Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sprache und Glauben prägen - BasisBibel vs. Lutherbibel

Wer die Lutherbibel mit der BasisBibel vergleicht, wird viele Unterschiede bemerken. Woher kommen sie? Und weshalb haben sich die Übersetzerinnen und Übersetzer für eine bestimmte Formulierung entschieden? Mit der neuen Serie „Luther- und BasisBibel im Vergleich“ gehen wir diesen Fragen auf den Grund. Zum Auftakt ein Blick in die Übersetzungswerkstatt.

Alte Luther-Bibelübersetzung. Foto: Couleur, pixabayAlte Luther-Bibelübersetzung. Foto: Couleur, pixabay

Serie

In der Serie „Luther- und BasisBibel im Vergleich“ geht es um die Unterschiede der beiden Übersetzungen. Teil 1: Blick hinter die Kulissen.

Am 21. September vor 500 Jahren erschien in Wittenberg das Neue Testament in der von Martin Luther angefertigten Übersetzung. Am 18. Dezember 1521 hatte er auf der Wartburg die Arbeit daran begonnen. Die daraus hervorgegangene „Lutherbibel“ ist durch ihre Wirkungsgeschichte die wichtigste deutsche Bibelübersetzung. Alle bekannten biblischen Redewendungen, vom „Licht unter den Scheffel stellen“ bis zum „Perlen vor die Säue werfen“, gehen auf sie zurück. Vor allem in den vergangenen 100 Jahren sind andere Übersetzungen an ihre Seite getreten. Für den deutschen Sprachraum gibt es deshalb heute ein breites Spektrum an Bibelübersetzungen, das in seiner Vielfalt nur noch von den zahlreichen englischen Übersetzungen überboten wird.

Seit Januar 2021 ist auch die BasisBibel als Vollbibel aus Altem und Neuem Testament verfügbar. Die von der Deutschen Bibelgesellschaft verantwortete Neuerscheinung wird vom Rat der EKD in Ergänzung zur Lutherbibel offiziell für den Gebrauch empfohlen, gerade auch für die Erstbegegnung mit der Bibel. Vor allem aber wird sie von vielen Leserinnen und Lesern geschätzt. Bereits im ersten Jahr wurde sie deshalb über 200 000 Mal verkauft.

Manches ist ungenau und bleibt

Jede Übersetzung der Bibel steht vor der Herausforderung, einen jahrtausendealten Text aus einer anderen Sprachwelt (Hebräisch, Aramäisch und Griechisch) und einer fremden Kultur in ein heute verständliches Deutsch zu übersetzen. Dazu kommt, dass ein Teil der Leserschaft schon andere Übersetzungen kennt und deshalb konkrete Erwartungen an den Text hat. Das zeigt sich schon ganz einfach bei den Namen: „Hiob“ ist die aus der Lutherbibel bekannte Namensform, in katholischen Bibeln heißt dieselbe Person „Ijob“, im Englischen „Job“. Eigentlich wäre „Ijob“ dichter am hebräischen Original. Da „Hiob“ sich aber im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch eingebürgert hat, wie beispielsweise im Wort „Hiobsbotschaft“, bleibt sowohl die BasisBibel als auch die Lutherbibel bei dieser Form.

Da einzelne Sprachen in sich jeweils unterschiedlichen Regeln folgen und nicht über denselben Bestand an Wörtern verfügen, kann eine Übersetzung nicht einfach Wort für Wort erfolgen. Stattdessen muss man sich entscheiden: Soll die Übersetzung wenigstens so dicht wie möglich am Aufbau und Wortbestand des Originals bleiben? Oder soll sie versuchen, vor allem den Sinn des Originals in der Zielsprache möglichst treffend wiederzugeben?

Jede Übersetzung muss eine Grundentscheidung treffen, ob sie eher wörtlich oder eher sinngemäß sein will. Wie diese Entscheidung dann in jedem Vers umgesetzt wird, ist eine ganz andere Frage. In eher sachlich-informierenden Texten wie etwa dem Verzeichnis der Nachkommen von Adam und Noah in 1. Chronik 1 ist es keine große Kunst, wörtlich zu übersetzen. Das sieht bei poetischen Texten schon ganz anders aus. So übersetzte Luther in Psalm 90,12 zunächst wörtlich: „Lass uns wissen die Zahl unsrer Tage …“ Bei seiner erneuten Bearbeitung der Psalmen entschied Luther sich dann für die sinngemäße Wiedergabe: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen …“ Neben der Grundentscheidung steht deshalb die Notwendigkeit, von Fall zu Fall zu prüfen, ob sich diese wirklich durchhalten lässt oder ob die Übersetzung gerade dieses Verses nicht doch eine andere Vorgehensweise erfordert.

