Christliche Themen für jede Altersgruppe

Spiel von Licht und Schatten

KIRCHBERG AN DER JAGST (Dekanat Blaufelden) – Poesie, Musik, Tanz, Theater, Gebet – alles in einer Nacht. In fünf Kirchen rund um Kirchberg fand im September die erste „Nacht der Kirchen“ statt. Unser Autor ist mit dem Elektrofahrrad zu den verschiedenen Schauplätzen gefahren.

Pfarrer H. Wittlinger, Nacht der Lichter, Stephanuskirche

Pfarrer Hansjörg Wittlinger stimmt in der Lendsiedler Stephanuskirche das Gutenachtlied an. (Foto: Ralf Garmatter)

Das Gegensatzpaar Schatten und Licht spielt in der Bibel eine wichtige Rolle. Licht wirft Schatten. Und wo Schatten ist, gibt es eine Lichtquelle. Beides gehört untrennbar zusammen. „Normalerweise wollen wir im Licht stehen und nicht im Schatten. Nur bei großer Hitze suchen wir den Schatten“, beschreibt Pfarrer Alfred Holbein aus Kirchberg an der Jagst menschliches Streben im Vorwort zur „Nacht der Kirchen“. Fünf Kirchen im Distrikt Kirchberg hatten am 14. September erstmals abends und bis in die Nacht hinein zur gleichen Zeit geöffnet.

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzen die Gelegenheit. Sie erleben die Stephanuskirche Lendsiedel, die Stadtkirche Kirchberg, die katholische Heilig-Kreuz-Kirche Kirchberg, die Jugendstilkirche Gaggstatt und die Bartholomäuskirche Beimbach in einem völlig ungewohnten Licht. „Lassen Sie sich hineinnehmen in das Spiel von Licht und Schatten, Schatten und Licht in dieser Nacht. Es ist auch das Spiel des Lebens“, erklärt Pfarrer Holbein weiter.

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Auf zur 5-Kirchen Tour

Der Autor dieses Artikels machte sich in besagter Nacht mit dem Elektro-Fahrrad (E-Bike) auf eine Tour zu den fünf genannten Kirchen. Es war ein Suchen und Erkunden von Jesu Worten „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Johannes 8,12). Viele taten es dem Autor gleich, eine Menge Leute nutzte den Shuttlebus zur Fortbewegung zwischen den fünf Kirchenstandorten.

Die hell erleuchtete Bartholomäuskirche Beimbach empfängt die Besucher mit verschiedenen Stationen zu Psalm 23. Den Innenraum der alten Wehrkirche schmücken unzählige Kerzen, Lampen und Scheinwerfer in unterschiedlichen Farben. Die Orgel erstrahlt in einem sanft-lila Schein. Schemenhaft sind im Chorraum die alten Wandgemälde zu sehen. Bei leiser Musik und feierlicher Stimmung im Raum machen es sich Frauen und Männer neben Kissen mit anmutigem Pflanzendekor gemütlich. Sie nehmen sich Zeit, um über Psalm 23 nachzudenken. Dort heißt es in der Luther-Übersetzung: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Die hohenlohische Variante von Ernst Breitschwerd zu Psalm 23 strahlt ein Beamer auf die Leinwand. Auf hohenlohisch ist zu lesen: „Und muaß i durch a finschdres Dol, i hob ka Engscht, ja mir is wouhl, denn Gott, der Herr, der ist debei, basst uff mi uff, des soch i glei, mit dr Schippe, mit seim Schdecke; i hob ka Engscht, brauch net verschrecke.“ Von Angst keine Spur.

Draußen ruft ein Käuzchen. Die Grillen zirpen in der lauen Spätsommernacht. Auf der Fahrt mit dem Fahrrad von Beimbach nach Gaggstatt bescheint der Vollmond die Felder, Wiesen und Wälder mit seinem fahlen Licht. Nur ein Maishäcksler auf einem Acker stört die nächtliche Idylle mit seinem tiefen Brummen. In der Ferne flackern sacht die Lampen von Schweine- und Putenställen. Von einer Anhöhe nähert sich der Radler von Norden her der hell erleuchteten Jugendstilkirche Gaggstatt. Wie eine Burg mit zwei hellen Türmen ragt sie im Tal zwischen den Häusern des Dorfes heraus. Die Flutlichtstrahler sind auf die Türme und die Natursteinmauer mit den breiten weißen Fugen gerichtet – wie ein Spinnennetz aus vielen großen eckigen Feldern sieht das aus.

