Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sonntagsschüler bei den Baptisten

Seit fast 50 Jahren ist Otto Waalkes (71) der Blödler der Nation. Ein vielseitig begabter Komödiant, der in einem baptistischen Elternhaus in Emden (Ostfriesland) aufwuchs. Später sollte er die Kirche immer wieder auf die Schippe nehmen. 


Otto Waalkes heute. (Foto: epd-bild)


„Theo, wir fahrn nach Lodz“. Die Persiflage auf einen verschroben daherredenden Pfarrer gehört zu den Paradenummern von Otto Waalkes. „Er hat damit wohl einige unserer Pastoren in Emden parodiert“, sagt Hinrich Schmidt. Schmidt war Ende der 50er-Jahre Jugendleiter, als Otto in die Jungschar und die Sonntagsschule ging.

Seine Mutter Adele hatte ihn dorthin geschickt, eine strenggläubige Baptistin, die jeden Sonntag den Gottesdienst besuchte. Der Vater nahm es nicht ganz so genau, ging mehr aus Gefälligkeit mit und der Sohn, weil er halt musste. „Ein sympathischer Kerl“, erinnert sich Hinrich Schmidt, „und ein Wirbelwind, der immer unter den Bänken durchsauste.“

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Die Baptisten haben eine lange Tradition in Emden. Die freikirchliche Gemeinde ist weit über 100 Jahre alt und geht in jene Zeit zurück, als Johann Gerhard Oncken (1800–1884) dort missionierte. Er gilt als Vater der deutschen und kontinentaleuropäischen Baptisten, deren Merkmal die Erwachsenentaufe ist.
Noch heute hat die Gemeinde in Emden über 300 Mitglieder, ist eine feste Größe in der Stadt und im ökumenischen Verbund der Kirchen. Otto ist bald eigene Wege gegangen, die nicht unbedingt die seiner Kirche waren. Das war vor allem seiner Mutter gar nicht recht, die lange mit den derben Späßen ­haderte, die der Sohn machte. „Das mütterliche Bekenntnis verdammte praktisch alles, was mir Spaß machte“, wird er in seiner 2018 erschienenen Autobiographie sagen.

Später war sie natürlich auch stolz auf ihn. Und Otto längst einer, der bundesweit für Furore gesorgt hatte. Manch einer fand es läppisch, doch die meisten, die ihn wirklich kennen, bewundern sein enormes Talent und seine Vielseitigkeit. Er kann ebenso gut zeichnen wie Gitarre spielen und amüsiert selbst heutige Jugendliche noch mit seiner natürlich-kindsköpfigen Art.

„Der ist wirklich so“, sagt auch Hinrich Schmidt. Wer immer den wahren Otto hinter der komischen Fassade sucht, stellt mitunter erstaunt fest, dass es gar keinen anderen gibt. Die Pointen hat er sich dennoch von Profis schreiben lassen, weil auch bei Otto nicht alles, was spontan wirkt, wirklich spontan ist.
Der einzige Bibelvers, den er in seiner Autobiographie zitiert, ist Psalm 1: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, da die Spötter sitzen“. Man kann es sich lebhaft vorstellen, dass er auch in der Sonntagsschule am liebsten da saß, wo die Spötter saßen.

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