Christliche Themen für jede Altersgruppe

Singend durchs Leben - Musik begleitet uns ein Leben lang

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“, schrieb der Philosoph Friedrich Nietzsche. Wie Recht er hat: Musik begleitet den Menschen ein Leben lang, schon Babys reagieren darauf. Eine Erklärung, warum Musik für den Menschen so wichtig ist und wie Eltern das musikalische Vermögen von klein auf anregen können.

Baby, Musik. Foto: the donw, pixabayFoto: the donw, pixabay

Die menschliche Liebe zur Musik beginnt bereits vor der Geburt. „Schon im Mutterleib erkennt das Ungeborene die Stimme der Eltern, nimmt Klänge und wohlige Vibrationen wahr und reagiert darauf“, erklärt der Musikwissenschaftler und Schulmusiker Marcel Dreiling. Ist das Baby auf der Welt, lässt es sich durch Musik beruhigen oder aktivieren; bald hebt es interessiert das Köpfchen, macht erste Bewegungen zu den Tönen. Stehen die Kleinen dann auf eigenen Beinchen, beginnen sie zu Musik zu tanzen und selbst zu singen.

Für Marcel Dreiling belegen diese Entwicklungsschritte, wie wichtig Musik für den Menschen ist. Unmusikalische Menschen gibt es für den erfahrenen Chorleiter, der auch im Vorstand der Stiftung „Singen mit Kindern“ sitzt, nicht: „Eine Affinität zur Musik hat jeder, seit seinem Urschrei als Baby, dem ersten Schrei nach Luft und Leben.“ Gerade für Kinder sei das Singen eine primäre Betätigung. „Kleine Kinder singen ganz selbstverständlich vor sich hin, sie be-singen ihren Alltag. Mit Hilfe der Musik öffnen sie sich, finden zur Ruhe, verleihen ihren Emotionen Ausdruck, lassen Dampf ab, erfahren Inspiration“, sagt Dreiling.

Kinder finden zur Ruhe mit Musik

Hinzu komme die Wirkung auf das Sozialverhalten, denn Musik stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl, unterstützt das kollektive Tun und hilft, Konflikte zu entschärfen. Darüber hinaus hat Singen auch Einfluss auf die Entwicklung, „denn es fördert erwiesenermaßen die Sprachentwicklung und formt den Sprechapparat“, sagt Marcel Dreiling. Weil Musik die Vernetzung von Gehirnstrukturen anregt, bezeichnet der Neurobiologe Gerald Hüther sie gar als „Kraftfutter für Kinderhirne“ und spielt damit auf wissenschaftliche Studien an, nach denen sich singende Kinder bei der Einschulung leichter tun und bessere Noten erzielen. Last but not least fördert Musik die Gesundheit – sie reduziert Stress, reguliert den Blutdruck, wirkt stimmungsaufhellend und schmerzlindernd, erleichtert den Schlaf, reduziert Angst und aktiviert die Selbstheilungskräfte.

Auf dem Weg zum Popstar? Jedenfalls macht Singen Spaß. Foto: adobe stock/ epixproductions

Auf dem Weg zum Popstar? Jedenfalls macht Singen Spaß.  Foto: adobe stock/ epixproductionsDass Musik von klein auf gefördert werden sollte – darin sind sich Experten einig. „Starten können Eltern schon, bevor das Kind auf die Welt kommt“, sagt Marcel Dreiling. Um dies zu unterstützen, hat die Stiftung „Singen mit Kindern“ ein Liederbuch erarbeitet, das bereits in Geburtsvorbereitungskursen an werdende Eltern verteilt wird. „Der kleine Elefant“ enthält Klassiker für das erste Lebensjahr wie „Weißt du, wie viel Sternlein stehen?“ oder „Der Mond ist aufgegangen“ sowie Anlassund Spiellieder wie „Jetzt steigt Hampelmann“ oder „Hoppe Reiter“. Einige dieser Melodien wie „Heile Segen“ oder „Schlaf, Kindlein, schlaf“ sind tief im kulturellen Gedächtnis verankert und kommen häufig wie von selbst an die Oberfläche.

In Krippe und Kindergarten wird das singende Kommunizieren zum festen Tagesbestandteil, etwa bei der Begrüßung oder wenn es zum Händewaschen geht. Dazu kommen Spaß- und Bewegungslieder oder Jahreszeitenlieder. Manche dieser Lieder können zu Hause helfen, aus lästigen Alltagspflichten ein Vergnügen zu machen. So lässt sich „Alle meine Entchen“ leicht zu „Alle meine Zähnchen werden jetzt geputzt“ abwandeln. In Kita und Grundschule lernen die Kinder zudem die wichtigsten Weisen aus dem traditionellen Liederschatz wie „Alle Vögel sind schon da“, „Bunt sind schon die Wälder“ oder „Schneeflöckchen“, die Ausdruck von Heimat, Kultur und Tradition sind und eine wichtige Brücke zwischen den Generationen bilden.

