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Singen ist heilsam - Interview mit Dieter Falk

Musikproduzent Dieter Falk hat seit dem Lockdown Chorproben angeboten, die im Internet live gestreamt werden. Jede Woche erhält er hunderte von Mails und Kommentaren, in denen die Teilnehmer schreiben, wie gut ihnen das gemeinsame Singen tut. Zurzeit ist zwar Sommerpause, aber Mitte August soll es weitergehen. Nicole Marten hat mit Dieter Falk gesprochen.

Dieter Falk. Mal wieder live auf der Bühne stehen – das ist das Ziel. Foto: PressebildDieter Falk. Mal wieder live auf der Bühne stehen – das ist das Ziel. Foto: Pressebild

Wie ist es denn zur Online-Chorprobe gekommen?

Dieter Falk: Ausgangspunkt war eine Notlage. Wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen durften keine Chorproben mehr vor Ort stattfinden. Für die Musical-Premiere von „Bethlehem“ im Dezember wäre das zum Problem geworden. Deshalb hatten wir Mitte März die Idee, die Proben online durchzuführen. Videokonferenz-Programme wie „Zoom“ lassen nur eine bestimmte Anzahl Teilnehmer zu.

Deshalb haben wir uns dazu entschieden, aus meinem Studio heraus live übers Internet zu streamen. Die Leute sehen mich, und können mir auch Videos schicken. Interaktion läuft über die Videos, über Kommentare und per E-Mail. Und wer an der Chorprobe teilnimmt, hört trotzdem einen Chor, denn ich spiele dann die Aufnahmen ab, die vom Chormusical bereits bei der Chorleiter-Schulung aufgenommen wurden. Ich habe von dem Projekt in zwei Fernseh-Sendungen erzählt, und damit kamen dann auch Partner ins Boot, wie der Weltbild-Verlag, Rotkäppchen-Sekt und evangelisch. de. Sie stellen uns ihre Kanäle zur Verfügung, über die wir die Proben dann ebenfalls live zeigen.

Wie viele Leute sind bei einer Chorprobe dabei?

Dieter Falk: Die Nachricht von den Chorproben hat sich so schnell verbreitet, dass schnell der Rahmen vom eigentlichen Bethlehem-Chor gesprengt wurde: Bei der ersten waren es schon rund die Hälfte des Bethlehem-Chors, also 1250 Sängerinnen und Sänger. Auf Facebook sind es recht konstant 500 bis 600 Teilnehmer, die weiteren Plattformen kommen dazu, sodass wir etwa 4000 bis 5000 Aktive bei den Proben live dabeihaben. Viele schauen sich das Video aber auch erst später an. Wir kommen insgesamt auf 20 000 bis 25 000 Menschen, die mitmachen. Dass es so viele sind, war sehr überraschend für mich.

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Welche Erfahrungen haben Sie mit den Online-Chorproben gemacht?

Dieter Falk: Zuerst war das natürlich sehr gewöhnungsbedürftig, weil ich die Teilnehmer weder sehe noch höre. Bei „Zoom“ sieht man die anderen wenigstens noch. Aber Musik kann man damit nicht machen, weil die Übertragung bei „Zoom“ minimal zeitversetzt läuft. Die Proben sind eine riesige Bereicherung für mich, denn es ist mittlerweile eine Community entstanden. Normalerweise bekommt man als Chorleiter nicht so viele Geschichten der Menschen mit. Dennoch können diese Online-Proben nur ein Ersatz sein für die Proben vor Ort.

Wovon erzählen oder schreiben die Leute?

Dieter Falk: Manche schreiben, dass sie schon bei anderen Musicals von mir mitgemacht haben, beispielsweise bei „Die 10 Gebote“ oder bei „Luther“. Manche haben bei einem einzelnen Musical fünf Mal mitgesungen. Für viele ist die Chorprobe dienstags das Highlight der Woche, das freut uns total. Viele erzählen uns auch persönliche Geschichten, beispielsweise schrieb uns jemand aus München, dass die Mutter gerade an Krebs gestorben ist, und dass eines der Lieder mit dem Titel „Mut und Stärke“, das wir in der Probe gesungen haben, da Kraft gegeben hat. Ich finde überraschend, dass Texte, die Michael Kunze eigentlich für ein Weihnachts-Musical geschrieben hat, jetzt aktuelle Bedeutung gewinnen. Ganz besonders sind es die Titel wie „Gib uns Mut und Stärke“, aber auch „Menschen in Not“. Aus Hessen hat uns eine Zuschrift erreicht, dass der relativ junge Vater an Corona gestorben ist, obwohl der noch gar nicht so alt war und keine Vorerkrankungen hatte. Solche Dinge bekommen wir jetzt häufig mit. Musik ist therapeutisch, jetzt nochmal mehr. Und Singen sowieso.

Online-Chor. Dieter Falk leitet die Proben von seinem Studio aus. Foto: PressebildOnline-Chor. Dieter Falk leitet die Proben von seinem Studio aus. Foto: Pressebild

Welche Wirkung hat die Musik auf Sie?