Im Garten des Kirchhofs sitzen zwei Frauen und unterhalten sich. Sie wirken bedrückt. Ihr Thema ist ernst. Von drinnen klingt Trompetenmusik der Band „ComboWabohu“ in den Kirchengarten. Um Punkt 22 Uhr werden „Jazz und Poesie“ vom Läuten der Kirchenglocken übertönt. 24 Glockenschläge: viermal hell für die volle Stunde, zehnmal kräftig und zehnmal in dunklem Ton.

Spiel von Licht und Schatten

Während in Gaggstatt noch die Kirchenglocken schlagen, beginnt in der zwei Kilometer entfernten Heilig-Kreuz-Kirche in Kirchberg bereits die letzte Meditation. Dazu gibt es moderne Kirchenlieder, gespielt am E-Piano und auf der Querflöte. Manche singen mit, andere lassen die festliche Stimmung still auf sich wirken. Die Kapelle ist mit vielen Kerzen illuminiert. Einige flüstern im Halbdunkel des Kirchenraums. Die Kerzen im Mittelraum richten sich auf den strahlenden Altar aus, symbolisieren den „Weg hin zum Licht“. Von der Empore hört man eine Frauenstimme „Fröhlich sollt ihr sein  und euch freuen“ oder „Kein Stern leuchtet ohne Dunkelheit“. Die Gegensatzpaare Reichtum und Tod, Wahrheit und Schein, Wonne und Pein, Licht und Schatten sind zwei Seiten einer Münze. Orgelnachspiel von Winfried Koch – Stille. Offen bleibt die Frage: „Wirft das Kreuz auf uns seine Schatten, um uns von Gott fernzuhalten, oder gibt es auch eine andere Perspektive?“

Beim Anstieg zur Kirchberger Stadtkirche – der vorletzten Station des Abends – hallen die Worte und die Musik noch nach. In der Altstadt angekommen, fallen zwei junge Frauen auf, die aufmerksam eine neongelbe Lichtinstallation am Kirchengemäuer betrachten und angeregt darüber diskutieren – „es werde Li...“. Die drei letzten Buchstaben sind vorhanden, aber nicht beleuchtet. Was hat das zu bedeuten? Das fragen sich viele.

Kerzenschein, Gebete und Segensstation

Davon unbeeindruckt verzehren andere an Stehtischen Brot und Wein. Sie stärken sich und unterhalten sich angeregt. In die Kirche ist kein Einlass mehr. Das Abschluss-Schattenspiel „Ein kleiner Totentanz“ hat schon angefangen. Es handelt von der Geschichte des Todes. Sie beginnt damit, dass Kain seinen Bruder Abel erschlägt, geht über den Krieg als Todbringer bis hin zum Trunkenen, den der Tod ereilt.

Da kein Hineinkommen in die Kirchberger Stadtkirche ist, geht‘s weiter zur Abschluss-Andacht in die Stephanuskirche Lendsiedel. Dort wird man mit einem „Herzlich willkommen. Schön, dass du da bist“ freundlich begrüßt. Bei der Nacht der Kirchen hatte es in Lendsiedel eine ganze Menge verschiedener Aktionen gegeben: Gebetsstationen, Klagemauer, kreativer Danktisch, Segensstation, Beichtecke, Vergebungsfeuer, Abendmahlskreis, „Dein Date mit Gott“, Visionstafeln „Before I die“ und anderes mehr. Die Menschen hörten Botschaften wie „In Jesu Licht finden die Menschen nach Hause“ und „Gottes Licht ist ein reinigendes Licht“. Die Kirchennacht klingt in Lendsiedel aus mit dem von Pfarrer Hansjörg Wittlinger als Gutenachtlied bezeichneten „Du bist mein Zufluchtsort“.

Dann ist Schluss bei der ersten „Nacht der Kirchen“. Doch fünf Unentwegte haben noch immer nicht genug. Sie übernachten in der Lendsiedler Stephanuskirche in ihren Schlafsäcken. Pfarrer Wittlinger hatte dafür Werbung gemacht. Denn „Kirchenschlaf ist einer der gesündesten“, meinte er. Bestimmt waren die fünf Kirchenschläfer am nächsten Morgen beim gemeinsamen Gebet, Gesang, dem Frühstück und dem anschließenden Gottesdienst auch schon wieder in bester Verfassung.

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