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Auch bei älteren Kindern empfiehlt Dreiling immer wieder Begegnungen mit Musik zu schaffen, indem man zu Hause Musik auflegt, Picknickkonzerte oder Auftritte von Vokalensembles besucht. Vor allem aber gilt: „Tun, tun, tun! Singen Sie selbst und vermitteln Sie dabei: Singen ist nichts Peinliches. Animieren und verlocken Sie dazu, die eigene Stimme als Spiegel der Seele zu nutzen, sie zu akzeptieren, ‚Ja‘ zu sich selbst zu sagen.“

Singen ist nicht peinlich

Darüber hinaus gibt es in jedem größeren Ort Förderangebote für alle Altersgruppen. Die Musikwissenschaftlerin und Musikpädagogin Imogen Gutekunst unterrichtet an der Stuttgarter Domsingschule Eltern-Kind-Singen und Musikalische Früherziehung. Sie findet es wichtig, „schon bei den Kleinsten die Freude an der Musik zu wecken, die eigene Stimme und den Körper als Instrumente zu entdecken“. Denn: „Musik kann Türen zu Räumen öffnen, in denen sich wichtige Entwicklungsschritte vollziehen.“

In diesem Herbst bietet Gutekunst erstmals eine musikalische Eltern-Baby-Gruppe an. „Das jüngste Kind ist drei Monate alt“, berichtet sie und erzählt, wie die Eltern für ihre Babys singen, ihnen Sprechverse vortragen. „Durch Berührungen, durch Tupfen und Streicheln wird Musik körperlich erlebbar“, sagt Gutekunst. Wenn Eltern sagen, sie könnten nicht singen, glaube sie das nicht. „Sprechverse und einfache Melodien kann jeder, und da kommt es nicht auf den exakten Ton an, sondern auf das Tun. Und Kinder lieben es.“

Marcel Dreiling. Foto: privatIn den Eltern-Kind-Gruppen ab eineinhalb Jahren gibt die Expertin Eltern ein Repertoire von Liedern für den Alltag an die Hand. Lieder zum Schuhe-Binden, Hände-Waschen oder In-Regenpfützen-Springen sprechen vertraute Erfahrungen an und stoßen ganz nebenbei Persönlichkeitsentwicklung, sprachliche, motorische und kognitive Fähigkeiten an.

In der musikalischen Früherziehung ab drei Jahren geht es keineswegs darum, kleine Mozarts heranzuziehen. „Die Kinder lernen erstmal allein da zu sein, sich in die Gruppe zu integrieren, aufeinander zu hören und aufeinander zu warten“, sagt Imogen Gutekunst. „Durch Spaß und Bewegung erleben sie spielerisch die Parameter der Musik und spüren intuitiv, welche Qualität Musik hat, wenn ich durch den Raum stampfe, schleiche oder hüpfe.“

Ab dem Schuleintritt kann es dann in den Chor gehen. Die Stuttgarter Domsingschule bietet mit der Mädchenkantorei und dem Knabenchor „collegium iuvenum“ Chorgesang für alle Altersklassen an. Neben einer grundlegenden musikalischen Bildung geht es auch um die Vermittlung religiöser Werte sowie die Förderung emotionaler und sozialer Kompetenz. Denn: „Im Zeitalter der digitalen Vereinsamung wird es immer wichtiger, die wenigen analogen Möglichkeiten zu fördern“, sagt Marcel Dreiling: „Real, persönlich, nebeneinander und miteinander. Denn Musik ist Leben.“ 

Marcel Dreiling kennt keine unmusikalischen Menschen. Foto: Privat

Information

Auf der Homepage der Stiftung „Singen mit Kindern“ (www.singen-mit-kindern.de) finden Eltern ein umfangreiches Online-Angebot wie etwa das Monatslied und ausführliche Hilfestellungen zu Stimmbildung und spielerischer Gestaltung. Außerdem können dort Liederbücher und -kalender bestellt werden.

Buch-Tipp

Das Liederbuch zum gemeinsamen Singen in Familie, Kindergarten und Grundschule. Es vereint bekannte deutsche Kinderlieder mit Liedern anderer Kulturen, Liedern für bestimmte Anlässe, Jahreszeiten oder Feste.

Jens Tröndle/Peter Schindler: Kinderlieder für alle!
35 Lieder zum Mitsingen, mit CD
Carus-Verlag 2017

19,90 Euro.

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