Dieter Falk: Die Musik ist für mich nicht nur Beruf, nicht nur das, was ich gut kann, sondern auch therapeutisch. Musik baut mich auf, holt mich wieder hoch. Sie hat eine Ventilfunktion, während Proben kann ich die Woche für ein kleines Weilchen vergessen. Im Musical „Bethlehem“ ist sehr viel positive Musik enthalten, es gibt viele „Singalongs“, die dazu anregen sollen, einfach mitzumachen. Außerdem habe ich einige Choräle mit Pop oder Jazz neu vertont. Die kommen den Menschen dann bekannt vor, und sie singen gerne mit.

Wie haben Sie die Auswahl getroffen, welche Lieder wann geübt werden?

Dieter Falk: Ich habe mich natürlich gefragt, welcher Text wann Sinn macht. „Menschen in Not“, „Liebe stellt keine Fragen“ und „Gib uns Mut und Stärke“ waren die Titel, die in den ersten drei Proben neu eingeübt wurden. Das war kurz nach dem Lockdown, und die Texte haben gut in das Gefühl der Zeit gepasst. Jetzt, wo die ganzen Beschränkungen lockerer sind, üben wir eher Erzählgeschichten, Stücke, die für das Musical wichtig sind, um die Weihnachtsgeschichte zu erzählen.

Was unterscheidet Ihre beiden ersten Chor-Musicals „Die 10 Gebote“ und „Luther“ von „Bethlehem“?

Dieter Falk: Gleichgeblieben ist, dass der Chor im Mittelpunkt steht. Da ist ein neues Genre entstanden. Die Menschen haben Lust, bei solchen Projekten mit großem Chor mitzusingen. „Bethlehem“ ist mehr Mainstream, das hat aber auch mit dem Thema zu tun: Weihnachten ist das, was auch Leute erreicht, die weniger mit dem christlichen Glauben zu tun haben. Auch Kirchenferne können etwas mit Weihnachten anfangen. Luther und 10 Gebote, das sind eher Themen für Insider. Trotzdem singen wir bei „Bethlehem“ auch „Der Retter ist da".

Welche Rolle spielen die Mitmachaktionen?

Dieter Falk: Die sind sehr wichtig, denn sie tragen dazu bei, dass wir uns als eine Chorgemeinschaft, eine Community fühlen. Angefangen hat es damit, dass wir die Teilnehmer gefragt haben, ob sie sich beim Singen filmen und uns die Videos schicken. Später haben wir Grußworte von befreundeten Musikern wie Johannes Oerding oder Joris aufgenommen, jetzt stellen sich die Musical-Sänger vor. Und dann hat uns Heinz Rudolf Kunze an Gründonnerstag einen Liedtext geschickt, zu dem ich zusammen mit meinem Sohn Paul eine Melodie geschrieben habe. Die war innerhalb von einer Stunde fertig.

Dieter Falk leitet die Proben von seinem Studio aus, Tausende singen mit. Foto: PressebildDieter Falk leitet die Proben von seinem Studio aus, Tausende singen mit. Foto: Pressebild

Wie lief das im Einzelnen ab?

Dieter Falk: Wir haben die Noten an einen Gitarristen und an einen Bassisten geschickt, die haben das eingespielt, Heinz Rudolf Kunze hat den Song eingesungen und wir haben das Ganze zusammen gemischt. Dann hat der Online-Chor den Refrain geprobt und jeder konnte uns ein Video und eine Sound-Datei schicken, wie er oder sie den Refrain singt. Die Sound-Dateien haben wir zu einem großen Background-Chor zusammen gemischt, die Videos in ein Video mit Heinz Rudolf Kunze eingebaut. Das ist für alle eine Win-Win-Situation. Wir haben einen schönen Song, und die Leute empfinden sich als Teil davon.

Welche Möglichkeiten haben Sie als Künstler noch?

Dieter Falk: Wir Künstler können uns in der Krise artikulieren – und die Sänger gleich mit. Viele haben uns geschrieben, dass sie sich im Video gesucht haben. Das sind ja viele kleine Bilder, die man da sieht. Die Leute haben sie vergrößert, um sich zu finden. Jetzt fordere ich dazu auf, uns das „Erlebnis der Woche“ zu schicken. Das ist weniger aufwändig als die Videos, weil es nur kurze Nachrichten sind. Entstanden ist das ganz spontan, weil ich irgendwann gestürzt bin und das in der Community teilen wollte. Wir bekommen 400 bis 500 Kommentare. Leute erzählen uns, dass sie mit ihrer Mama zusammen singen, oder dass jemand traurig war, weil er oder sie einen Jungen mit Maske gesehen hat, oder sie freuen sich, weil sie sich auf der Videowand gefunden haben. Ich freue mich auch, dass mein Sohn Paul mit dabei ist.

Information

Im Musical „Bethlehem“ geht es um die Weihnachtsgeschichte. Neuer Termin für die Premiere im Düsseldorfer ISS Dome ist der 11. Dezember 2021. Am 19. Dezember 2021 kommt das Musical in die Ludwigsburger MHP-Arena. Mit dabei ist jeweils ein großer Projektchor. Weil die Corona-Beschränkungen Proben in Präsenz-Chören wochenlang untersagten, gibt es seit März die Online-Chorprobe „Singen zu Hause“. Internet: www.bethlehem-chormusical.de

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