Basisbibel, die Kompakte. Foto: Pressebild

Basisbibel. Foto: Pressebild

Die BasisBibel legt besonders hohen Wert auf Verständlichkeit. Deshalb hat man dort die Grundentscheidung getroffen, möglichst kurze und unkomplizierte Sätze zu verwenden. Die Regeln lauten: „In keinem Satz sind mehr als 16 Wörter“ und „Für jeden Hauptsatz gibt es nicht mehr als einen Nebensatz.“ Beim Lesen der BasisBibel wird man irgendwann feststellen: Keine Regel ohne Ausnahme. Die Grundentscheidungen wurden nicht wie ein Gesetz der Meder und Perser um jeden Preis durchgesetzt. Aber wenn immer möglich, haben die Übersetzerinnen und Übersetzer sich daran gehalten. Ein Beispiel dafür ist Römer 3,25-26. Im griechischen Original und auch in der Übersetzung Luthers bilden beide Verse einen einzigen Satz. In der BasisBibel ist allein schon Vers 25 in vier Sätze aufgeteilt: „Durch dessen Blut hat Gott ihn als Zeichen der endgültigen Versöhnung eingesetzt. Und durch den Glauben erhalten wir Anteil daran. So hat Gott seine Gerechtigkeit unter Beweis gestellt. Lange hat er die Verfehlungen ungestraft gelassen, die früher begangen wurden.“

Diese Aussagen sind inhaltlich herausfordernd. Die Vereinfachung der Satzstruktur hilft deshalb, den Gedankengängen von Paulus zu folgen und sich dann bei Bedarf mit Hilfe einer anderen Übersetzung auch dem Aufbau des Originaltextes zu nähern. Unter www.die-bibel.de/bibel können Sie übrigens den kompletten Text der BasisBibel online nachlesen und direkt mit der Lutherbibel vergleichen.

Jede Übersetzung muss damit leben, dass sie das Original nicht perfekt wiedergeben kann. Bei einer Bibelübersetzung kommt dazu noch der große geschichtliche und kulturelle Abstand zur Entstehungszeit der Texte. Neben dem eigentlichen Text finden sich deshalb in fast allen Bibelausgaben zusätzliche Erklärungen: Manchmal als Fußnoten oder als „Sach- und Worterklärungen“ im Anhang, manchmal aber auch als Erläuterungen am Rand. Solche Randbemerkungen hatte Luther bei seinem Septembertestament von 1521 verwendet – und so macht es jetzt auch die BasisBibel. Über den eigentlichen Text hinaus erhalten die Leserinnen und Leser dadurch Unterstützung bei ihrer Lektüre.

Luther veränderte ständig

Das alles zeigt, dass eine Bibelübersetzung eine Mammutaufgabe ist, die letztlich keine Einzelperson mehr alleine bewältigen kann. Schon Martin Luther war auf die Unterstützung durch Philipp Melanchthon und andere Freunde und Gelehrte in seinem Umfeld angewiesen. Bei der BasisBibel waren fast 40 Personen an der inhaltlichen Erarbeitung beteiligt. Das erfordert dann wiederum eine gute Koordination und übergreifende Abstimmung. Dazu gibt es heute spezielle Software, die unter anderem vom Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies) entwickelt und zur Verfügung gestellt wird.

Und wenn eine Übersetzung erst einmal fertig gestellt ist, stellt sich meist recht bald die Frage: Wie geht man mit Änderungsvorschlägen und Rückmeldungen aus der Leserschaft um? Luther selbst hat seine Übersetzung zu Lebzeiten immer wieder revidiert. Nach seinem Tod wurde der Text jedoch von vielen als unveränderlich angesehen. Erst im 19. Jahrhundert konnte offiziell wieder mit einer Revision begonnen werden. Heute ist es sicher sinnvoll, einen etablierten und vielen vertrauten Bibeltext wie den der Lutherbibel möglichst transparent und behutsam zu pflegen. Durch die Revision 2017 ist für diese Übersetzung jetzt ein Textstand erreicht, der etliche Jahre in dieser Fassung verwendet werden kann.

Die Bibel zu übersetzten ist eine sehr anspruchsvolle, aber zugleich auch eine sehr schöne Aufgabe. Gerade bei der BasisBibel bekommen wir viele Rückmeldungen, dass sich die Mühe gelohnt hat. Die neue Übersetzung hilft selbst erfahrenen Bibellesern, das Buch der Bücher besser zu verstehen. Doch ganz egal, welche deutsche Bibel Sie zur Hand nehmen: Bei allen bekannten Übersetzungen können Sie sich darauf verlassen, dass sie mit großer Sorgfalt erstellt und gepflegt werden. Jetzt kommt es nur noch darauf an, dass man sie liest.

◼ Der promovierte Theologe Christoph Rösel ist Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft.

Einblick in die Übersetzungswerkstatt früher (links): Luther zwischen Melanchthon und Bugenhagen. Heute hilft neben einem Team auch eine spezielle Software. Fotos: akg-images, Werner Kuhnle

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen