich auf die Beziehung zu Gott zu besinnen. Nun könnte man sagen, dass jeder, der dies möchte, das an seinem höchstpersönlichen Bußtag tun kann. Doch die Wirkung ist eine besondere, wenn man ihn mit anderen begeht. Der Buß- und Bettag stärkt und bestätigt nicht nur die Beziehung zu Gott, sondern er stärkt und bestätigt auch die Beziehung zu den Mitglaubenden. Deshalb feiert man in den evangelischen Bußund Bettagsgottesdiensten auch das Herrenmahl.

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