Christliche Themen für jede Altersgruppe

Singen befreit - Impuls zur Predigt

2. Chronik 5,12-14 in Auswahl Und alle Leviten, die Sänger waren, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: „Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.

 

Singen befreit

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Kantate: 2. Chronik 5,2-5(6-11)12-14.

Von Konrad Mohl

 

Konrad Mohl ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Aichwald und Pfarrer für Kirchenmusik im Bezirk Esslingen. Foto: Privat

 

Konrad Mohl ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Aichwald und Pfarrer für Kirchenmusik im Bezirk Esslingen. Foto: Privat„Du meine Seele singe“. Das ist eines meiner Lieblingslieder. Kennen Sie das auch, dass die Seele singt, laut oder leise? Wie ein Ohrwurm, eine Melodie, die sich in unserm Kopf festsetzt und in einer Dauerschleife den Alltag begleitet? Das kann wunderbar oder auch sehr lästig sein. Ich habe häufig Melodien im Kopf, die ich vor mich hin singe, beim Radfahren oder unter der Dusche, zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten.

Singt! Dazu fordert uns der Sonntag Kantate auf. Vielleicht ist Ihnen gar nicht nach Singen zumute. Oder Sie trauen sich nicht? In der Tat, Singen kostet manchmal Überwindung. Doch es kann befreiend wirken, wenn man aus tiefstem Herzen singen und so seine Freude oder seine Klage ausdrücken kann.

Um die tröstende Kraft der Musik wissen alle, denen in Krankheit oder Trauer, Einsamkeit oder Verzweiflung ein Hoffnungslied begegnet ist. Töne und Texte, die aufbauen und Mut machen. Und wie beglückend kann es sein, mit anderen Musik zu machen. Gemeinsam gelingt, was einer allein niemals schafft. Resonanz entsteht, etwas kommt ins Schwingen. Das ist ein Glücksmoment.

So etwas haben die Menschen bei der der Tempeleinweihung in Jerusalem vor rund 3000 Jahren auch erlebt. Mit großem Orchester wurde die Bundeslade in den Jerusalemer Tempel gebracht. Allein 120 Bläser waren am Start. Ein gewaltiger Posaunenchor, der da zur Ehre Gottes aufspielt und seine Güte preist. Und Gott ist gegenwärtig.

Singen befreit. Musik kann direkt aus dem Herzen kommen und direkt zu Herzen gehen. Kein Wunder, dass uns Musik so berühren und mit anderen verbinden kann.

Gott hat uns die wunderbare Gabe der Musik geschenkt, um mit ihm in Kontakt zu treten. Wer singt, betet doppelt, sagt der Kirchenvater Augustin. Wie meint er das? Hört Gott uns lieber zu, wenn wir singend vor ihn bringen, was uns bewegt? Ich glaube eher, wir sind anders dabei. Beim Beten sind wir oft im Kopf.

Musik kann direkt aus dem Herzen kommen

Beim Singen sind wir mehr mit Herz und Verstand und mit dem ganzen Körper dabei. In der Musik kann ich Gott direkter erfahren und mit ihm in Verbindung sein. Die Theologie sagt: Gott ist das und das. Durch die Musik spürt man, dass er da ist.

Ich glaube, dass Gott uns die Musik gegeben hat, um uns zu trösten und aufzurichten. Das brauchen wir gerade jetzt, wo die Corona-Krise unseren gesamten Alltag verändert hat. Gott möchte, dass wir seine Gabe nutzen. Im Gottesdienst oder daheim, allein oder mit andern. Er schenkt uns das Lied des Lebens. Wer singt, kann Gottes Nähe spüren. Er kann Trost und Geborgenheit, Begeisterung und Glück erfahren. Singen strahlt aus auf unseren Alltag. Und ich denke, wenn wir singen, im Chor oder allein, freut sich Gott, der uns genau dazu unsere Stimme gegeben hat. Der indische Philosoph Tagore schreibt: „Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe.“ Also – vergessen wir das Singen nicht. □

 

Chornoten - David Beale/unsplashChornoten - David Beale/unsplash

 

Gebet

Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.

Die Töne, den Klang hast du mir gegeben von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde, du Quelle des Lebens.

Dir sing ich mein Lied.

Fritz Baltruweit

Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder Plus Nr. 56,1


Konrad Mohl ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Aichwald und Pfarrer für Kirchenmusik im Bezirk Esslingen.

 

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