Christliche Themen für jede Altersgruppe

Spendenaktion - Adventskalender - Hauptschulabschluss mit 21

Nicht jeder junge Mensch schafft seinen Schulabschluss. Doch ohne Abschluss auch keine Berufsausbildung. Wie kann Schulabbrechern oder Schulschwänzerinnen geholfen werden? Das Haus der Lebenschance in Stuttgart bietet eine Möglichkeit.

In kleinen Gruppen lernen junge Menschen für den Hauptschulabschluss. Foto: epd-bild/ Heike LydingIn kleinen Gruppen lernen junge Menschen für den Hauptschulabschluss. Foto: epd-bild/ Heike Lyding

Lisa hat mit 15 die Schule verlassen, sie hat keinen Abschluss gemacht, ist zwei Malsitzen geblieben. Zu Hause gab es Probleme. Dass sie die Schule geschwänzt hat, hat niemanden interessiert. Schulausflüge waren ein echtes Problem, denn das Geld war knapp. Das zuzugeben war ihr peinlich. Also ging sie lieber nicht mit.

Das fiktive Beispiel zeigt, was die Hauptamtlichen im Haus der Lebenschance häufig hören, sagt Leiterin Sonja Hagenmayer. Weiter ginge es so: Als Lisa in die Einrichtung der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart kommt, ist sie 20. Einen Schulabschluss hat sie noch immer nicht; auch nicht über die Berufsschule. Das Jobcenter hatte sie in eine Ganztagesmaßnahme gesteckt, aber Lisa musste sich um ihre kranke Schwester kümmern.

Jetzt, nach den vielen Lockdowns in der Corona-Zeit, fällt es Lisa schwer, morgens um acht pünktlich bei einem Termin zu sein. Daran muss sie sich erst wieder gewöhnen. Aus dem Schulsystem ist sie herausgefallen. Weil sie aber doch den Schulabschluss machen will, hat sie sich auf die Suche gemacht. „Wichtig ist, dass die jungen Menschen sich selbst bei uns melden und nicht ein Sozialarbeiter oder die Elterndas tut“, sagt Sonja Hagenmayer.

Wenn junge Menschen nur deshalb versuchen, einen Abschluss nachholen, weil Vater oder Mutter sie dazu überreden, ist die Motivation meist ziemlich gering. Im Haus der Lebenschance soll das anders sein. „Lisa und alle anderen, die zu uns kommen, müssen es als ihr eigenes Ziel begreifen, bei uns den Schulabschluss zu machen“, erklärt Hagenmayer. Zuerst kommt Lisa zum Vorstellungsgespräch. „Sie muss uns erklären, warum sie den Schulabschluss machen möchte und was jetzt anders ist als die Male davor“, sagt Sonja Hagenmayer.

Wenn Lisa und die Mitarbeitenden überzeugt sind, kann Lisa mit dem Kurs im Juni beginnen. Der Starttermin ist bewusst auf die Wochen vor den Sommerferien gelegt. So lernen die Neuen die Schülerinnen und Schüler des Vorgängerkurses kennen, sie erleben den Prüfungsstress der anderen, aber auch die Freude darüber, dass sie den Abschluss in der Tasche haben. Und sie sind eigeladen zur Abschlussfeier. „Das ist eine hohe Motivation für die Neuen, dran zu bleiben“, sagt Hagenmayer. Noch vor den Sommerferien gibt es ein erneutes Gespräch zu der Frage, ob Lisa am Kurs teilnimmt.

Gemeinsam lernen und essen

Entscheidet sie sich dafür, geht es im September los. Mit elf anderen und einer Freizeit des neuen Jahrgangs am Bodensee. „Für die meisten ist es das erste Mal, dass sie woanders hin fahren“, erzählt Hagenmayer.

Nach der Freizeit wird es ernst. Täglich Unterricht. Mathematik, Deutsch, Englisch und Biologie. Lisa wohnt zu Hause, sie ist aber von montags bis freitags im Haus der Lebenschance. Um 9 Uhr geht es los mit einem Frühstück. Das Ritual hilft als Einstieg in den Tag. Viele, die hier landen, sind regelmäßige Mahlzeiten nicht gewohnt. Anfangs tun sich manche schwer damit, aber nach ein, zwei Wochen hat sich das meist gelegt.

Es folgen drei Stunden Unterricht, am Nachmittag sind es ebenfalls drei Stunden. Dazwischen wird in der Mittagspause gemeinsam gekocht und gegessen. Dabei ergeben sich häufig Gespräche. Vertrauen wächst.

Zwei Mal in der Woche geht es nachmittags in Ausstellungen, ins Theater, ins Konzert, zum Klettern oder ähnliches, um auch hier Teilhabe zu ermöglichen.

Wenn es gut läuft, fasst Lisa den Mut, sich im Januar zur schulexternen Prüfung anzumelden. Und im Sommer hat sie es dann wahrscheinlich geschafft, wie die anderen auch: Von denen, die sich zur Prüfung angemeldet haben, ist bislang noch keiner durchgefallen.

Haus der Lebenschance

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